Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

ASSIST zeigt gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen der EU-Verkehrspolitik

03.06.2014

Das europäische Verkehrssystem ist zahlreichen Veränderungen ausgesetzt: von der Verknappung fossiler Rohstoffe über den demographischen Wandel bis hin zur Integration moderner IKT. Verkehrspolitische Maßnahmen sollen helfen, die daraus folgenden Herausforderungen zu meistern.

Wie sich 61 Verkehrspolitiken der EU auf wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene auswirken, hat das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI zusammen mit fünf Projektpartnern analysiert. Im Rahmen des Projekts ASSIST sind ein Handbuch zur kompakten Darstellung der Auswirkungen sowie ein Modell zur Simulation unterschiedlicher Maßnahmen und ihrer Effekte entstanden.

Im Projekt ASSIST untersuchten das Fraunhofer ISI und seine Projektpartner im Auftrag der Europäischen Kommission, wie sich zukünftige Entwicklungen auf das europäische Verkehrssystem auswirken und welche sozialen, ökonomischen und Umweltauswirkungen verkehrspolitische Maßnahmen haben werden. Die Maßnahmen wurden in acht Kategorien eingeteilt: Bepreisung, Besteuerung, Infrastruktur, interner Markt, Standards, Verkehrsplanung, Forschung und Innovation sowie sonstige Maßnahmen.

Laut der Analyse werden die Verknappung fossiler Kraftstoffe und die Verbreitung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien die größten Auswirkungen auf das Verkehrssystem haben: Unter anderem wird die Elektromobilität aus Gründen der Treibstoff- und Emissionsreduktion zunehmen, im Bereich der IKT wird auf lange Sicht autonomes Fahren erwartet. Herausforderungen mit etwas geringerem Einfluss sind der Klimawandel, die alternde europäische Gesellschaft, öffentliche und private Schulden, die Globalisierung, die Empfindlichkeit der Währungsgemeinschaft sowie die Urbanisierung und Zersiedelung.

Aus diesen Herausforderungen ergibt sich ein Bedarf an neuen verkehrspolitischen Maßnahmen: Beispielsweise muss das European Road Safety Action Programme (ERSAP) dahingehend geprüft werden, ob es ausreichend an eine alternde Gesellschaft angepasst ist. Dr. Michael Krail, Projektleiter am Fraunhofer ISI, nennt ein positives Beispiel: „ERSAP sieht die stärkere Nutzung von aktiven Sicherheitstechnologien vor und lässt so die sich ändernden Rahmenbedingungen durch eine schnell wachsende ältere Bevölkerungsgruppe in die Gestaltung der Richtlinie einfließen.“ Weitere Anpassungen müssten jedoch folgen.

Für ihre Ergebnisse kombinierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine umfassende Literaturrecherche mit der Entwicklung eines Simulationsmodells. Die Ergebnisse der Analyse von rund 300 Studien stellten sie zu sogenannten Factsheets zusammen, die die Auswirkungen von 61 politischen Maßnahmen aus dem „Weißbuch Verkehr“ der EU kompakt darstellen. Diese Factsheets können unter http://www.assist-project.eu/assist-project-en/content/fact-sheet-list-pdf.php anhand von gesuchten Wirkungen sowie betroffenen Gruppen gezielt gesucht werden. Zudem bilden sie den Kern des „Handbook of social and economic impacts of sustainable transport policy“, das unter http://www.assist-project.eu/assist-project-wAssets/docs/ASSIST_D7-1_Synthesis.pdf zu finden ist. Es soll Politikerinnen und Politikern der Europäischen Kommission und aus den EU-Mitgliedsstaaten dabei helfen, fundierte Bewertungen ihrer Verkehrspolitiken vorzunehmen.

Zusätzlich zur Literaturrecherche entwickelten die Forscherinnen und Forscher das Bewertungsmodell ASTRA-EC auf Basis des bestehenden ASTRA-Modells des Fraunhofer ISI. Das integrierte Verkehrs-, Ökonomie- und Umweltmodell ermöglicht es dank seiner detaillierten Wirkungsstruktur, direkte und indirekte soziale und ökonomische Auswirkungen von zahlreichen Verkehrs- und Umweltpolitiken auf europäischer sowie Länderebene abzubilden.

Michael Krail nennt ein Beispiel: „ASTRA-EC ermöglicht die Simulation kompletter Kreisläufe, beispielsweise die teilweise Rückerstattung von Verkehrsbepreisungseinnahmen wie Mautgebühren über Steuererleichterungen. Die Stärke des Modells liegt in der gleichzeitigen Bewertung verkehrsbezogener und ökonomischer Effekte, wir können jedoch auch soziale Auswirkungen wie die unterschiedliche Beeinflussung mehrerer gesellschaftlicher Gruppen ermitteln.“

Durch die Simulation von 26 verkehrspolitischen Maßnahmen aus dem „Weißbuch Verkehr“ mit ihren kurz-, mittel- und langfristigen Auswirkungen auf die Gesellschaft konnte ASSIST Literaturlücken schließen, von denen es gerade im Bereich der sozialen Effekte noch viele gibt. Die mit dem Simulationsmodell ASTRA-EC berechneten Auswirkungen auf bestimmte Gebiete und Bevölkerungsgruppen liefern Entscheiderinnen und Entscheidern eine Ergänzung zu den in den Factsheets zusammengefassten Tendenzen, welche positiven und negativen Folgen die Verkehrspolitiken im Allgemeinen haben werden.

Das Projekt ASSIST wurde im 7. Rahmenprogramm der Europäischen Kommission gefördert. Neben dem Fraunhofer ISI als Koordinator waren fünf Projektpartner beteiligt: ProgTrans AG (Schweiz), Panteia B.V. (Niederlande), CNRS-LET (Frankreich), FÖMTERV (Ungarn) und TRT (Italien).

Alle Ergebnisse des Projekts können auf der Website http://www.assist-project.eu heruntergeladen werden.

Kontakt:
Anne-Catherine Jung MA
Telefon: +49 721 6809-100
E-Mail: presse@isi.fraunhofer.de

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Weitere Informationen:

http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/service/presseinfos/2014/pri-12-2014-assist-...
http://www.assist-project.eu
http://www.assist-project.eu/assist-project-en/content/fact-sheet-list-pdf.php
http://www.assist-project.eu/assist-project-wAssets/docs/ASSIST_D7-1_Synthesis.p...

Anne-Catherine Jung | Fraunhofer-Institut

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Neue Akteure, Standardisierung und Digitalisierung für mehr Güterverkehr auf der Schiene
16.07.2018 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

nachricht Ohne Fahrer zum Flieger: Festigkeitsnachweis für neuartiges Personentransportsystem erstellt
11.07.2018 | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

18.07.2018 | Physik Astronomie

Schonend, schnell und präzise: Innovative Herz-Bildgebung in Freiburg

18.07.2018 | Medizintechnik

Chemische Waffe durch laterale Gen-Übertragung schützt Wollkäfer gegen schädliche Pilze

18.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics