Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Produktionsverlagerungen rückläufig

03.03.2008
Der Standort Deutschland ist wieder attraktiv: Deutsche Unternehmen verlagern ihre Produktion nicht mehr so häufig ins Ausland. Und jeder vierte bis sechste Betrieb kehrt zurück, weil Einbußen bei Qualität und Flexibilität die erhofften Einsparungen bei den Lohnkosten auffressen.

Der Produktionsstandort Deutschland scheint wieder attraktiver zu werden: Nur 15 Prozent der Betriebe des deutschen Verarbeitenden Gewerbes haben von Mitte 2004 bis Mitte 2006 Teile ihrer Produktion ins Ausland verlagert. Dieses Ergebnis ist Teil einer Studie für die Otto-Brenner-Stiftung.

Dazu hat das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe die Datenbasis seiner Erhebung "Modernisierung der Produktion" ausgewertet, an der 1663 Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes teilgenommen haben. Wie vertiefende Zeitreihenanalysen in der Metall- und Elektroindustrie zeigen, haben Produktionsverlagerungen deutlich an Bedeutung verloren, während die Rückverlagerungen in etwa gleich geblieben sind. Auf jede vierte bis sechste Verlagerung folgt innerhalb von vier bis fünf Jahren eine Rückverlagerung.

Bevorzugte Ziele für Produktionsverlagerungen waren die neuen EU-Mitgliedsländer, allen voran Tschechien und Polen. China auf Rang drei ist mit Abstand das wichtigste Verlagerungsziel außerhalb der EU. Geringere Personalkosten sind nach wie vor das dominierende Motiv für Produktionsverlagerungen, insbesondere in die neuen EU-Mitgliedsländer. Zu diesem Befund passt die Tatsache, dass ostdeutsche Betriebe mit ihrem geringeren Druck durch hohe Arbeitskosten seltener Teile ihrer Produktion ins Ausland verlagern. Dagegen haben Steuern und Subventionen als Verlagerungsmotiv deutlich an Bedeutung verloren.

Die Studie brachte auch an den Tag, wie schnell Verlagerungen scheitern kön-nen: 85 Prozent der Rückverlagerer hatten in den vier bis fünf Jahren zuvor eine Produktionsverlagerung ins Ausland vorgenommen. "Wer zurück verlagert ist meist relativ schnell gescheitert", warnt Steffen Kinkel vom Fraunhofer ISI. Langfristige negative Entwicklungen an den ausländischen Standorten spielen damit eine untergeordnete Rolle, vielmehr scheinen Verlagerungen häufig nicht genügend geplant und zu sehr an kurzfristiger Kosteneinsparung orientiert zu werden.

Die Betriebe selbst nennen als Gründe für Rückverlagerungen vor allem Flexibilitäts- und Lieferfähigkeitseinbußen sowie Qualitätsprobleme der Auslandsproduktion. Verlagerungsentscheidungen dürfen sich also nicht alleine auf Vergleiche der Personalkosten stützen, sondern müssen auch Qualitätssicherungskosten und Aufwendungen zur Sicherung der Flexibilität (Puffer-, Lager- und Betreuungskosten) kalkulieren.

Damit Betriebe Standortvergleiche zukünftig fundierter durchrechnen können, hat das ISI eine Software entwickelt, die als Lizenz - oder in Verbindung mit einem einführenden Seminar - beim Institut erworben werden kann. Die in der Software hinterlegten Erfahrungswerte zu bestimmten, häufig unterschätzten zentralen Kenngrößen wie Anlaufzeiten oder Betreuungskosten sind für Unternehmen der Automobilzulieferindustrie ermittelt worden, prinzipiell ist die Software aber auch für andere Branchen anwendbar. Das nächste Seminar hierzu findet am 28. Mai 2008 im Fraunhofer ISI in Karlsruhe statt.

Weitere Informationen zum Seminar: http://www.isi.fraunhofer.de/i/dokumente/global2008.pdf.
Die Beratungskompetenz des ISI bei Standortentscheidungen:
http://www.isi.fraunhofer.de/i/images/isi-se-kompetenzen.jpg
Kontakt:
Dr. Steffen Kinkel
Telefon: 0721 / 6809 - 311
E-Mail: steffen.kinkel@isi.fraunhofer.de
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI untersucht Marktpotenziale technischer Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinären Forschungsgruppen konzentrieren sich auf neue Technologien, Industrie- und Serviceinnovationen, Energiepolitik und nachhaltiges Wirtschaften, Dynamik regionaler Märkte und Innovationspolitik sowie Technologiemanagement.

Bernd Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de/pr/presse.htm
http://www.isi.fraunhofer.de/i/dokumente/global2008.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet - Juni 2018
20.06.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer sinkt zum zweiten Mal in Folge
28.05.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Optische Kontrolle von Herzfrequenz oder Insulinsekretion durch lichtschaltbaren Wirkstoff

17.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umweltressourcen nachhaltig nutzen

17.07.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Textilien 4.0: Smarte Kleidung und Wearables als Innovation

17.07.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics