Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Plasmasterilisation: Neubrandenburger Firma schickt bei Normaldruck Kugelblitze durch Plastikflasche

04.07.2001



Plasmagestützte Sterilisation von Getränkeflaschen kann auch bei Atmosphärendruck realisiert werden. Das hat bisher niemand für möglich gehalten. Die Fachwelt staunt über das verbesserte Plasmaverfahren, das die Neubrandenburger Firma KNN Systemtechnik mit Unterstützung des Greifswalder Instituts für Niedertemperatur-Plasmaphysik (INP) zur Marktreife brachte. Interessant für die Industrie: Das Verfahren ist zehn mal so schnell, dafür deutlich billiger als herkömmliche Vakuum-Technik.

Drei Jahre beschäftigte den Neubrandenburger Maschinenbauingenieur Udo Krohmann und seine Kollegen die Idee, die Sterilisationsverfahren für Getränkeflaschen zu verbessern. Weil der 50-jährige lange in der Getränkebranche tätig war, kannte er die Wünsche der Industrie. Attraktiv, weiß er, ist ein Plasmaverfahren, denn es ist umweltfreundlich und vermeidet die Nasschemie. Es müsste allerdings Durchsatzzahlen von bis zu 40 000 Flaschen pro Stunde erreichen, also schneller und weniger aufwändig werden. Das geht nur, wenn die Plasmatechnik bei Normaldruck funktioniert.

"Von Plasmatechnik hatten wir keine Ahnung," erzählt Krohmann, "deshalb wandten wir uns an das INP." Die Greifswalder Physiker waren zunächst skeptisch. "Eigentlich lassen sich Mikrowellenplasmen bei Normaldruck nur schwer steuern," erklärt Dr. Andreas Ohl, Abteilungsleiter für Oberflächentechnik "Aber wir wissen natürlich, dass es typisch für Plasmen ist, seine Anwender zu überraschen." Niedertemperatur-Plasmen seien hochgradig nichtlineare Systeme. Wie sie auf veränderte Rahmenbedingungen reagierten, lasse sich oft schwer vorhersagen. Das INP verfügt über viel Erfahrung in Sachen Mikrowellenplasmen und konnte so die Begeisterung der Ingenieure schnell in Richtung einer machbaren Lösung lenken. Auf der diesjährigen Hannovermesse verblüffte KNN Systemtechnik die Fachöffentlichkeit mit einem bei Normaldruck funktionierenden Mikrowellenplasma. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die apparatetechnische Ausrüstung spart im Vergleich zum Vakuumverfahren Platz, Geld und Zeit. Bei Atmosphärendruck werden die Flaschen je nach Größe in einer halben bis einer Sekunde entkeimt.

PET-Flaschen, ob Einweg- oder Mehrweg, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Probleme gab es bisher allerdings mit ihrer Reinigung bzw. Sterilisation. Hitze kommt nicht in Frage, die Verwendung chemischer Mittel stößt an Grenzen, denn viele Keime sind längst resistent gegen Wasserstoffperoxid oder schweflige Säure. Ein Plasma, das seine reinigende Kraft in alle Winkel der Kunststoffform verbreitet, ließ sich bisher nur im Vakuum oder unter Niederdruck zünden. Das machte die Technik aufwändig, teuer und langsam: ein Reinigungsvorgang dauerte bis zu zehn Sekunden. Jetzt huscht bei Normaldruck wie ein Kugelblitz das Plasma durch die Flasche, zu schnell, um das empfindliche Material zu schmelzen, schnell genug aber, um schädliche Keime abzutöten.

Dieses Oberflächenbehandlungsverfahren, das KNN Systemtechnik bereits zum Patent angemeldet hat, dürfte nicht nur für Getränkeabfüller interessant sein. Es kann auch andere Veredlungsverfahren erleichtern, die bisher unter Vakuum abliefen, so die Beschichtung, die Modifikation oder die Aktivierung von Oberflächen.

Ansprechpartner für Rückfragen: Dipl.-Ing. Udo Krohmann, Tel.: 0395 - 368 68 89
oder Dr. Andreas Ohl, Tel 03834 - 554 300

Anke Wagner | idw
Weitere Informationen:
http://www.inp-greifswald.de/

Weitere Berichte zu: INP KNN Kugelblitz Neubrandenburger Normaldruck Plasma Systemtechnik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Verkalkte Zähne retten
19.06.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Uhrenbestandteile aus Diamant
18.06.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics