Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Engel gleich kopiert

13.12.2004


So lassen sich Metallteile oder Skulpturen schneller als bisher nachbilden: Beim Lasersintern bedarf es keiner Kopie des Originals, um daraus Gussformen aus Keramik herzustellen - das eingescannte dreidimensionale Computermodell einer Engelsfigur genügt.


Auf die inneren Werte kommt es auch hier an: Lasergesinterte Feingussform der Engelsfigur aus Zirkonsilikat.
© Fraunhofer IPT



Erstmals kopierten Forscher mit modernster Technik eine historische Skulptur aus dem Aachener Dom. Zu Beginn wurde der 130 Jahre alte Engel aus Sandstein im Universitätsklinikum Aachen mit einem Computertomographen eingescannt. Dabei entstanden 690 Scheibenaufnahmen der 40 Zentimeter großen Skulptur. Aus diesen berechneten Forscher vom Geodätischen Institut der RWTH Aachen ein dreidimensionales Modell. Mit den Daten produzierten Kollegen vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT per Lasersintern eine feuerfeste Gussform aus Keramik. Das Ergebnis der erfolgreichen interdisziplinären Kooperation wurde kürzlich demonstriert: Während der Wissenschaftsnacht an der RWTH gossen Wissenschaftler die Figur in Bronze.



Keramikformen werden dann benötigt, wenn hoch schmelzende Metalllegierungen wie Stähle gegossen werden, denn selbst Temperatur um 1 700 °C halten sie Stand. Um eine solche Gussform traditionell zu fertigen, benötigt man normalerweise eine Wachs- oder Kunststoffkopie des Originals. "Beim Lasersintern können wir die Form ohne Umweg direkt aus dem Computermodell herstellen", sagt Christoph Ader vom IPT. "Der gesamte Zeitaufwand reduziert sich im besten Fall auf ein Zehntel gegenüber der klassischen Prozesskette."

Am Beispiel des Engels funktioniert diese rein digitale Prozesskette so: Eine Software zerlegt das Modell rechnerisch in einzelne Schichten. Die Lasersintermaschine streut ein feines Pulver aus Zirkonsilikat oder Quarz auf eine Fläche. Ein vom Computer gesteuerter Laser beschießt das Pulver zeilenweise und schaltet sich gezielt ein und aus. Entlang der Schichtkontur schmelzen die Pulverkörner oberflächlich auf, sodass sie zusammensintern. Ist eine Ebene fertig, wird sie abgesenkt, neues Pulver aufgetragen und die nächste Schicht geschrieben. "Im Original war der Engel für unsere Versuchsmaschine zu groß", sagt Ingenieur Ader. "Doch bis zu 18 Zentimeter große Kopien konnten wir problemlos herstellen." Die eigentliche Gussform für den Engel in Originalgröße entwickelte das Gießerei-Institut der RWTH Aachen.

Bisher wird das Verfahren noch nicht industriell angewendet. "Innerhalb des kommenden Jahres wird es aber soweit sein", hofft Ader. "Dann können wir alle möglichen Metallbauteile rasch herstellen." In den kommenden drei Jahren werden die Wissenschaftler weitere Möglichkeiten untersuchen, das Verfahren einzusetzen - etwa bei Zahnersatz aus Keramik (Projekt RapiDent).

Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Christoph Ader, Tel.: 0241/8904-403, Fax: -6403, christoph.ader@ipt.fraunhofer.de
Anja Robert, M. A., Tel.: 0241/80-25832, Fax: -22289, pr-muw@rwth-aachen.de

Dr. Johannes Ehrlenspiel | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.ipt.fraunhofer.de
http://www.rwth-aachen.de

Weitere Berichte zu: Gussform Keramik Lasersintern Original Pulver RWTH Skulptur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Verkalkte Zähne retten
19.06.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Uhrenbestandteile aus Diamant
18.06.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics