Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Anhaltende Ertragsschwäche im Schweizer Private Banking

14.12.2011
Anspruchsvolle und gut informierte Kunden lassen die Margen im weltweiten Vermögensverwaltungsgeschäft sinken.

Zudem erhöhen die erfolgreiche Bekämpfung von Steuerhinterziehung und verschärfte Vorschriften den internationalen Wettbewerb. Das spüren auch Schweizer Private-Banking-Anbieter, die unter sinkenden Erträgen und stagnierenden Kosten leiden.

Insbesondere kleinere Schweizer Institute weisen ein hohes Aufwand-Ertrags-Verhältnis aus. Trotzdem ist es den Schweizer Vermögensverwaltern gelungen, neue Kundengelder zu akquirieren. Dies zeigt die neueste «International Private Banking Study» des Instituts für Banking und Finance der Universität Zürich.

Verschärfte regulatorische Vorschriften sowie die Fortschritte verschiedener nationaler und supranationaler Behörden in der Bekämpfung von Steuerhinterziehung haben in der internationalen Vermögensverwaltungsbranche deutliche Spuren hinterlassen. Traditionelle Offshore-Zentren wie beispielsweise die Schweiz oder Liechtenstein litten in den letzten Jahren unter stark rückläufigen Erträgen im Vermögensverwaltungsgeschäft.

Die Folge davon sind deutlich höhere Aufwand-Ertrags-Verhältnisse. Am wenigsten effizient von den neun untersuchten Ländern und Regionen sind die Schweizer Banken mit einem Aufwand-Ertrags-Verhältnis von 77 Prozent im Jahr 2010. Zwischen 2007 und 2010 hat sich die durchschnittliche Aufwand-Ertrags-Relation der Schweizer Vermögensverwalter um 17 Prozentpunkte verschlechtert.

Grösse ist nicht der einzige Erfolgsfaktor
Die detaillierte Analyse von Schweizer Privatbanken zeigt, dass kleine Institute (10 Mrd. CHF). Diese kleineren Institute sind an sich jedoch nicht weniger wettbewerbsfähig – auch unter ihnen gibt es solche, die bezüglich betriebswirtschaftlicher Performance mit grösseren Banken mithalten können. «Diese Banken verfolgen ein Geschäftsmodell, das ihnen trotz der geringen Grösse eine gesunde Balance zwischen Kosten und Erträgen ermöglicht», erklärt Prof. Urs Birchler vom Institut für Banking und Finance. Hierbei spielt die Auslagerung von unterstützenden Prozessen an externe Dienstleister oder ein eigenes Shared-Service-Center eine wichtige Rolle. «Banken, die ihr Geschäftsmodell erfolgreich an das neue Umfeld angepasst haben, werden sich auch in einem zunehmend anspruchsvolleren Markt gut positionieren können», so Birchler. Die Grösse ist angesichts der vielen Sourcing-Optionen und geostrategischen Alternativen nur einer von vielen Erfolgsfaktoren.
Anspruchsvollere Kunden, geringere Margen
«Die anhaltende Abnahme der Margen über die letzten Jahre hinweg ist bemerkenswert», so der Studienleiter Urs Birchler. Die auf den verwalteten Vermögen erzielten Bruttomargen sind zwischen 2004 und 2010 über alle Finanzinstitute hinweg um 21 Prozent gefallen. Gründe dafür sind risikobewusstere und an einer gesteigerten Performance interessierte Kunden, die dank der verbesserten Vergleichbarkeit von Produkten, Preisen und Dienstleistungen in ihrer Verhandlungsposition gestärkt sind. In vielen stark international ausgerichteten Vermögensverwaltungsstandorten haben traditionelle Offshore-Kunden einer neuen Generation vermögender Kunden Platz gemacht. Diese erwarten eine exzellente und umfassende Beratung mit klar messbarem Mehrwert. «Angesichts dieser Entwicklung ist es unwahrscheinlich, dass die Margen bald wieder steigen», ist Birchler überzeugt.
Nettoneugeld-Zufluss im Jahr 2010
Der verstärkte Druck auf das Bankgeheimnis und die angespannte Beziehung zwischen der Schweiz und ausländischen Steuerbehörden haben im Jahr 2009 zu hohen Geldabflüssen von Schweizer Banken geführt. Im Jahr 2010 hingegen gelang es der Schweizer Vermögensverwaltungsbranche Nettoneugeld in Höhe von 49 Milliarden Franken zu akquirieren. Diese Entwicklung ist zumindest teilweise auf die Zuspitzung der Schuldenkrise im Euroraum sowie die starke Abwertung des Euros zurückzuführen. «Die wirtschaftliche und politische Stabilität der Schweiz ist in turbulenten Zeiten nach wie vor ein wichtiger Standortfaktor», schliesst Birchler.
Zur Studie
Analysiert wurden für die Jahre 2009 und 2010 insgesamt 209 im Private Banking tätige Finanzinstitute aus der Schweiz, Liechtenstein, den Benelux-Ländern, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Österreich und den USA. Das Ziel der Studie ist die Wettbewerbsfähigkeit der Vermögensverwalter aus den einzelnen Ländern anhand betriebswirtschaftlicher Kennzahlen zu messen und zu vergleichen. Ein besonderes Augemerk liegt hierbei auf den schweizerischen Private-Banking-Anbietern, die zusätzlichen detaillierten Analysen unterzogen wurden.

Die Studie ist mit finanzieller Unterstützung der Vereinigung Schweizerischer Handels- und Verwaltungsbanken (VHV/BCG) entstanden. Sie ist die fünfte Auflage der seit 2003 alle zwei Jahre erscheinenden «International Private Banking Study».

Die Studie kann unter folgendem Link bezogen werden: www.bf.uzh.ch/go/pbs

Kontakte:
Prof. Dr. Urs Birchler
Universität Zürich
Institut für Banking und Finance
Tel. +41 44 634 29 52
E-Mail: urs.birchler@bf.uzh.ch
Daniel Ettlin
Universität Zürich
Institut für Banking und Finance
Tel. +41 44 634 31 59
E-Mail: daniel.ettlin@bf.uzh.ch

Nathalie Huber | idw
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Stagnation des Welthandels setzt sich fort
25.09.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Boom der deutschen Wirtschaft derzeit wahrscheinlicher als eine Rezession
19.09.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Im Focus: Chemiker der Universitäten Rostock und Yale zeigen erstmals Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen

Die Forschungskooperation zwischen der Universität Yale und der Universität Rostock hat neue wissenschaftliche Ergebnisse hervorgebracht. In der renommierten Zeitschrift „Angewandte Chemie“ berichten die Wissenschaftler über eine Dreierkette aus Ionen gleicher Ladung, die durch sogenannte Wasserstoffbrücken zusammengehalten werden. Damit zeigen die Forscher zum ersten Mal eine Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen, die sich im Grunde abstoßen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Professoren Mark Johnson, einem weltbekannten Cluster-Forscher, und Ralf Ludwig aus der Physikalischen Chemie der...

Im Focus: Storage & Transport of highly volatile Gases made safer & cheaper by the use of “Kinetic Trapping"

Augsburg chemists present a new technology for compressing, storing and transporting highly volatile gases in porous frameworks/New prospects for gas-powered vehicles

Storage of highly volatile gases has always been a major technological challenge, not least for use in the automotive sector, for, for example, methane or...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2018

16.10.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz in der Medizin

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Sinneswahrnehmung ist keine Einbahnstraße

17.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Space Farming dank Pflanzenhormon Strigolacton

17.10.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Oberflächen mit flexiblen und handlichen Plasmaquellen aktivieren

17.10.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics