Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Abwärtsstrudel saugt an Schwellenländern

03.11.2008
Scheinbar unaufhaltsames Wachstum durch Wirtschaftsstarre vorerst gestoppt

Die enorme Sogwirkung der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Emerging Markets erfasst und wird an ihrem Beispiel deutlich. Galten die Schwellenländer noch zu Jahresbeginn als sicherer Hafen für Anleger und als unbeeindruckt von den Turbulenzen der westlichen Industrieländer, so neigt sich ihr scheinbar unaufhaltsames Wachstum nun dem Ende zu.

Die Schockstarre der Weltwirtschaft veranlasst Investoren in Scharen, ihr Geld zurück in reiche Länder abzuziehen und zwingt Zentralbanken reihenweise zu Gegenmaßnahmen. Die Börsenkurse in Russland, China und Brasilien zeigen nach unten, Gewinne von Unternehmen brechen ein und kleinere Volkswirtschaften schlittern an den Rand der Rezession. Besonders ein Downturn Chinas kann eine Kettenreaktion auslösen und andere Schwellenländer mitziehen.

"Die Schwellenländer können sich nicht von der weltwirtschaftlichen Entwicklung abkoppeln", meint Peter Westerheide, stellvertretender Leiter des Forschungsbereichs Internationale Finanzmärkte und Finanzmanagement beim Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, im Gespräch mit pressetext. Viele Emerging Markets seien etwa als Rohstoffexporteure international verflochten, weshalb die wirtschaftlichen Turbulenzen der Industrieländer direkten Einfluss nehmen würden.

Dabei erwartet Europa nach Ansicht der EU-Kommission im kommenden Jahr der konjunkturelle Stillstand. So prognostiziert die Kommission in der Euro-Zone sowie der EU ein Wachstum von nur 0,1 Prozent. Während Deutschland, Frankreich und Italien von Nullwachstum bedroht seien, müssten Großbritannien, Irland, Spanien, Estland und Lettland sogar mit einer Rezession rechnen.

"Die internen Wachstumskräfte sowie die Investitionsneigung bewegten sich in den Emerging Markets lange Zeit auf einem sehr hohen Niveau. So war etwa die Nachfrage auf den Märkten groß. Die Auswirkungen der Weltkonjunktur erreichen die Schwellenländer nun jedoch zeitverzögert", erklärt der Experte. Die scheinbare Unbetroffenheit der Emerging Markets von der Finanzkrise wie auch deren zeitversetzte Auswirkungen sind mitunter darauf zurückzuführen, dass Schwellenländer-Banken kaum Geld in die faulen US-Hypotheken investiert hatten. Der weltweite konjunkturelle Abschwung wird nun jedoch durch die hohe Unsicherheit der Anleger und den Rückzug ihrer Gelder in reiche Länder verstärkt.

So sieht etwa die Citibank die reale Gefahr einer Rezession in Hongkong, wo Unternehmen von einer rückläufigen Auftragslage bedroht seien. Die Binnennachfrage Chinas ist entscheidend für die weitere Entwicklung in der Region, hier sind die Mrd.-schweren staatlich geführten Unternehmen jedoch selbst von einbrechenden Gewinnen betroffen. Die UBS hat die Wachstumsprognose für Südkorea um 1,1 auf 2,9 Prozent nach unten korrigiert, während die dortige Regierung versucht, die Folgen der Finanzkrise mit einem 8,5 Mrd. Euro umfassenden Konjunkturprogramm abzufedern. Die Zentralbanken in Indien und China haben reagiert und die Leitzinsen gesenkt. Zudem wird die Kreditvergabe in China für Geschäftsbanken vereinfacht, um die Wirtschaft anzukurbeln.

"Die Unsicherheit in den Schwellenländern ist derzeit extrem groß", sagt Westerheide gegenüber pressetext. Dennoch stehe die wirtschaftliche Entwicklung verglichen mit Europa im kommenden Jahr noch unter guten Vorzeichen. "In der Euro-Zone ist teilweise mit einem Nullwachstum zu rechnen. Dies wird sich in den Emerging Markets weitgehend vermeiden lassen und die relativen Vorteile gegenüber Europa bleiben weiterhin bestehen", schließt Westerheide.

Manuel Haglmüller | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.zew.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet - Juni 2018
20.06.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer sinkt zum zweiten Mal in Folge
28.05.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics