Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RUB-Maschinenbauer entwickeln neues Altöl-Recycling

10.07.2003


Altöl soll in Zukunft nicht mehr als Sondermüll die Umwelt verseuchen, sondern wieder als Rohstoff taugen. Dafür sorgt ein neues Verfahren, das RUB-Maschinenbauer der Lehrstühle für Verfahrenstechnische Transportprozesse (Prof. Dr.-Ing. Eckhard Weidner) und für Partikeltechnologie und Partikeldesign (Juniorprofessor Dr.-Ing. Marcus Petermann) zusammen mit der Gelsenkirchener Minitec Engineering GmbH entwickelt und optimiert haben: In kompakten Anlagen werden Schmutz und Wertstoff unter Hochdruck mit Hilfe von Propangas voneinander getrennt. Das Wertprodukt dient wieder als Schmiermittel. Das neue Verfahren ist umweltfreundlicher und wirtschaftlicher als herkömmliche Aufbereitungsmethoden.



Sieg beim internationalen StaR-Contest



Wie gut das Verfahren ist, zeigte sich auf dem internationalen StaR-Contest (25.-27.6.2003) in der Universität Duisburg-Essen: Die Bochumer Forschergruppe gewann den ersten Preis gegen Forscher aus acht europäischen Ländern und ein Team aus den USA. Auch der zweite Platz ging an die Ruhr-Uni - für innovative Forschungsergebnisse auf den Gebieten Energie und Umwelt.

Infos und Abbildungen im Internet

Eine ausführliche Beschreibung des Verfahrens mit Abbildungen zum Herunterladen finden Sie in JuniorRUBIN: http://www.ruhr-uni-bochum.de/juniorrubin.

Bisher blieb Altöl Sondermüll

Von den ca. 120 Mio. t Mineralöl, die in Deutschland jährlich verbraucht werden, bleiben etwa 700.000 t Altöl zurück - als Sondermüll. Denn es enthält neben festen Partikeln, wie Metallspänen aus Motoren und Ruß, Schwefel-, Chlor- und Schwermetallverbindungen, die z. T. im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Altölrecycling wird zwar schon in großtechnischen Anlagen betrieben, aber sie verschlingen jede Menge Energie und sind wenig umweltfreundlich: Das Altöl wird erhitzt, wobei weiterverwendbare Komponenten verdampfen. Feststoffe wie Metallspäne und hochmolekulare Verbindungen, z.B. Asphaltene, bleiben zurück. Die gewonnenen Komponenten sind aber weiterhin belastet mit Schwefel-, Chlor- und Schwermetallverbindungen. Um die Konzentrationen zu senken, z.B. unter die gesetzlichen Grenzwerte für Heizkesselbrennstoffe, oder vollständig zu entfernen, etwa für Schmierstoffe, ist eine energieaufwändige und umweltschädliche chemische Nachbehandlung nötig.

Umweltfreundlich: Propan nimmt den Wertstoff mit und lässt den Abfall zurück

Wirtschaftlicher und umweltfreundlicher ist das neue Verfahren: Das vom Wasser befreite Altöl wird in einen beheizbaren Behälter gefüllt. Dazu kommt als Lösungsmittel Propan, in dem sich die rückzugewinnenden Ölkomponenten lösen, die Verschmutzungen und festen Partikel jedoch nicht. Das Altöl und das Gas durchströmen in der Anlage die Extraktionskolonne, einen großen Behälter, der für hohe Drücke und Temperaturen ausgelegt ist, im Gegenstrom. Das schwere Altöl kommt von oben, das Extraktionsmittel fein verteilt von unten. Während das Raffinat, z. B. unlösliche Komponenten und Partikel, die Kolonne unten in Richtung Entsorgung verlässt, wird das mit den gewünschten Komponenten beladene Extrakt aus dem oberen Kolonnenbereich einer Behandlung mit Wasserstoff zugeführt. Damit werden schwefel- und chlorhaltige Verbindungen abgetrennt, die sonst bei der Verbrennung z. B. zu stark umweltschädlichem Schwefeldioxid würden. Sowohl das Raffinat (Abfall) als auch das Extrakt (Wertprodukt) sind noch mit Lösungsmittel vermischt. Um es möglichst vollständig rückzugewinnen, wandern beide Gemische in je einen Abscheider. Das Lösungsmittel kann wiederverwendet werden, das Wertprodukt kann verbrannt oder wieder Schmieröl werden.

Kleine Anlagen auf dem eigenen Betriebsgelände

Erfolgreiche Versuche mit verschiedenen Altölen bewiesen die flexible Anwendbarkeit des Verfahrens. Ziel weiterer Forschungsarbeiten ist der Bau kleiner Anlagen, die sogar in Lkw-Containern Platz finden und mit denen Industrieunternehmen auf dem eigenen Betriebsgelände Altöl aufbereiten können. So könnten sie nicht nur den eigenen Sondermüll entsorgen, sondern die Wärme auch zum Heizen nutzen. Teure Entsorgungen und der logistische Aufwand der Altölsammlung mit dem Transport zu den wenigen zentralen Großraffinerien würden entfallen. Selbst Entwicklungs- und Schwellenländer könnten erstmals Altöl aufbereiten. Ein neuer Dienstleistungssektor könnte entstehen: Mobile Aufbereitungsanlagen würden die Industrie-Standorte abfahren und vor Ort das Altöl aufbereiten.

Weitere Informationen

Juniorprofessor Dr.-Ing. Marcus Petermann, Lehrstuhl für Partikeltechnologie und Partikeldesign, Raum IB 6/128, Tel. 0234/32-26442, Fax: 0234/32-14277, E-Mail: petermann@vtp.ruhr-uni-bochum.de

Prof. Dr.-Ing. Eckhard Weidner, Lehrstuhl für Verfahrenstechnische Transportprozesse der Ruhr-Universität Bochum, 44870 Bochum, Raum IB 6/125, Tel. 0234/32-26680, Fax: 0234/32-14277, E-Mail: weidner@vtp.ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/juniorrubin
http://www.vtp.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Berichte zu: Altöl Lösungsmittel Partikel RUB-Maschinenbauer Sondermüll Wertprodukt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Phänomenologisches Berechnungskonzept verkürzt das Auslegen von Spritzgussformteilen
13.08.2018 | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

nachricht Nachweis von Mikroplastik im Wasser: Fraunhofer CSP entwickelte smarte Filteranlagen
02.08.2018 | Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schatzkammer Datenbank: Digitalisierte Schwingfestigkeitskennwerte sparen Entwicklungszeit

16.08.2018 | Informationstechnologie

Interaktive Software erleichtert Design komplexer Gussformen

16.08.2018 | Informationstechnologie

Fraunhofer HHI entwickelt Quantenkommunikation für jedermann im EU-Projekt UNIQORN

16.08.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics