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Von der Tragfläche zur Wiederverwertung - Geschäftsmodell Aircraft Recycling

17.02.2015

Der Luftverkehr nimmt kontinuierlich zu, entsprechend viele Flugzeuge werden gebaut. Nach rund 30 Jahren endet ein Flugzeugleben. Dann stellt sich die Frage, wie sich die in den Flugzeugen enthaltenen wertvollen Materialien wiedergewinnen lassen. Über die Recycling-Möglichkeiten tauschen sich Flugzeughersteller, -zulieferer und Entsorgungsunternehmen am 11. und 12. März 2015 in Stuttgart aus – beim zweiten europäischen Aircraft Recycling Symposium, organisiert von der Hochschule Pforzheim und unterstützt vom Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT).

In der US-amerikanischen Wüste gibt es riesige Flugzeugfriedhöfe, mit Tausenden von Militär- und Zivilflugzeugen. Triebwerke und alle Öffnungen sind zugeklebt. Die Flugzeuge sind hier entweder geparkt und warten auf eine weitere Verwendung – oder sie werden ausgeschlachtet.

Bislang allerdings gibt es noch keine systematische Verwertung. Mit der immensen Zunahme des Luftverkehrs wird dieses Thema nun aktuell. Weltweit sind etwa 30.000 Verkehrsflugzeuge in Betrieb, in 20 Jahren werden es rund 10.000 mehr sein.

„Der Schrottwert beträgt in der Regel lediglich etwa 100.000 Euro“, weiß Professor Jörg Woidasky von der Fakultät für Technik der Hochschule Pforzheim. „Ganz anders sieht es bei den zertifizierten Teilen aus: Komponenten wie Antriebe, Fahr- und Triebwerke können mehrere Millionen Euro wert sein“, so der Professor für Nachhaltige Produktentwicklung. Das Ziel ist es daher, diese Komponenten wieder zu verwerten.

Seit 2005 gibt es erste Ansätze zur Demontage und Verwertung von Flugzeugen. Mittlerweile gibt es einige Spezialisten in diesem Umfeld, bislang fehlen jedoch weltweit effiziente Strukturen, verbindliche Standards sowie einheitliche Techniken und Verfahren. Beschäftigte sich das erste Symposium im Jahr 2013 mit den Konzepten der Flugzeughersteller setzt die zweite Fachtagung im kommenden März den Schwerpunkt auf Geschäftsmodelle rund um das Aircraft Recycling.

Ein weiterer Fokus wird auf das Composite Recycling gesetzt. Ein Verbundwerkstoff – auf Englisch Composite – besteht aus zwei oder mehreren miteinander verbundenen Materialien. Vorteile dieser Werkstoffe sind ihre Haltbarkeit und hohe Belastbarkeit bei geringem Gewicht. Dieser „Materialmix“ stellt allerdings das Recycling vor Herausforderungen, da oft eine Trennung in die Ausgangsstoffe nicht einfach möglich ist.

Composite Recycling, die Wiederverwendung dieser hochwertigen Verbundwerkstoffe, erfolgt beispielsweise bei Kohlenstofffasern. Diese Carbonfasern werden unter anderem in Flügeln, Leitwerken und Bodenplattformen der Flugzeuge verbaut. Imposante Beispiele sind das Seitenleitwerk des Airbus A380 und der Rumpf der Boeing 787.

Auch Nickel-Basis-Legierungen und Titan-Legierungen, die im Triebwerk beziehungsweise im Fahrwerk zum Einsatz kommen, sind für die Verwertung attraktiv – und das nicht nur für die Luftfahrtindustrie, sondern auch für Automobil- und Windkraftbranche. Entsprechend ist der technisch-wissenschaftliche Austausch bei diesem Symposium branchenübergreifend von Interesse.

Der Einladung der Hochschule Pforzheim zum ersten internationalen Aircraft Recycling Symposium im Dezember 2013 folgten rund 60 Teilnehmer aus zehn Ländern.

Sabine Laartz | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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