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Wie sich Online-Shopping auf die Verkehrsströme auswirkt

26.01.2005


Das Einkaufen im Internet gewinnt immer mehr an Bedeutung - nicht nur für Otto Normalverbraucher, sondern für alle Akteure, die an der Wertschöpfungskette beteiligt sind: Produzenten, ihre Zulieferer, Spediteure, Vertrieb. Wie sich die zunehmenden Online-Bestellvorgänge auf den herkömmlichen Verkehr auswirken, ist bislang nur wenig erforscht.



Was sich noch vor wenigen Jahren vorwiegend per Telefon oder Fax abspielte, läuft heute über das Internet und ist zum Teil sogar automatisiert. Professor Jürgen Rauh, Geograph an der Uni Würzburg, nennt ein Beispiel: "Wenn an einem Produktionsband in der Autoindustrie nur noch wenige Armaturenteile vorhanden sind, gibt ein intelligent arbeitendes System automatisch die Bestellung an den Zulieferer auf."



Die veränderten Informationsströme wirken sich auf den Fluss der Güter und den Verkehr aus. Sehr stark hat sich bereits die Lage bei den Spediteuren gewandelt, wie Rauh erklärt. Hatten diese früher nur die Aufgabe, eine Lieferung von A nach B zu bringen, so seien sie heute Dienstleister rund um den Warentransport. Unter anderem kümmern sie sich um Lagerhaltung und Lagermanagement, weshalb sie ihre Standorte dorthin verlegt haben, wo eine kostengünstige Lagerhaltung möglich ist.

Bei Privatkunden, die sich zum Beispiel eine Digitalkamera über das Internet bestellen statt in den nächstgelegenen Elektronikmarkt zu fahren, sind die Änderungen noch nicht so gravierend. Allerdings rechnen Wissenschaftler auch hier mit einer dynamischen Entwicklung. Zusammen mit Petra Breidenbach arbeitet Rauh darum an Methoden, mit denen sich die Wechselwirkungen zwischen den Informations- und Kommunikationstechnologien und dem Verkehr erforschen lassen.

Die Würzburger Geographen wollen für den Bereich der Endverbraucher zunächst die Ist-Situation auf den Gebieten Lebensmittel, Elektroartikel und Bekleidung analysieren. Dabei kooperieren sie unter anderem mit dem Modeunternehmen s.Oliver in Rottendorf bei Würzburg. Als erster Schritt ist eine Befragung von s.Oliver-Kunden vorgesehen. Die dabei gewonnenen Daten - etwa die Erkenntnis, welcher Prozentanteil einer bestimmten Altersgruppe per Internet einkauft - sollen die Grundlage für eine Computersimulation bilden, welche die relevanten Verkehrs- und Informationsflüsse darstellt.

Das Projekt läuft im Rahmen des von der Helmholtz-Gemeinschaft geförderten "Virtuellen Instituts für Verkehrs-Analysen" (VIVA). Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (Berlin) mit den Universitäten Würzburg und Stuttgart sowie der Technischen Uni Hamburg-Harburg und der Berliner Humboldt-Universität.

Im Mittelpunkt der VIVA-Arbeit stehen die Güter- und Informationsflüsse entlang vollständiger Produktions-, Verteilungs- und Transportketten. Ziel ist es, die Funktionsweise und das Ineinandergreifen solcher Ketten unter dem Einfluss von Informations- und Kommunikationstechnologien sowie in ihrer Wirkung auf den Verkehr abzubilden und zu erklären. Zudem soll auch die künftige Entwicklung abgeschätzt werden.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Jürgen Rauh, T (0931) 888-5559, Fax (0931) 888-5556, E-Mail: juergen.rauh@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

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