Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsallianz Kulturerbe: Plasma für den Kulturgüterschutz

26.07.2012
Die Plasmatechnologie wird in Zukunft entscheidend dazu beitragen, unsere von Witterung und Zerfall bedrohten Kulturgüter zu erhalten.
Das ist das zentrale Ergebnis eines Forschungsprojekts, das Fraunhofer-Forscher heute in Dresden vorgestellt haben. Neuartige Reinigungs- und Beschichtungstechniken ermöglichen es insbesondere historische Silber- und Eisenobjekte sowie Papierdokumente umweltverträglich und nachhaltig zu konservieren und zu restaurieren.

Kunst- und Kulturgüter sind für unsere Gesellschaft unermesslich kostbar. Sie sind nicht nur ein wesentlicher identitätsstiftender Bestandteil unserer Zivilisation, sondern auch von wirtschaftlicher Relevanz. Verwitterung und Zerstörung durch Umwelteinflüsse, Korrosion oder mikrobieller Befall führen jedoch dazu, dass Objekte regelmäßig unwiederbringlich verloren gehen. Die Gründe hierfür: Es fehlen kostengünstige und nachhaltige Konservierungs- und Restaurierungstechniken. Das will die Forschungsallianz Kulturerbe ändern.

Silber- und Eisenobjekte reinigen und schützen

Ein Schwerpunkt der Forschungsarbeiten lag auf der Entwicklung geeigneter Schutzschichten für bedrohte Kunst- und Kulturobjekte. Die Experten von Fraunhofer fanden heraus, dass sich insbesondere Parylene – wasserabweisende, chemisch resistente Kunststoffe – zur Beschichtung eignen. Die Technologie ist mit geringen Einschränkungen für eine Vielzahl von Materialien wie Metall, Glas, Keramik, Textil, Leder, Pergament oder Papier anwendbar. Die Schichten sind nur drei bis fünf Milimeter dick und können auch ohne Schäden wieder leicht entfernt werden.

Bei der Reinigung beschädigter Silber- und Eisengegenstände erwies sich eine Kombination von Niederdruck- und Atmosphärendruck-Plasmabehandlungen als ideal. Mit Niederdruckplasmen, das sind nichtthermische Plasmen, deren Druck erheblich niedriger ist als der erdatmosphärische Druck, lassen sich Objekte großflächig behandeln. Inbesondere können Silbersulfidschichten abgetragen und damit angelaufenes Silber wieder spürbar aufgehellt werden.

Für sehr fragile Objekte ist dagegen die Plasmabehandlung mit Atmosphärendruck geeigneter. Zum Einsatz kommen dabei Jetsysteme, die vom Restaurator ähnlich wie ein Stift in die Hand genommen und punktuell über die Probe geführt werden können. Silber lässt sich so ohne Abrieb von Sulfidschichten reinigen oder Eisennägel lassen sich archäologisch freilegen.

Elektronen retten Papier

Zu den bedrohtesten Kulturgütern zählt das Papier. Insbesondere den Beständen aus dem 19./20. Jahrhundert drohen aufgrund ihres Säuregehalts und teilweise unsachgemäßer Lagerung irreversible Zerstörungen. Schimmelpilz- und Bakterienbefall, Tintenfraß und Parasiten sind weitere Schadensursachen. Eine aussichtsreiche Möglichkeit, den Verfall zu stoppen, bietet die Elektronenstrahltechnik auf Basis von Atmosphärendruck. Elektronen werden dabei aus dem Plasma extrahiert und als Energieträger zur Vernetzung von Molekülen innerhalb geschädigter Stellen eines Papierdokuments genutzt. Die vernetzten Molekülketten bilden ein langzeitstabiles Stützgerüst für die gebrochenen Zellulosefasern. Gleichzeitig sterilisieren und entkeimen die Elektronen das Dokument nachhaltig. Optik und Haptik der Blätter des Archivguts bleiben dabei im Wesentlichen erhalten.

»Mit dieser Adaption der Plasmatechnologie für fragile Objekte ist die Forschungsallianz auf einem sehr guten Weg zur Erhaltung unseres kulturellen Erbes«, resümiert Professor Klaus Sedlbauer, Sprecher der Forschungsallianz und Leiter des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP.

Dr.JohannaLeissner | Fraunhofer Brüssel
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2012/juli/forschungsallianz-kulturerbe-plasma-fuer-den-kulturgueterschutz.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Mit Polyphosphat gegen die Plastikberge in den Weltmeeren
03.09.2018 | Fachhochschule Münster

nachricht Nasschemisches Beschichtungsverfahren mit Potential
30.08.2018 | INNOVENT e.V. Technologieentwicklung Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Im Focus: Bio-Kunststoffe nach Maß

Zusammenarbeit zwischen Chemikern aus Konstanz und Pennsylvania (USA) – gefördert im Programm „Internationale Spitzenforschung“ der Baden-Württemberg-Stiftung

Chemie kann manchmal eine Frage der richtigen Größe sein. Ein Beispiel hierfür sind Bio-Kunststoffe und die pflanzlichen Fettsäuren, aus denen sie hergestellt...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

Gesundheitstipps und ein virtueller Tauchgang zu Korallenriffen

20.09.2018 | Veranstaltungen

Internationale Experten der Orthopädietechnik tagen in Göttingen

19.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bei Depressionen ist Hirnregion zur Stresskontrolle vergrößert

20.09.2018 | Biowissenschaften Chemie

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Was Einstein noch nicht wusste

20.09.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics