Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Drohne statt Transporter: Erfolgreiche Weltpremiere in der standortübergreifenden Werkslogistik

06.02.2020

Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur fördert praxisorientiertes Forschungsprojekt von Frankfurt University of Applied Sciences, Merck und Wingcopter

In einem bundesweit einzigartigen Projekt konzipieren und testen die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), Merck und der Drohnen-Hersteller Wingcopter derzeit den Einsatz von Lieferdrohnen in der standortübergreifenden Werkslogistik.


V. l. n. r.: Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke (Frankfurt UAS), Dr. Sylke Klein (Merck), Stefan Nowak (Wingcopter)

(c) Meinhard Lerch

Dabei werden Pigmentproben mit einer Spezialdrohne aus dem Merck-Werk Gernsheim zum Labor im rund 25 km entfernten Stammsitz des Wissenschafts- und Technologieunternehmens in Darmstadt geflogen, wo sie zur Sicherstellung der Qualität im laufenden Produktionsprozess analysiert werden müssen.

Bislang übernimmt den Transport ein Kleintransporter, der zweimal werktags die Strecke zwischen den Werken befährt. Am 5. Februar 2020 fand der offizielle Drohnen-Erstflug erfolgreich statt.

Kernaufgabe des Projekts „ProGeDa – Probentransport zwischen Gernsheim und Darmstadt“ ist es, diesen Transportfall werksübergreifend zu evaluieren und daraus ein langfristiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Dabei werden u.a. die Aspekte Zeitersparnis, Nachhaltigkeit, Kosten und Flexibilität berücksichtigt.

Das Research Lab for Urban Transport (ReLUT) der Frankfurt UAS evaluiert es unter Leitung von Direktor Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke, Professor für Logistik und Produktionsmanagement am Fachbereich Wirtschaft und Recht, mit Unterstützung von Keimer Aviation.

Schwerpunkt des ReLUT sind die Entwicklung von wirtschaftlichen und ökologischen Lösungen für Liefer- und Frachtdienste. Das Startup Wingcopter hat die Spezial-Drohne entwickelt, plant und führt den Flugbetrieb durch und koordiniert alle luftfahrtrechtlichen Fragen. Merck steuert den Gesamtprozess und stellt die zu transportierenden Güter.

Das laufende Projekt wird im Rahmen der Förderrichtlinien Modernitätsfonds („mFUND“) mit insgesamt 107.000 Euro durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert. Diese Förderung erhalten Wingcopter und die Frankfurt UAS. Wingcopter wurde für das Projekt ausgewählt, da seine Drohnen alle Eigenschaften für den Luftfrachtverkehr zwischen zwei oder mehreren Werken aufweisen:

Sie können auf kleinstem Raum senkrecht starten und landen, dank ihres Schwenk-Rotor-Mechanismus aber auch größere Strecken deutlich effizienter, schneller und leiser zurücklegen als herkömmliche Multicopter.

Im Mittelpunkt des Projekts steht die Bestimmung einer optimalen Route zwischen den beiden Standorten unter Berücksichtigung verschiedenster Rahmenbedingungen (Luftfahrtrecht, Umweltschutz, geeignete Start- und Landeflächen, Bodenprozesse, Kosten etc.). Die drei Kooperationspartner gehen davon aus, dass sich der Transport per Drohne nicht nur als schneller und nachhaltiger, sondern auch als kostengünstiger und flexibler erweisen wird.

„Mit diesem Projekt werden wir die Nachhaltigkeit von Drohnenflügen zu kommerziellen Zwecken im öffentlichen Raum in allen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Ökonomie und Soziales – nachweisen. Wir gehen von einer weitreichenden Skalierbarkeit und Übertragbarkeit auf andere Branchen aus“, sagt Schocke.

Tom Plümmer, CEO von Wingcopter, ergänzt: „Wir haben bereits vielfach bewiesen, dass unsere Lieferdrohnen in verschiedensten, insbesondere lebensrettenden Anwendungsfällen in entlegenen Regionen diverser Entwicklungsländer einen signifikanten Vorteil gegenüber herkömmlichen, bodengebundenen Transportmitteln oder auch bemannten Luftfahrzeugen bieten. Dank dieses einzigartigen Projekts können wir zeigen, dass dies auch für kommerzielle Lieferungen in Ballungsräumen von Industrienationen gilt.“

Stefan Nowak, verantwortlicher Projektmanager bei Wingcopter, unterstreicht: „Uns ist weltweit kein anderes Projekt bekannt, bei dem Güter über eine solche Distanz und dabei außerhalb der Sichtweite per Drohne in einer Metropolregion geliefert werden – über Strom- und Zugtrassen, Autobahnen und Bundesstraßen sowie Produktionsinfrastruktur hinweg. Das Projekt markiert mit dem heutigen Flug einen Meilenstein in der Geschichte der unbemannten Luftfahrt und der intermodalen Logistik.“

Darüber hinaus stellt das Projekt hinsichtlich der luftfahrtrechtlichen Abstimmungs- und Zulassungsverfahren ein Vorbild für ähnliche Vorhaben weltweit dar.

Auch Jens Klatyk, Leiter des Merck-Standorts Gernsheim, sieht Vorteile des Projekts: „Nicht alle relevanten analytischen Parameter werden im Analytik-Labor in Gernsheim umgesetzt. Spezialuntersuchungen werden im Labor im Werk Darmstadt durchgeführt. Anstatt die Proben mit dem Auto zu transportieren, bietet der Drohnentransport die Möglichkeit einer schnelleren und staufreien Transportmöglichkeit.“ Dabei ist eine Zeitersparnis zwischen einer Stunde bis zu einem Tag möglich. Zudem können so Leerfahrten und Emissionen vermieden werden.

Auf Basis der Daten, die während der Lieferflüge und der Erhebung der Gesamtprozesse gewonnen werden, legen die Kooperationspartner nach Abschluss der Projektphase im März 2020 einen Abschlussbericht vor. Der Bericht soll darlegen, unter welchen Bedingungen der Einsatz von Drohnen in der Werkslogistik ökonomisch und ökologisch nachhaltig betrieben werden kann. Daraus werden sich Empfehlungen, mögliche weitere Anwendungsfälle und Betriebskonzepte ergeben.

Vor dem Projektstart war das Startup Wingcopter bereits im StartUp-Programm des House of Logistics and Mobility (HOLM) am Flughafen Frankfurt sowie Teil des Accelerator-Programms im Innovationszentrum von Merck. In dieser Zeit arbeitete das Team intensiv im Makerspace des Innovationszentrums und entwickelte mithilfe des Rapid-Prototyping-Labors seine vertikal startende und landende Drohne weiter.

Durch den ständigen Austausch mit internen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entstand die Idee des ProGeDa-Projekts, das im weiteren Vorgehen durch den Merck Accelerator und das Innovationszentrum unterstützt und begleitet wurde. Das Projekt ist ein Beispiel für die Vielfalt an Kooperationen, die Startups im Rahmen des Accelerator-Programms von Merck initiieren können.

Kontakt Frankfurt University of Applied Sciences: Research Lab for Urban Transport ReLUT, Direktorium, Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke, Telefon: +49 69 1533-3870, E-Mail: schocke@fb3.fra-uas.de

Kontakt Merck: Dr. Gangolf Schrimpf (External Communications I Group Communications), Telefon: +49 151 1454 9591, E-Mail: gangolf.schrimpf@merckgroup.com

Kontakt Wingcopter: Thomas Dreiling, Telefon: +49 1525 2830975, E-Mail: dreiling@wingcopter.com

Weitere Informationen zum Research Lab for Urban Transport unter: http://www.frankfurt-university.de/relut

Oliver Klinke | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht 3 D-Mobilität: Realitätscheck für Flugtaxis
08.01.2020 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Stammdaten in der Logistik digitalisieren: Der Schlüssel zum Erfolg
08.01.2020 | Ehrhardt + Partner Consulting (EPC) / BFOUND GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente menschliche Organe ermöglichen dreidimensionale Kartierungen auf Zellebene

Erstmals gelang es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, intakte menschliche Organe durchsichtig zu machen. Mittels mikroskopischer Bildgebung konnten sie die zugrunde liegenden komplexen Strukturen der durchsichtigen Organe auf zellulärer Ebene sichtbar machen. Solche strukturellen Kartierungen von Organen bergen das Potenzial, künftig als Vorlage für 3D-Bioprinting-Technologien zum Einsatz zu kommen. Das wäre ein wichtiger Schritt, um in Zukunft künstliche Alternativen als Ersatz für benötigte Spenderorgane erzeugen zu können. Dies sind die Ergebnisse des Helmholtz Zentrums München, der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität München (TUM).

In der biomedizinischen Forschung gilt „seeing is believing“. Die Entschlüsselung der strukturellen Komplexität menschlicher Organe war schon immer eine große...

Im Focus: Skyrmions like it hot: Spin structures are controllable even at high temperatures

Investigation of the temperature dependence of the skyrmion Hall effect reveals further insights into possible new data storage devices

The joint research project of Johannes Gutenberg University Mainz (JGU) and the Massachusetts Institute of Technology (MIT) that had previously demonstrated...

Im Focus: Skyrmionen mögen es heiß – Spinstrukturen auch bei hohen Temperaturen steuerbar

Neue Spinstrukturen für zukünftige Magnetspeicher: Die Untersuchung der Temperaturabhängigkeit des Skyrmion-Hall-Effekts liefert weitere Einblicke in mögliche neue Datenspeichergeräte

Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat einen weiteren...

Im Focus: Making the internet more energy efficient through systemic optimization

Researchers at Chalmers University of Technology, Sweden, recently completed a 5-year research project looking at how to make fibre optic communications systems more energy efficient. Among their proposals are smart, error-correcting data chip circuits, which they refined to be 10 times less energy consumptive. The project has yielded several scientific articles, in publications including Nature Communications.

Streaming films and music, scrolling through social media, and using cloud-based storage services are everyday activities now.

Im Focus: Nanopartikel können Zellen verändern

Nanopartikel dringen leicht in Zellen ein. Wie sie sich dort verteilen und was sie bewirken, zeigen nun erstmals hochaufgelöste 3D-Mikroskopie-Aufnahmen an BESSY II. So reichern sich bestimmte Nanopartikel bevorzugt in bestimmten Organellen der Zelle an. Dadurch kann der Energieumsatz in der Zelle steigen. „Die Zelle sieht aus wie nach einem Marathonlauf, offensichtlich kostet es Energie, solche Nanopartikel aufzunehmen“, sagt Hauptautor James McNally.

Nanopartikel sind heute nicht nur in Kosmetikprodukten, sondern überall, in der Luft, im Wasser, im Boden und in der Nahrung. Weil sie so winzig sind, dringen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

4. Fachtagung Fahrzeugklimatisierung am 13.-14. Mai 2020 in Stuttgart

10.02.2020 | Veranstaltungen

Alternative Antriebskonzepte, technische Innovationen und Brandschutz im Schienenfahrzeugbau

07.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

„Kiss and Run“ zur Abfallverwertung in der Zelle

14.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kurze Impulse mit großer Wirkung

14.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

ESO-Teleskop sieht die Oberfläche des schwächelnden Beteigeuze

14.02.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics