Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bessere Chancen für Kleinunternehmer in Afrika

14.12.2007
Gießener Arbeitspsychologen publizieren die Ergebnisse ihrer Forschungen zu Unternehmen in Afrika im Journal of Applied Psychology

Afrika wird in den Medien häufig erwähnt - oft in negativen Nachrichten. Afrika ist der einzige Kontinent, auf dem sich in den vergangenen 25 Jahren der Wohlstand kaum kontinuierlich entwickelt hat. Im Gegenteil: Vielfach gab es Rückschritte.

Wie können Besitzer von kleinen Unternehmen und Kleinst-Firmen in Afrika ihre Chancen auf Erfolg erhöhen? Prof. Dr. Michael Frese und seine Mitarbeiter in der Abteilung Arbeits- und Organisationspsychologie der Justus-Liebig-Universität Gießen sind dieser Frage nachgegangen und haben damit gezielt einen kaum beachteten Aspekt der Qualität von Unternehmen in den Blick genommen. Die Antwort der Gießener Arbeitspsychologen in Kürze: Es lohnt sich für die Besitzer von Unternehmen, detailliert und vor allem proaktiv zu planen. Eine Empfehlung, die gerade im Journal of Applied Psychology publiziert wurde (Business owners' action planning and its relationship to business success in three African countries).

Frese, M., Krauss, S.I., Keith, N., Escher, S., Grabarkiewicz, R., Luneng, S.T., Heers, C., Unger, J., & Friedrich, C. (2007). Business owners' action planning and its relationship to business success in three African countries. Journal of Applied Psychology, 92(6), 1481-1498.

... mehr zu:
»Arbeitspsychologe

Die meisten Ökonomen vermuten, dass die Anzahl und die Qualität von Unternehmen die wichtigsten Voraussetzungen für die ökonomische Entwicklung in den Entwicklungsländern darstellen (neben Faktoren wie Aufbau einer Zivilgesellschaft, Regierungsfähigkeit etc.). Prof. Frese und seine Kollegen setzen genau dort an und haben in der wohl umfassendsten und intensivsten Untersuchung von afrikanischen Unternehmern und Unternehmerinnen in den Ländern Südafrika, Zimbabwe und Namibia herausgefunden, dass sich deren Erfolgschancen durch Planung erhöhen lassen. Die Forschungen wurden durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt.

Den Unternehmerinnen und Unternehmern in Afrika raten die Arbeitspsychologen nun zu proaktiver und detaillierter Planung. "Proaktiv" bedeutet, dass man sich schon heute auf zukünftige Marktchancen und Probleme vorbereitet. Detailliertes Planen bedeutet, dass man die wichtigsten Aspekte eines Planes durchdenkt, um auch auf bzw. unerwartete Ereignisse weitgehend vorbereitet zu sein.

Oft wird argumentiert, dass in der chaotischen Umwelt afrikanischer Staaten Planen sinnlos wäre. Genau dies hat sich in Freses Untersuchung jedoch als falsch herausgestellt. Planung - so der Gießener Experte - ist eng mit dem Erfolg in drei afrikanischen Ländern Südafrika, Zimbabwe und Namibia verknüpft.

Wer sind die besonders erfolgreichen Unternehmer und Unternehmerinnen, die besonders gut planen können? "Es sind vor allem Leute mit der richtigen Motivation und den nötigen kognitiven Ressourcen", weiß Frese. Im Wesentlichen spielen also Motivation, Qualifikation und Intelligenz eine große Rolle, um mehr und besser planen zu können und somit langfristig auch den Erfolg zu steigern.

Ökonomen gehen oft davon aus, dass dann, wenn die ökonomische Rahmenstruktur eines Landes stimmt, auch die Firmen automatisch davon profitieren. Frese und Mitarbeiter zeigen indessen, dass psychologische Voraussetzungen von ebensolcher Bedeutung sind. Denn, so ihr Einwand: Wie oft geben Banken - auch die Weltbank - Geld an Unternehmer, ohne die psychologischen Bedingungen mit zu beachten? Und wie oft passiert es, dass dieses Geld "in den Sand gesetzt" wird?

Darüber hinaus haben Prof. Frese und seine Mitarbeiter gezeigt, dass Planung im Rahmen eines Trainings sehr gut vermittelt werden kann - sowohl in Afrika wie auch in Deutschland. Ihre Schlussfolgerung: Planung in großen Firmen kann mitunter zu Bürokratie, Schwerfälligkeit und Rigidität führen. In kleinen und kleinsten Unternehmen ist es dagegen gerade auch im schwierigen Umfeld sinnvoll, genau und detailliert für die Zukunft zu planen.

Kontakt:
Abteilung Arbeits- und Organisationspsychologie
Prof. Dr. Michael Frese
Otto-Behaghel-Straße 10/F
35394 Gießen
Telefon 0641 99 26220
Fax 0641 99 26049
E-Mail: Michael.Frese@psychol.uni-giessen.de

Charlotte Brückner-Ihl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb06/psychologie
http://www.apa.org/journals/apl/

Weitere Berichte zu: Arbeitspsychologe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Rezessionsrisiko gesunken - IMK-Indikator hellt sich auf – robuster Aufschwung geht weiter
16.08.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index leicht rückläufig
24.07.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics