Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Robocabs: Die Mobilität der Zukunft?

13.06.2019

Untersuchung zur Akzeptanz autonomer Mobilitätskonzepte aus Nutzersicht

Autonomes Fahren scheint in naher Zukunft möglich, bisher ist die Technologie jedoch nur prototypisch auf Teststrecken erprobt. Wie genau stellen sich Nutzerinnen und Nutzer diese Fahrzeuge vor? Und wie hoch ist die Akzeptanz in der Gesellschaft?


Positionierung verschiedener Mobilitätskonzepte des Robocabs.

© Fraunhofer IAO

Die vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) geförderte Studie »Robocab« des Fraunhofer IAO und des ISOE bietet Einblicke in internationale Umfrageergebnisse.

Vor einigen Jahren stand das Thema autonomes Fahren noch fast ausschließlich im Fokus der Automobilkonzerne, Softwareunternehmen oder Zulieferer. Inzwischen rückt das Zukunftsszenario vom selbstfahrenden Auto näher und die Diskussion um das autonome Fahren ist auch in der Gesellschaft angekommen.

Die Technologie wird für potenzielle Nutzerinnen und Nutzer zunehmend attraktiv, selbst wenn meist noch kein direkter Einsatz möglich ist. Weitgehend unklar ist jedoch, wie man sich diese Fahrzeuge, die sogenannten »Robocabs«, eigentlich konkret vorstellen muss und welche Erwartungen oder Vorbehalte potentielle Nutzerinnen und Nutzer ihnen gegenüber haben.

Gesellschaftliche Akzeptanz entscheidend für Erfolg und Verbreitung

Mit der Akzeptanzstudie »Robocab« hat das gemeinsame Forschungsteam des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart in Kooperation mit dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main ein besseres Verständnis der Nutzersicht auf automatisierte Verkehrsträger geschaffen und im Hinblick auf die Akzeptanz unterschiedlicher Umsetzungskonzepte ausgewertet.

Neben bevorzugten Ausstattungen und Konfigurationen der Fahrzeuge stand dabei vor allem die grundsätzliche Nutzerakzeptanz im Fokus. »Ob ein neues Mobilitätsangebot Erfolg hat oder nicht, hängt davon ab, ob die Nutzerinnen und Nutzer es attraktiv finden und ob der Preis stimmt. Die gesellschaftliche Akzeptanz ist heute weitgehend davon bestimmt, ob die neue Technik den Kriterien der Nachhaltigkeit entspricht«, sagt ISOE-Mobilitätsforscher Konrad Götz.

Aus diesem Grund haben sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Ziel gesetzt, eine analytisch-wissenschaftliche Basis zu schaffen, welche die Bandbreite denkbarer autonomer Fahrzeugkonzepte aufzeigt, abgrenzt und hinsichtlich der Akzeptanz bewertet.

Zur Erhebung der Nutzerperspektive wurden quantitative Umfragen mit insgesamt etwa 2.400 Teilnehmenden in Deutschland, China und den USA in Kombination mit qualitativen Interviews unter ausgewählten Testpersonen durchgeführt.

Erwartungen an Robocabs hängen stark von Nutzungszweck ab

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Befragten gegenüber dem Mobilitätskonzept eines Robocabs sehr aufgeschlossen sind und diesem mit Interesse und Neugierde begegnen.

»Sie erwarten eine zweckmäßige und bequeme Mobilitätslösung, um umweltfreundlich, effizient und sicher von A nach B zu gelangen«, sagt Maximilian Werner vom Fraunhofer IAO. Insgesamt sei die Akzeptanz in China am höchsten, gefolgt von den USA und Deutschland.

»In Deutschland werden Robocabs eher noch als Ergänzung zu den aktuell genutzten Transportmitteln gesehen, in China hingegen sogar als Ersatz. Interessanterweise würden die Befragten in den USA und in China vor allem klassische Taxifahrten durch ein Robocab ersetzen, in Deutschland könnten den Aussagen zufolge sogar Bus und Tram eine Konkurrenz bekommen«, so Werner.

Anhand der Ergebnisse lässt sich kein idealtypisches Fahrzeugkonzept des Robocabs identifizieren, vielmehr ändern sich die spezifischen Anforderungen an Fahrzeugeigenschaften, Karosserie und Ausstattung mit dem jeweiligen Einsatz- und Nutzungszweck. Dabei wünschen sich die Befragten autonome Fahrzeuge nicht als Prestigeobjekt, sondern als zuverlässiges, praktisches und zügiges Transportmittel.

»Überwiegend sehen die Befragten die Robocabs als eine Art Taxi oder Car-Sharing-Fahrzeug, das in urbanen Gebieten verkehrt und eher nicht auf Langstrecken«, sagt Werner. »Der ländliche Raum sollte jedoch in das Streckennetz integriert werden, um überall dort, wo der öffentliche Nahverkehr ausgedünnt ist, eine neue, attraktive Variante zu bieten«.

Übergreifend zeichnet sich aus den Ergebnissen eine hohe Akzeptanz für komfortable Fahrzeugkonzepte ab. Diese sind vor allem für diejenigen Nutzerinnen und Nutzer interessant, die öffentliche Verkehrsangebote bislang aufgrund des mangelnden Komforts und der fehlenden Privatsphäre nicht wahrnehmen.

Ihnen könnte solch ein Robocab in Form eines Komfort-Shuttles als Ersatz für ihr Privatfahrzeug dienen. Die tendenziell großen, hochwertigen, aber zweckorientierten Fahrzeuge ließen sich effizient in teil-öffentlichen Sharingmodellen einsetzen.

Vorteile für Mensch, Verkehr und Umwelt

Neben einer Erweiterung des Mobilitätsangebots sehen die Befragten vor allem das Wegfallen der Parkplatzsuche, die größere Flexibilität sowie die permanente Verfügbarkeit als überzeugendste Faktoren für die Nutzung von Robocabs.

»Da die autonomen Fahrzeuge sich flexibel an den Bedarf anpassen und gleichzeitig durch die Mitnahmemöglichkeit für eine optimale Fahrzeugauslastung sorgen, erwarten Nutzerinnen und Nutzer, dass der Verkehr dadurch optimiert und effizienter gestaltet wird«, sagt Götz.

»Zusätzlich erwarten die Befragten, dass auch Nutzergruppen wie Minderjährige oder ältere Menschen, die bisher vom Individualverkehr ausgeschlossen sind, die Möglichkeit erhalten, sich autark, flexibel und komfortabel fortzubewegen«. Allerdings äußerten Befragte Bedenken bei der Vorstellung, ihre eigenen Kinder einem Robocab anzuvertrauen.

Außerdem werden die Mobilitätskonzepte als besonders nachhaltig wahrgenommen, weil es sich nach dem Verständnis der Befragten stets um elektrifizierte Antriebskonzepte handelt, die besonders auf Kurzstrecken mit einfachen Batterien und Infrastrukturen ausgestattet werden.

Zusammengefasst ist die Erwartung an Robocabs, dass diese die Umwelt entlasten und eine sinnvolle Alternative im Stadtverkehrssystem bilden.

Veranstaltung: Vertiefende Einblicke in die Studie und Empfehlungen für Politik, Industrie und Dienstleister

Im Rahmen der Veranstaltung »Autonome Mobilitätskonzepte für den urbanen Raum von morgen«, die am 9. Juli 2019 in Stuttgart stattfindet, werden die Ergebnisse der Studie »Robocab« und daraus abgeleitete Empfehlungen für Automobilindustrie, Mobilitätsdienstleister, für den öffentlichen Transportsektor und für staatliche Institutionen vorgestellt.

Die Veranstaltung bietet einen ganzheitlichen Blick auf die stadtinfrastrukturellen Begebenheiten, die für eine ökologisch als auch gesellschaftlich sinnvolle Anwendung autonomer Mobilitätsdienstleistungen erforderlich sind. Auch führende Mobilitätsexpertinnen und -experten aus der Forschung, Automobilwirtschaft und aus Kommunen kommen zu Wort.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Maximilian Jakob Werner
Mobility Innovation
IAT der Universität Stuttgart
(Kooperationsinstitut des Fraunhofer IAO)
IAT der Universität Stuttgart
Nobelstraße 12
70569 Stuttgart
Telefon +49 711 970-2307
Maximilian-Jakob.Werner@iao.fraunhofer.de

Originalpublikation:

https://www.iao.fraunhofer.de/lang-de/presse-und-medien/aktuelles/2164-robocabs-...

Juliane Segedi | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Einfach, günstig und flexibel: Fahrerloses Transportsystem für den Mittelstand
25.03.2020 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht Produktion und Qualität sichern: Neues System zur durchgängigen Überwachung in Lieferketten
11.03.2020 | BIBA - Bremer Institut für Produktion und Logistik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Belle II liefert erste Ergebnisse: Auf der Suche nach dem Z‘-Boson

Vor ziemlich genau einem Jahr ist das Belle II-Experiment angelaufen. Jetzt veröffentlicht das renommierte Journal Physical Review Letters die ersten Resultate des Detektors. Die Arbeit befasst sich mit einem neuen Teilchen im Zusammenhang mit der Dunklen Materie, die nach heutigem Kenntnisstand etwa 25 Prozent des Universums ausmacht.

Seit etwa einem Jahr nimmt das Belle II-Experiment Daten für physikalische Messungen. Sowohl der Elektron-Positron-Beschleuniger SuperKEKB als auch der...

Im Focus: Belle II yields the first results: In search of the Z′ boson

The Belle II experiment has been collecting data from physical measurements for about one year. After several years of rebuilding work, both the SuperKEKB electron–positron accelerator and the Belle II detector have been improved compared with their predecessors in order to achieve a 40-fold higher data rate.

Scientists at 12 institutes in Germany are involved in constructing and operating the detector, developing evaluation algorithms, and analyzing the data.

Im Focus: Wenn Ionen an ihrem Käfig rütteln

In vielen Bereichen spielen „Elektrolyte“ eine wichtige Rolle: Sie sind bei der Speicherung von Energie in unserem Körper wie auch in Batterien von großer Bedeutung. Um Energie freizusetzen, müssen sich Ionen – geladene Atome – in einer Flüssigkeit, wie bspw. Wasser, bewegen. Bisher war jedoch der präzise Mechanismus, wie genau sie sich durch die Atome und Moleküle der Elektrolyt-Flüssigkeit bewegen, weitgehend unverstanden. Wissenschaftler*innen des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung haben nun gezeigt, dass der durch die Bewegung von Ionen bestimmte elektrische Widerstand einer Elektrolyt-Flüssigkeit sich auf mikroskopische Schwingungen dieser gelösten Ionen zurückführen lässt.

Kochsalz wird in der Chemie auch als Natriumchlorid bezeichnet. Löst man Kochsalz in Wasser lösen sich Natrium und Chlorid als positiv bzw. negativ geladene...

Im Focus: When ions rattle their cage

Electrolytes play a key role in many areas: They are crucial for the storage of energy in our body as well as in batteries. In order to release energy, ions - charged atoms - must move in a liquid such as water. Until now the precise mechanism by which they move through the atoms and molecules of the electrolyte has, however, remained largely unknown. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research have now shown that the electrical resistance of an electrolyte, which is determined by the motion of ions, can be traced back to microscopic vibrations of these dissolved ions.

In chemistry, common table salt is also known as sodium chloride. If this salt is dissolved in water, sodium and chloride atoms dissolve as positively or...

Im Focus: Den Regen für Hydrovoltaik nutzen

Wassertropfen, die auf Oberflächen fallen oder über sie gleiten, können Spuren elektrischer Ladung hinterlassen, so dass sich die Tropfen selbst aufladen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben dieses Phänomen, das uns auch in unserem Alltag begleitet, nun detailliert untersucht. Sie entwickelten eine Methode zur Quantifizierung der Ladungserzeugung und entwickelten zusätzlich ein theoretisches Modell zum besseren Verständnis. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte der beobachtete Effekt eine Möglichkeit zur Energieerzeugung und ein wichtiger Baustein zum Verständnis der Reibungselektrizität sein.

Wassertropfen, die über nicht leitende Oberflächen gleiten, sind überall in unserem Leben zu finden: Vom Tropfen einer Kaffeemaschine über eine Dusche bis hin...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium AWK’21 findet am 10. und 11. Juni 2021 statt

06.04.2020 | Veranstaltungen

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Belle II liefert erste Ergebnisse: Auf der Suche nach dem Z‘-Boson

07.04.2020 | Physik Astronomie

Festkörperphysik: Vorhersage der Quantenphysik experimentell nachgewiesen

07.04.2020 | Physik Astronomie

Wie Serotonin die Kommunikation im Gehirn ausbalanciert

07.04.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics