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Pharmazeuten treffen sich zur internationalen Konferenz „BioBarriers 2018“ in Saarbrücken

02.08.2018

Weltweit forschen Wissenschaftler daran, Tierversuche durch alternative Methoden zu ersetzen. Pharmazeuten tun dies nicht nur aus Gründen des Tierschutzes, sondern auch, um besser und schneller vorhersagen zu können, wie ein neues Medikament im Patienten wirkt. Vielversprechende Zell- und Gewebemodelle biologischer Barrieren des menschlichen Körpers wie Darm, Lunge oder Haut stehen im Zentrum der Konferenz „BioBarriers“, die vom 27. bis 29. August 2018 auf dem Campus der Universität des Saarlandes stattfindet (Gebäude E2 5, Hörsaal der Mathematik). Zudem geht es um neuartige Technologien für den verbesserten Transport von Wirkstoffen über diese Barrieren.

Mehr als 200 Wissenschaftler aus 25 Ländern werden erwartet. Veranstalter sind die Universität des Saarlandes und das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), ein Standort des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI).


Wissenschaftler entwickeln neuartige Zell- und Gewebemodelle, um den Transport von Wirkstoffen über biologische Barrieren wie die Haut oder Schleimhäute zu erforschen.

Foto: HZI/Thomas Steuer

Bevor neue Medikamente auf den Markt kommen, müssen sie umfangreiche Tests durchlaufen, in denen sie hinsichtlich ihrer Unbedenklichkeit, ihrer Qualität sowie ihrer Wirksamkeit überprüft werden. Teilweise sind dabei auch Tierversuche vorgeschrieben – „was nicht nur unter dem Aspekt des Tierschutzes unbefriedigend ist“, sagt der Professor für Biopharmazie und Pharmazeutische Technologie Claus-Michael Lehr und erläutert: „Die Ergebnisse von Tests mit Tieren sind niemals eins zu eins auf den Menschen übertragbar.“

Lehr, der im Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) die Abteilung „Wirkstoff-Transport“ leitet, forscht mit seinem Team daran, Tierversuche durch Alternativmethoden zu ersetzen, mit denen sich besser und schneller vorhersagen lässt, was im Körper des Patienten geschieht. Daher bauen die Wissenschaftler beispielsweise Lungengewebe oder Darmwände aus menschlichen Zellen nach.

An ihnen lässt sich in kontrollierten Test überprüfen, ob neue Medikamente in der Lage sind, biologische Barrieren des menschlichen Körpers wie die Lunge, den Verdauungstrakt oder die Haut zu überwinden, um an den Ort zu gelangen, an dem sie wirken sollen. Im Vergleich zum Tierversuch haben diese so genannten zell- und gewebebasierten In-vitro-Modelle gleich mehrere Vorteile: „Sie reduzieren die Komplexität, so dass man während des Versuchs im Einzelnen nachverfolgen kann, was an der biologischen Barriere passiert. Und da wir in einem humanen System arbeiten, können wir die gleichen Botenstoffe wie im menschlichen Körper messen“, erläutert Claus-Michael Lehr.

Zudem sei es möglich, auch mit erkranktem Darm- oder Lungengewebe zu arbeiten, um so die Wirksamkeit von Antiinfektiva zu testen. Seine Hypothese: „Hochentwickelte In-vitro-Modelle auf der Basis menschlicher Zellen und Gewebe sind auf lange Sicht für die Wirkung am Menschen prädiktiver als Tierversuche an lebenden Ratten oder Mäusen.“

Bei der zwölften Ausgabe der Konferenz „BioBarriers“ vom 27. bis 29. August in Saarbrücken werden sich über 200 Wissenschaftler aus aller Welt bei Vorträgen und Workshops über die neuesten Forschungserkenntnisse auf dem Gebiet der biologischen Barrieren austauschen.

Als Sprecher konnten 27 internationale Experten gewonnen werden, zudem gibt es mehr als 40 Beiträge von etablierten Forschern und von Nachwuchswissenschaftlern aus 25 Ländern. Während am ersten Konferenztag insbesondere In-vitro-Modelle in der Infektionsforschung sowie nicht-zelluläre Körperbarrieren wie Schleim oder bakterielle Biofilme vorgestellt werden, geht es an den folgenden Tagen vor allem um die Verbesserung des Wirkstofftransports, beispielsweise durch Nanocarrier und andere Technologien, die den Transport durch die Barrieren erleichtern oder erst ermöglichen.

Die internationale Tagung „Biological Barriers“, die von Prof. Claus-Michael Lehr ins Leben gerufen wurde, bringt alle zwei Jahre etwa 200 Fachleute aus der ganzen Welt auf den Saarbrücker Campus. 2018 findet sie zum zwölften Mal statt.
Das Programm ist abrufbar unter:
http://biobarriers.hips-wordpress.helmholtz-hzi.de/?page_id=27

Das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) ist ein Standort des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und wurde im August 2009 vom HZI und der Universität des Saarlandes gegründet. Die Forscher suchen hier insbesondere nach neuen Wirkstoffen gegen Infektionskrankheiten, optimieren diese für die Anwendung am Menschen und erforschen, wie sie am besten durch den Körper zum Wirkort transportiert werden können. Das HIPS gehört zum Standort Hannover-Braunschweig des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF).

Kontakt:
Prof. Dr. Claus-Michael Lehr
Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS)
Leiter der Abteilung Wirkstoff-Transport
Tel.: 0681 98806-1000
E-Mail: claus-michael.lehr@helmholtz-hips.de
https://www.helmholtz-hzi.de/hips

Gerhild Sieber | Universität des Saarlandes

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