Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Von der Natur für die Creme-Dose: neues Verfahren aus dem LIKAT auf der Basis von Zuckerrohr

31.01.2020

Forschern am Leibniz-Institut für Katalyse (LIKAT) in Rostock gelang es, für die Produktion eines essenziellen Bestandteils kosmetischer Cremes das Verfahren von petrochemischen Ausgangsstoffen auf rein natürliche Basis umzustellen. Dabei handelt es sich um den Inhaltsstoff Pentylenglycol, den das Unternehmen Symrise, globaler Anbieter u.a. von kosmetischen Grund- und Wirkstoffen mit Sitz in Holzminden, seit 25 Jahren unter dem Produktnamen Hydrolite®5 vertreibt. Hydrolite®5 green, wie die Substanz neu heißt, ist komplett biologischen Ursprungs. Ihre Kohlenstoffkette entstammt einem Nebenprodukt der Zuckerrohrverarbeitung, der sogenannten Bagasse.

Natürliche Inhaltsstoffe für Kosmetika liegen weltweit im Trend. Pentylenglycol, ein zweiwertiger Alkohol, geruchs- und farblos, fehlt praktisch in keiner kosmetischen Creme. Es sorgt u.a. dafür, dass die Haut Feuchtigkeit und Wirkstoffe optimal aufnimmt, und verleiht den Cremes Stabilität, so dass sich z.B. Bestandteile wie Öl und Wasser im Laufe der Zeit nicht wieder trennen.


Symbolbild: Wissenschaftler bei der Laborarbeit im Leibniz-Institut für Katalyse

Nordlicht/LIKAT

Richtiges Gespür

„Dieses Zwischenprodukt der Bagasse besteht, wie alle Naturstoffe, aus unterschiedlichen Komponenten“, erläutert Dr. Angela Köckritz, unter deren Leitung die Arbeiten liefen. Die gilt es aufzutrennen und möglichst rein und selektiv umzusetzen. Das gewünschte Folgeprodukt, Pentylenglycol, dann auch wirtschaftlich zu erzeugen – dabei spielt die Katalyse eine große Rolle.

Von der Art des Katalysators, der hier infrage kam, einem Edelmetall-Träger-Katalysator, gibt es „hundert verschiedene Sorten“, sagt Angela Köckritz. Erfahrung, das richtige Gespür und „auch ein bisschen Glück“ führten sie nach einigen Recherche-Umwegen zu einer Substanz, die sich auf Anhieb als die richtige erwies.

Um sicher zu gehen, dass die Idee auch wirklich tragfähig war, stellte ein Kollege noch rund 50 weitere Katalysator-Varianten her. Das patentierte Verfahren wurde letztlich zum Gemeinschaftswerk von Kolleginnen und Kollegen am LIKAT, die u.a. mit Analysen und dem Aufbau der Apparaturen ihre Expertise einbrachten.

Anerkennung vom Partner

Die Summenformel für Pentylenglycol aus dem Bagassen-Zwischenprodukt ist dieselbe wie für die aus petrochemischen Quellen. Nur dass die Substanz am Ende eines völlig anderen Reaktionsweges steht.

Yohanna Sander, Global Senior Produkt-Managerin bei Symrise, war sich über die wissenschaftliche Herausforderung von Anfang an im Klaren: „Es ist deutlich schwieriger, ein chemisches Molekül durch ein natürliches zu ersetzen als andersherum – vor allem, wenn das Ganze im industriellen Maßstab funktionieren muss.“

Der Katalysator zeigte nach Angela Köckritz’ Worten eine so fantastische Aktivität, dass in den LIKAT-Labors noch Optimierungsversuche liefen, während die Miniplant-Anlage von Symrise schon die Arbeit aufnahm. Nach zwei Jahren war klar, dass das Verfahren wirtschaftlich arbeitet und die Produktionsanlage gebaut werden kann. Die wurde 2018 eingeweiht.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Martha Höhne

Martha Höhne | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.catalysis.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Neue Methode führt zehnmal schneller zum Corona-Testergebnis
07.07.2020 | Universität Bielefeld

nachricht Neues Verfahren ermöglicht Lithiumabbau in Deutschland
01.07.2020 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektrische Spannung aus Elektronenspin – Batterie der Zukunft?

Forschern der Technischen Universität Ilmenau ist es gelungen, sich den Eigendrehimpuls von Elektronen – den sogenannten Elektronenspin, kurz: Spin – zunutze zu machen, um elektrische Spannung zu erzeugen. Noch sind die gemessenen Spannungen winzig klein, doch hoffen die Wissenschaftler, auf der Basis ihrer Arbeiten hochleistungsfähige Batterien der Zukunft möglich zu machen. Die Forschungsarbeiten des Teams um Prof. Christian Cierpka und Prof. Jörg Schumacher vom Institut für Thermo- und Fluiddynamik wurden soeben im renommierten Journal Physical Review Applied veröffentlicht.

Laptop- und Handyspeicher der neuesten Generation nutzen Erkenntnisse eines der jüngsten Forschungsgebiete der Nanoelektronik: der Spintronik. Die heutige...

Im Focus: Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

Verlustfreie Stromleitung bei Raumtemperatur? Ein Material, das diese Eigenschaft aufweist, also bei Raumtemperatur supraleitend ist, könnte die Energieversorgung revolutionieren. Wissenschaftlern vom Exzellenzcluster „CUI: Advanced Imaging of Matter“ an der Universität Hamburg ist es nun erstmals gelungen, starke Hinweise auf Suprafluidität in einer zweidimensionalen Gaswolke zu beobachten. Sie berichten im renommierten Magazin „Science“ über ihre Experimente, in denen zentrale Aspekte der Supraleitung in einem Modellsystem untersucht werden können.

Es gibt Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten. So kann z. B. Wasser nicht durch die Glaswand von einem Glas in ein anderes fließen. Erstaunlicherweise...

Im Focus: The spin state story: Observation of the quantum spin liquid state in novel material

New insight into the spin behavior in an exotic state of matter puts us closer to next-generation spintronic devices

Aside from the deep understanding of the natural world that quantum physics theory offers, scientists worldwide are working tirelessly to bring forth a...

Im Focus: Im Takt der Atome: Göttinger Physiker nutzen Schwingungen von Atomen zur Kontrolle eines Phasenübergangs

Chemische Reaktionen mit kurzen Lichtblitzen filmen und steuern – dieses Ziel liegt dem Forschungsfeld der „Femtochemie“ zugrunde. Mit Hilfe mehrerer aufeinanderfolgender Laserpulse sollen dabei atomare Bindungen punktgenau angeregt und nach Wunsch aufgespalten werden. Bisher konnte dies für ausgewählte Moleküle realisiert werden. Forschern der Universität Göttingen und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen ist es nun gelungen, dieses Prinzip auf einen Festkörper zu übertragen und dessen Kristallstruktur an der Oberfläche zu kontrollieren. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature erschienen.

Das Team um Jan Gerrit Horstmann und Prof. Dr. Claus Ropers bedampfte hierfür einen Silizium-Kristall mit einer hauchdünnen Lage Indium und kühlte den Kristall...

Im Focus: Neue Methode führt zehnmal schneller zum Corona-Testergebnis

Forschende der Universität Bielefeld stellen beschleunigtes Verfahren vor

Einen Test auf SARS-CoV-2 durchzuführen und auszuwerten dauert aktuell mehr als zwei Stunden – und so kann ein Labor pro Tag nur eine sehr begrenzte Zahl von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erster Test für neues Roboter-Umweltmonitoring-System der TU Bergakademie Freiberg

10.07.2020 | Informationstechnologie

Binnenschifffahrt soll revolutioniert werden: Erst ferngesteuert, dann selbstfahrend

10.07.2020 | Verkehr Logistik

Robuste Hochleistungs-Datenspeicher durch magnetische Anisotropie

10.07.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics