Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Universität Bremen erhält neuen Sonderforschungsbereich "Distortion Engineering

24.01.2001


Warum verformt sich Metall bei der Fertigung? Die Universität Bremen erhält den Sonderforschungsbereich "Distortion Engineering - Verzugsbeherrschung in der Fertigung"

  • Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt Universität Bremen den 5. Sonderforschungsbereich.
  • Für die ersten drei Jahre gehen Forschungsmittel in Höhe von 7,9 Millionen Mark nach Bremen.
  • Neu in der Verzugsforschung: Bremer Wissenschaftler untersuchen den gesamten Fertigungsprozess von hochbeanspruchten Metall-Bauteilen.


Bei den Produktionen in der Metallindustrie tauchen regelmäßig große Probleme auf, die bisher nicht gelöst werden konnten. So kommt es beim Herstellen von hochbeanspruchten Metall-Bauteilen - wie beispielsweise Zahnrädern, Radlagern oder Wellen - häufig zu Verformungen, dem "Verzug". Vor allem bei der am Ende der Bearbeitung stehenden Wärmebehandlung eines solchen Metallbauteiles bilden sich Unregelmäßigkeiten. Es verändern sich Maße und Formen, aber auch die Eigenschaften des Metalls. Dieser "Verzug" macht dann eine kostenintensive Nachbearbeitung erforderlich, die die Wirtschaftlichkeit der Produktion in Frage stellt. Zu dieser Problematik gibt es eine Fülle von wissenschaftlichen Untersuchungen, die allerdings nur Einzelaspekte der Fertigungsabläufe aufgreifen. Der kürzlich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) der Universität Bremen bewilligte Sonderforschungsbereich "Distortion Engineering - Verzugsbeherrschung in der Fertigung" verfolgt nun einen neuen Ansatz, um die Gründe für den Verzug aufzuspüren. Die Bremer Produktionstechniker unter Leitung von Professor Peter Mayr gehen davon aus, dass der Verzug nicht in einem einzelnen Teilprozess der Produktion entsteht, sondern das Ergebnis des Ineinandergreifens der gesamten Produktionskette ist. Entsprechend werden alle Schritte des Gesamtprozesses der Bauteileproduktion betrachtet: die konstruktive Gestaltung, die Auswahl, die Herstellung und die Eigenschaften des verwendeten Werkstoffs, die spanende oder umformende Fertigung und die Wärmebehandlung zur Optimierung der Gebrauchseigenschaften.


Auch wenn die Wärmebehandlung der auslösende Faktor des Verzuges ist, liegen nach Meinung der Bremer Forscher die Ursachen in den inneren Spannungszuständen des Werkstoffs. Diese Spannungszustände bauen sich nach und nach während der gesamten Produktionsphase auf. Deshalb werden die Bremer Produktionstechniker die "Systemeigenschaft" der gesamten Produktionskette untersuchen, um Vorstufen des sichtbaren Verzugs herauszufinden. Das "System Verzug" soll beispielhaft anhand der Produktionsabläufe für Ringe, Wellen und Zahnräder analysiert werden. Diese Bauteile weisen typische, jeweils unterschiedliche Formveränderungen auf. Der Ring wird unrund, die Welle neigt zur Säbelform und das Zahnrad verändert die Verzahnungsgeometrie. Ziel der Arbeit im neuen Bremer SFB 570 ist es, Strategien zu entwickeln, um den Verzügen bei metallischen Bauteilen systematisch entgegen zu wirken.


Der SFB 570 "Distortion Engineering - Verzugsbeherrschung in der Fertigung" ist der fünfte Sonderforschungsbereich, der an die Universität Bremen vergeben wurde und der zweite, der aus dem Institut für Werkstofftechnik (IWT) hervorgeht. Für die ersten drei Jahre stellt die DFG 7,9 Millionen Mark Fördergelder zur Verfügung. Die Bewilligung von Sonderforschungsbereichen ist Beleg für Spitzenforschung in Deutschland. Angesichts der geringeren DFG-Mittel für Sonderforschungsbereiche und des harten Konkurrenzkampfes der Universitäten um diese Drittmittel, ist die jüngste Bewilligung für den Fachbereich Produktionstechnik und das IWT eine zusätzliche Anerkennung der außergewöhnlichen wissenschaftlichen Qualität in Bremen. Die hohe Forschungsqualität wirkt sich natürlich auch äußerst positiv auf die Lehrqualität aus. Absolventen des Fachbereichs Produktionstechnik an der Uni Bremen sind deshalb von Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen sehr umworben.


Weitere Informationen:

Universität Bremen


Fachbereich Produktionstechnik
SFB "Distortion Engineering - Verzugsbeherrschung in der Fertigung"
Prof. Dr.-Ing. Peter Mayr (Sprecher)
Tel.: 0421 / 218 5300
Dr.-Ing. Thomas Lübben (Geschäftsführer)
Tel.: 0421 / 218 5321
Fax: 0421 / 218 5333
E-Mail: luebben@iwt.uni-bremen.de

Kai Uwe Bohn | idw

Weitere Berichte zu: Engineering Fertigung Welle Wärmebehandlung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Neues Quantenpunkt-Mikroskop zeigt die elektrischen Potenziale einzelner Atome
11.06.2019 | Forschungszentrum Jülich GmbH

nachricht Wasserdicht dank flinker Laser
27.05.2019 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erfolgreiche Praxiserprobung: Bidirektionale Sensorik optimiert das Laserauftragschweißen

Die Qualität generativ gefertigter Bauteile steht und fällt nicht nur mit dem Fertigungsverfahren, sondern auch mit der Inline-Prozessregelung. Die Prozessregelung sorgt für einen sicheren Beschichtungsprozess, denn Abweichungen von der Soll-Geometrie werden sofort erkannt. Wie gut das mit einer bidirektionalen Sensorik bereits beim Laserauftragschweißen im Zusammenspiel mit einer kommerziellen Optik gelingt, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT auf der LASER World of PHOTONICS 2019 auf dem Messestand A2.431.

Das Fraunhofer ILT entwickelt optische Sensorik seit rund 10 Jahren gezielt für die Fertigungsmesstechnik. Dabei hat sich insbesondere die Sensorik mit der...

Im Focus: Successfully Tested in Praxis: Bidirectional Sensor Technology Optimizes Laser Material Deposition

The quality of additively manufactured components depends not only on the manufacturing process, but also on the inline process control. The process control ensures a reliable coating process because it detects deviations from the target geometry immediately. At LASER World of PHOTONICS 2019, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be demonstrating how well bi-directional sensor technology can already be used for Laser Material Deposition (LMD) in combination with commercial optics at booth A2.431.

Fraunhofer ILT has been developing optical sensor technology specifically for production measurement technology for around 10 years. In particular, its »bd-1«...

Im Focus: Additive Fertigung zur Herstellung von Triebwerkskomponenten für die Luftfahrt

Globalisierung und Klimawandel sind zwei der großen Herausforderungen für die Luftfahrt. Der »European Flightpath 2050 – Europe’s Vision for Aviation« der Europäischen Kommission für Forschung und Innovation sieht für Europa eine Vorreiterrolle bei der Vereinbarkeit einer angemessenen Mobilität der Fluggäste, Sicherheit und Umweltschutz vor. Dazu müssen sich Design, Fertigung und Systemintegration weiterentwickeln. Einen vielversprechenden Ansatz bietet eine wissenschaftliche Kooperation in Aachen.

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT und der Lehrstuhl für Digital Additive Production DAP der RWTH Aachen entwickeln zurzeit eine...

Im Focus: Die verborgene Struktur des Periodensystems

Die bekannte Darstellung der chemischen Elemente ist nur ein Beispiel, wie sich Objekte ordnen und klassifizieren lassen.

Das Periodensystem der Elemente, das die meisten Chemiebücher abbilden, ist ein Spezialfall. Denn bei dieser tabellarischen Übersicht der chemischen Elemente,...

Im Focus: The hidden structure of the periodic system

The well-known representation of chemical elements is just one example of how objects can be arranged and classified

The periodic table of elements that most chemistry books depict is only one special case. This tabular overview of the chemical elements, which goes back to...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Rittal und Innovo Cloud sind auf Supercomputing-Konferenz in Frankfurt vertreten

18.06.2019 | Veranstaltungen

Teilautonome Roboter für die Dekontamination - den Stand der Forschung bei Live-Vorführungen am 25.6. erleben

18.06.2019 | Veranstaltungen

KI meets Training

18.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Universität Jena mit innovativer Lasertechnik auf Photonik-Messe in München vertreten

19.06.2019 | Messenachrichten

Meilenstein für starke Zusammenarbeit: Neuer Standort für Rittal und Eplan in Italien

19.06.2019 | Unternehmensmeldung

Katalyse: Hohe Reaktionsraten auch ohne Edelmetalle

19.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics