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Fließender Verkehr dank ORINOKO

13.03.2008
Rund drei Jahre haben Wissenschaftler und Verkehrsexperten am Beispiel der Stadt Nürnberg untersucht, wie sich der Verkehr besser erfassen und steuern lässt. Dafür haben sie zum einen Methoden entwickelt, um die Verkehrslage flächendeckend zu ermitteln, und zum anderen Verfahren verfeinert, mit denen sich der Verkehr optimal lenken lässt. Bald nun endet das Projekt ORINOKO mit vielversprechenden Ergebnissen für mehr Mobilität.

Wer kennt das nicht: Stau auf dem Weg ins Büro, zum Einkaufen oder auf der Fahrt in die Ferien. Autos über Autos und nichts geht mehr. Und dass, obwohl Mobilität einer der Hauptansprüche unserer Gesellschaft geworden ist. Verkehrsmanagement soll Abhilfe schaffen. Erprobt werden Konzepte und Maßnahmen zum Beispiel im Verkehrsforschungsprojekt ORINOKO – Operative regionale integrierte und optimierte Korridorsteuerung. Rund drei Jahre förderte das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie BMWi ORINOKO mit fast drei Millionen Euro.

Partner im Projekt war auch das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI aus Dresden. Die Aufgaben des IVI-Teams um Ulf Jung und Georg Förster waren vielfältig. »Wir haben unter anderem eine zentrale Datenbank realisiert, in der das Straßennetz digital abgelegt ist und in die kontinuierlich eine sehr große Menge relevanter Messwerte einläuft«, so Georg Förster. »Außerdem haben wir mittels Software-Schnittstellen dafür gesorgt, dass sich dynamische Daten, zum Beispiel Reisezeiten, Verkehrsstärken oder auch Rückstaulängen, aus verschiedenartigen Datenquellen für Steuerungs- und Informationszwecke innerhalb des Verkehrsmanagementsystems nutzen lassen.«

Besonders stolz ist das Team auf die Etablierung eines auf Videokameras basierenden Sensorsystems. Dieses wurde in den vergangenen Monaten in Nürnberg exemplarisch an zehn Standorten installiert und getestet. Es ist in der Lage, bestimmte Verkehrskenngrößen wie Fahrzeugzahl oder Staulänge automatisch zu ermitteln. Diese Werte werden permanent an eine Rechnerzentrale übertragen und dort aufbereitet, um den Verkehr zu steuern. So werden zum Beispiel Ampeln in Abhängigkeit des durch die Kameras erkannten Verkehrs geschaltet.

»Videodetektoren als Sensoren für die Lichtsignalsteuerung und das Management des Straßenverkehrs sind inzwischen kaum noch wegzudenken«, meint Ulf Jung, zuständiger Abteilungsleiter im IVI, und ergänzt: »Die Kombination aus fortgeschrittener Rechnertechnologie und der bei uns entwickelten Bildverarbeitungssoftware liefert qualitativ ähnliche Werte wie konventionelle Induktionsschleifen, ist aber im Einsatz wesentlich preiswerter und flexibler.« Zudem gehöre die Übertragung der Live-Bilder von Stauschwerpunkten in Verkehrsmanagementzentralen inzwischen zum Standard in Großstädten.

Der Videodetektor ist unter anderem in der Lage, die Fahrzeugan-zahl, die Geschwindigkeit und die Rückstaulänge zu bestimmen. Derzeit kann er gleichzeitig bis zu sechs Fahrbahnspuren auswerten. Die Qualität hängt auch von den örtlichen Sichtverhältnissen ab. Die aufgenommenen Bilder werden direkt vor Ort ausgewertet. Dazu ist an das Kameramodul ein kleiner Rechner angeschlossen, um die Bilder zu verarbeiten. Er wertet in Echtzeit aus und sendet die aggregierten Verkehrsdaten und Live-Bilder an eine Steuerzentrale weiter.

Das neue System schließt die Lücke zwischen den etablierten, aber aufwändigen Induktionsschleifen und den Reisezeitmessungen über Sensoren in Taxis. Denn die Videodetektoren sind nicht nur preisgünstig, sondern liefern auch kontinuierlich zuverlässige Daten.

Die Projektpartner:
Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI
Stadt Nürnberg
DLR
Siemens VAG
SSP Consult
MNO Stühler
Taxi-Zentrale Nürnberg

Ulf Jung | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.ivi.fraunhofer.de

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