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Commerzbank: Börsenbericht für die Woche vom 21.01. bis 01.02.2008

29.01.2008
Der negative Trend seit Jahresbeginn beschleunigte sich in der letzten Handelswoche nochmals - auch die Not-Zinssenkung der US-Notenbank konnte die emotional getriebene Unsicherheit nicht aus den Aktienmärkten nehmen.

Die Marktteilnehmer preisen bereits jetzt einen weiteren (großen) Zinsschritt ein und Analysten nehmen sukzessive ihre Erwartungshaltung bzgl. der Unternehmensgewinne zurück. So verwundert es wenig, dass die Aktienmärkte kräftig Federn lassen mussten. Der deutsche Leitindex Dax gab in der zurückliegenden Handelswoche um knapp 7% nach und schloss bei 6.817 Zählern. Zwischenzeitlich notierte der Index sogar bei 6.384 Punkten, legte dann zum Wochenschluss aber wieder deutlich zu. Titel des EuroStoxx50 verloren mit ca. 5,5% etwas weniger, seit Jahresanfang ist die Bilanz jedoch ähnlich negativ wie die des Dax (-15%).

Nach einer Berg und Talfahrt beschlossen die internationalen Rentenmärkte die Vorwoche erneut mit einer festeren Tendenz. Der für den deutschen Rentenmarkt richtungweisende Bund Future stieg im Wochenvergleich um 33 Basispunkte auf 116,58 Punkte. Die Rendite von 10-jährigen Bundesanleihen stieg allerdings ebenfalls leicht um 1 Basispunkt auf 3,98%. Aufgrund des früheren Handelsschlusses als beim Bund Future konnten 10-jährige Bundesanleihen die Erholung des Bund Futures im späten Handel nicht mitgehen. Die Rendite von 2-jährigen Staatsanleihen reduzierte sich im Wochenvergleich jedoch um 2 Basispunkte auf 3,46%. Der steilere Verlauf der Zinsstrukturkurve spiegelt die zunehmend aufkommenden Zinssenkungserwartungen in der Eurozone wider. 10-jährige US-Staatsanleihen rentierten zum Wochenschluss mit 3,55% gegenüber 3,63% eine Woche zuvor. Die Kursentwicklung wurde hauptsächlich von den Entwicklungen an den Aktienmärkten und der überraschenden Zinssenkung der US-Notenbank bestimmt. Relevante Konjunkturdaten gab es nur wenige. So ist das ifo-Geschäftsklima überraschend gestiegen und GfK-Konsumklima sowie der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im Euroraum trübten sich entgegen den Erwartungen nicht weiter ein. Die Stimmung im Dienstleistungssektor, die im Allgemeinen stärker auf Verwerfungen an den Finanzmärkten reagiert, verschlechterte sich jedoch. In den USA wiesen die Verkäufe bestehender Häuser auf eine weiterhin schwache Entwicklung am Immobilienmarkt hin.

Nachdem die vergangene Woche trotz nur weniger bedeutender Datenveröffentlichungen turbulent und spannend verlief, verspricht die aktuelle Woche aufgrund einer regelrechten Flut wichtiger US-Konjunkturdaten ebenso zu werden. Im Mittelpunkt des Marktinteresses wird die Zinsentscheidung der US-Notenbank stehen.

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Mit Spannung bleibt abzuwarten, ob sie erneut an der Zinsschraube drehen wird. Wir erachten dies für nicht unwahrscheinlich. Zwar wäre ein solcher Schritt auf Basis der bisher vorliegenden Konjunkturdaten nicht zu begründen, doch spricht einiges dafür, dass es zu einer weiteren Zinssenkung kommen wird. So verfügt die Fed durch ihre Rolle in der Bankenaufsicht möglicherweise über Informationen, dass der Zustand des Finanzsystems oder einzelner Institutionen schlechter ist als öffentlich bekannt - das wäre auch eine Erklärung (außer dem Kursrutsch an den Aktienbörsen) für die Zinssenkung der vergangenen Woche. Außerdem sind die Zinssenkungserwartungen bereits so stark ausgeprägt, dass ein Ausbleiben eines weiteren Zinsschrittes zu einem erneuten Kurseinbruch an den Aktienbörsen führen würde. Daneben stehen mit Einnahmen und Ausgaben der privaten Haushalte im Dezember, der 1. Schätzung für das US-Bruttoinlandsprodukt im 4. Quartal 2007, dem Arbeitsmarktbericht, dem ISM-Index, Inflationsdaten und weiteren Immobilenmarktdaten wichtige Veröffentlichungen auf der Agenda. Die Daten aus dem Euroraum dürften vor dem Hintergrund der US-Datenfülle relativ wenig Beachtung finden, wenngleich mit dem Economic Sentiment Indicator, dem Verbraucher- und Industrievertrauen wichtige Stimmungsindikatoren anstehen.

Zudem könnten die anstehenden Inflationsdaten - sollten sie auf einen nachlassenden Preisdruck hinweisen - die Zinssenkungserwartungen im Euroraum weiter erhöhen. Eine nachlassende Verunsicherung an den Märkten dürfte eine Konsolidierung an den Rentenmärkten begünstigen. Eine weitere Zinssenkung in den USA sollte die Nachfrage nach sicheren Anlagen weiter abklingen lassen. Das Abwärtspotenzial sollte jedoch begrenzt bleiben, da Daten wie der ISM-Index und der Arbeitsmarktbericht sich eher positiv auf Rentenpapiere auswirken dürften.

Auf der Unternehmensseite zeigte sich in der vergangenen Woche ein gemischtes Bild. Apple rutschte nach den Quartalszahlen um 12% ins Minus. Nach Einschätzung von Händlern hatte vor allem der Ausblick des Computerherstellers enttäuscht. Der anhaltende Preisverfall bei Speicherchips hat den Hersteller Qimonda im abgelaufenen ersten Geschäftsquartal weit schwerer getroffen als erwartet. Das Ergebnis belastet auch den Mutterkonzern Infineon. Die dramatische Verschlechterung der Lage bei Qimonda macht Infineon, die noch drei Viertel der Anteile halten, gleich doppelt zu schaffen: Zum einen reißt das Millionenminus weiterhin tiefe Löcher in die eigene Bilanz, zum anderen erschwert es die anvisierte Loslösung von der Tochter.

Positives gab es von der Allianz zu vermelden - die Münchener haben ihre Gewinnziele für das Jahr 2007 trotz Milliarden-Abschreibungen bei der Tochter Dresdner Bank weitgehend erreicht.

Auch für diese Woche bleiben wir weiter pessimistisch. Aufgrund der derzeit herrschenden Verunsicherung gehen wir von anhaltend volatilen Märkten aus. Eine moderate Aufwärtsbewegung könnte durchaus möglich sein, dazu dürften aber die US-Makrodaten dieser Woche (inkl. der Fed) keine weiteren Rezessionsängste schüren.

Technisch betrachtet konnte sich der Dax in der letzten Berichtswoche über der Marke von 6.400 Punkten halten. Der jüngste Anstieg brachte den deutschen Index an die Marke von 7.000 Zählern heran, diese wurde aber nicht gehalten - ein Rückschlag in Richtung 6.800 Punkten war die Folge. Ein erneuter Test von 6.400 Punkten sollte möglich sein. Privatanlegern wird die Aktie von Linde zum Kauf empfohlen.

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