Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fliegen in der Röhre

08.05.2006


Ein weltweit einzigartiges Fluglabor wird am 6. Mai in Holzkirchen bei München eröffnet. In der Flight Test Facility können Flüge mit einer Flughöhe von bis zu 13 000 Metern am Boden simuliert werden. Möglich macht das eine Niederdruckröhre, die um den vorderen Teil eines Großraumflugzeugs gebaut wurde. In dem Fluglabor untersuchen Fraunhofer-Forscher, wie sich Raumklima, Luftqualität und Akustik auf Passagiere und Crew auswirken.


Im Fluglabor können Flüge mit einer Flughöhe von bis zu 13 000 Metern am Boden simuliert werden. Immer mit an Bord ist der Dressmann. Der mit den Sensoren ausgestattete Dummy liefert wichtige Daten zum Klima in der Flugzeugkabine. © Fraunhofer/Bernd Müller



Trockene Luft, Druck auf den Ohren, das Dröhnen der Turbinen - das gehört zum Fliegen wie das Boarding und die freundlichen Sicherheitseinweisungen vor dem Start. Besonders stark ist das Personal den unterschiedlichen Druck- und Luftverhältnissen ausgesetzt. Je nach Flugplan müssen Flugbegleiter und Piloten mehrmals am Tag starten und landen. Sie verbringen bis zu 17 Stunden an Bord. Doch wie wirkt sich das künstliche Klima in der Kabine auf Passagiere und Flugpersonal aus? Durch welche Veränderungen lässt sich die Behaglichkeit an Bord verbessern? Diese und ähnliche Fragen können jetzt erstmals am Boden untersucht werden. Am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP wurde dazu ein neuartiges Fluglabor gebaut. Die Flight Test Facility wurde in einer Bauzeit von nur knapp einem Jahr auf dem Versuchsgelände des IBP in Holzkirchen errichtet.

... mehr zu:
»Facility »Flight »Fluglabor »IBP


"In dem Fluglabor können wir die Druck-, Temperatur- und Feuchteverhältnisse während eines Flugs realitätsnah am Boden nachstellen", erklärt Prof. Dr. Klaus Sedlbauer, Institutsleiter am IBP. So kann untersucht werden, wie sich das Innenklima der Flugzeugkabine auf Fluggäste und Crew auswirkt, ohne dass ein Flieger abheben muss. "Die Tests mit Probanden in der Flight Test Facility sind ökologisch, wirtschaftlich und sicher", betont der Initiator der Einrichtung, Dr. Erhard Mayer vom IBP.

Herzstück des Fluglabors ist eine 30 Meter lange Niederdruckkammer. In dieser Röhre befindet sich das Vorderteil eines Airbus A310. Mit Hilfe von drei Hochleistungsvakuumpumpen kann der Druck in der Kammer auf bis zu 150 Hektopascal abgesenkt werden. Das entspricht einer Flughöhe von 13 000 Metern. Auch Luftfeuchtigkeit und Temperatur in der Kabine können entsprechend den Bedingungen während eines Flugs eingestellt werden.

Wie sich Luftqualität und Raumklima auf die Passagiere auswirken, untersuchen die Forscher derzeit in ersten Testflügen für das EU-Vorhaben FACE (Friendly Air Cabin Environment). Schon jetzt haben mehr als 500 Probanden an 13 "Flügen" in der Niederdruckröhre teilgenommen. Um die Tests so realitätsnah wie möglich zu gestalten, sorgen Lautsprecher für den typischen Flugzeugsound. Vibratoren unter den Sitzen ahmen das Rütteln beim Start und während des Flugs nach. Das freundliche Servicepersonal bietet den Gästen wie bei einer echten Flugreise Getränke und kleine Mahlzeiten an. Ungewöhnlich nur, dass die Probanden Fragebögen ausfüllen. War es zu warm oder kalt beim Flug? Gab es unangenehme Gerüche? Haben Sie unter trockenen Augen gelitten? "Wir fragen die Empfindungen der Passagiere ab, um daraus Informationen abzuleiten, wie das Klima im Flugzeug künftig verbessert werden kann", erläutert Gunnar Grün vom IBP.

Besonders sensibel auf die Bedingungen in der Kabine reagiert ein ungewöhnlicher Passagier - der Dressmann. Dieser Dummy ist mit Streichholzschachtel großen Sensoren versehen, die ähnlich wie die menschliche Haut arbeiten und kleinste Temperaturveränderungen der Oberfläche messen. "Die Sensoren registrieren ganz genau, ob es am Kopf zu warm oder an den Füßen zu kalt ist, oder ob es etwa zieht", sagt Erhard Mayer. Diese Daten und die Informationen aus den im Flugzeug angebrachten Messfühlern, die die Temperatur am Boden, in Sitzhöhe und in der Nähe des Kopfes registrieren, werden an die Leitwarte übermittelt. So lässt sich ein genaues Abbild des Klimas in der Kabine während des gesamten Flugs erstellen.

"Das Fluglabor soll eine unabhängige Testeinrichtung werden, die unterschiedlichen Herstellern, Fluglinien sowie Flug- und Sportmedizinern aber auch anderen Forschungsorganisationen offen steht", sagt Mayer. Die Ergebnisse der jeweiligen Untersuchungen können die Grundlagen für technische Entwicklungen bilden, um das Reisen und Arbeiten an Bord künftig angenehmer und effizienter zu gestalten. "Damit sich die europäische Flugindustrie im globlalen Wettbewerb behaupten kann, muss sie ständig neue Technologien und Produkte entwickeln. Die Flight Test Facility bietet der Industrie eine wichtige Hilfestellung, um schneller zu Innovationen zu kommen", betont der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger.

Marion Horn | idw
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/fhg/press/pi/2006/05/Presseinformation6Mai2006.jsp

Weitere Berichte zu: Facility Flight Fluglabor IBP

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Hochschule Karlsruhe kann künftig mit mobilem 360°-Kamerasystem Straßenverkehr erforschen
14.08.2018 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

nachricht Sozialpsychologische Einflussfaktoren der Verkehrsmittelwahl in Wiesbaden
06.08.2018 | Hochschule RheinMain

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics