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Zahn oder Titan?

15.05.2009
Die Zahnerhaltung ist das oberste Gebot der Zahnärzte. "Doch in bestimmten Risikokonstellationen dürfen wir nicht zu lange zögern, bevor wir einen Zahn ziehen.

So können wir zumindest den Knochen erhalten", erklärt Professor Christof Pertl aus Graz auf dem 5. Gemeinschaftskongress, den die deutschspachigen Gesellschaften für Implantologie zusammen mit der International Academy for Oral and Facial Rehabilitation (IAOFR) vom 14. bis 16. Mai 2009 in Berlin veranstalten.

Chronische Entzündungen an den Zähnen gefährden die Funktionsfähigkeit eines Zahnes vor allem dann, wenn nicht nur das Zahninnere (Zahnpulpa), sondern auch der knöcherne Zahnhalteapparat (Parodontium) betroffen ist. Bei diesen sogenannten Endo-Paro-Erkrankungen sind implantologische Therapien unter bestimmten Voraussetzungen zahnerhaltenden Maßnahmen überlegen. "Schreitet an einem einzelnen Zahn im Bereich des Zahnhalteapparates eine Entzündung trotz Behandlung fort, würde man nicht länger als zwei Jahre warten, bevor man einen Zahn zieht und den Patienten mit einem Implantat versorgt", erklärt Professor Christof Pertl, niedergelassener Zahnarzt und einer der drei Kongress-Präsidenten der Berliner Tagung. "Denn wir Zahnärzte müssen im Notfall zumindest den Knochen erhalten."

Konventionelle Wurzelbehandlungen sind sehr erfolgreich

Bei den meisten Patienten schreitet eine Parodontitis nur langsam voran. 50 bis 80 Prozent der parodontal geschädigten Zähne sind nach 15 Jahren entzündungsfrei. Geht eine Parodontitis von einer Infektion des Wurzelkanalsystems aus, sind konventionelle Wurzelbehandlungen sehr erfolgreich. "Die langfristigen Erfolgsraten liegen hier zwischen 85 und 95 Prozent", berichtet der Grazer Experte. Verursachen nach einer Wurzelbehandlung in den Hohlräumen in der Wurzel zurückbleibende Keime erneut eine Entzündung, ist die Revision der Wurzelbehandlung in 65 bis 80 von hundert Fällen erfolgreich. "Die konventionellen Erfolge sind so gut, dass man ein chirurgisches Vorgehen erst als letzte Option wählen sollte", empfiehlt Pertl.

Bei der chirurgischen Wurzelspitzenresektion verschafft sich der Operateur den Zugang zum Wurzelkanalsystem von außen durch den Kieferknochen. Zwar können dank modifizierter Techniken die Erfolgsraten bei diesem Vorgehen im Einzelfall sehr gut sein, sie schwanken jedoch zwischen 50 und 92 Prozent, wenn mit einem OP-Mikroskop und retrograder Ultraschallreinigung gearbeitet wird.

Auch die Knochenerhaltung ist wichtig

Bei vier bis acht Prozent der Patienten verläuft die Parodontitis aggressiv und rapide. In diesen Fällen müssen Zähne schnell gezogen und der Patient nach einer Behandlung der Entzündung mit einem Implantat versorgt werden. Wartet der Zahnarzt zu lange ab, ist unter Umständen nicht mehr genug Knochensubstanz da, um ein Implantat zu verankern. "Im Sinne der Knochenerhaltung müssen wir Zähne so spät wie möglich, aber so früh wie nötig ziehen", so Pertl.

Die Therapieplanung bei einer Parodontitis hängt davon ab, wie schnell die Entzündung fortschreitet und welche persönlichen Risikofaktoren hinzu kommen. "Wichtig ist, die vier bis acht Prozent von Risikopatienten herauszufinden, bei denen eine Parodontitis so rapide verläuft", weiß Pertl. Bei diesen Patienten ist das Risiko für einen Implantatverlust besonders hoch. Das individuelle Risikoprofil bestimmen Angewohnheiten wie Rauchen, Mundhygiene und Stress, aber auch genetische Faktoren oder systemische Erkrankungen wie die Zuckerkrankheit oder bestimmte Immunschwächen.

"Schreitet die Parodontitis sehr schnell voran und sind die prothetischen Möglichkeiten wegen persönlicher Risikofaktoren nur sehr begrenzt, würde man nicht zwei Jahre abwarten, sondern frühzeitiger radikal vorgehen und sich für eine Extraktion mit anschließender Implantation entscheiden", so Pertl. "Sind hingegen bei einer aggressiven Form gute allgemeinprothetische Lösungen möglich, würde man die betroffene Zahnreihe als Übergangslösung mit einer konventionellen Prothetik versorgen, damit man nicht so viele Zähne auf einmal ziehen muss." Liegen bei einer guten Prognose keine persönlichen Risikofaktoren vor, ist sowohl eine konventionelle Behandlung als auch eine implantologische Lösung möglich.

Fünf Ärzte, fünf Pläne

Nicht zuletzt spielt auch der Schwerpunkt des Zahnarztes eine Rolle bei der therapeutischen Entscheidung. Ist er Implantologe, Endodont, Parodontologe, Prothetiker? Je nachdem, auf welche Fachrichtung sich ein Zahnarzt spezialisiert hat, können die therapeutischen Empfehlungen variieren. "Darum ist es so wichtig, dass sich die Spezialisten untereinander austauschen, wie auf diesem gemeinsamen Kongress in Berlin", betont Pertl.

Pressekontakt während der Tagung:
Dipl. Biol. Barbara Ritzert · Valerie Neher
Salon 11 Madrid · 1. OG · Maritim Hotel Berlin
Stauffenbergstraße 26 · 10785 Berlin
Tel.: 030 20651913
presse@dgi-ev.de
Nach der Tagung:
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Dipl. Biol. Barbara Ritzert
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Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
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