Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Erkenntnisse über Entstehung, Ausprägung und Therapie des Tourette-Syndroms

27.09.2012
20. Jahrestagung der Tourette-Gesellschaft Deutschland e.V. vom 12. bis 13. Oktober 2012 in Ulm:

Ungesteuerte Bewegungen wie Kopfwackeln oder Augenzwinkern sind mögliche Symptome des Tourette-Syndroms. Manche Betroffene äußern unkontrolliert Worte oder Geräusche vom Schniefen bis zum Pfeifen oder benutzen Schimpfwörter.

Tourette-Patienten erleben Unverständnis und Ablehnung und entwickeln häufig weitere Krankheitsbilder. Auf der 20. Jahrestagung diskutieren deutsche und internationale Experten neueste Erkenntnisse zu chronischen Tic-Störungen, von denen in Deutschland bis zu 6% der Kinder und Jugendlichen betroffen sein können.

Ausgerichtet wird die Tagung von der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie, die einen Schwerpunkt in der Versorgung von Patienten mit chronischen Tic-Störungen und Tourette-Syndrom hat.

„Als ich klein war, hab ich geglaubt, ich bin das gestörteste Kind auf der ganzen Welt. Niemand wollte mit mir spielen, ich wurde beschimpft und geschlagen.“ So kommentierte eine Mutter, die in einem osteuropäischen Dorf aufgewachsen war, die eigene Erfahrung mit ihrer schwer ausgeprägten Tic-Störung, als sie ihre Kinder in der Ulmer Spezialsprechstunde vorstellte, bei denen bislang nur leichte Zwinker-Tics aufgetreten waren.
Meist entwickelt sich das Tourette-Syndrom über zunächst einfache motorische Tics im Alter von sechs bis acht Jahren. Vorübergehende, meist nur leicht ausgeprägte Tics treten sogar bei bis zu 15% aller Kinder im Grundschulalter auf. Bis zur Diagnosestellung einer chronischen Tic-Störung vergehen auch in Deutschland oft noch mehrere Jahre.

„Die betroffenen Kinder werden häufig gehänselt, manchmal so sehr, dass sie Angststörungen entwickeln. Weitere Krankheitsbilder wie zum Beispiel die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Lernstörungen oder Autismus sind überzufällig oft mit dem Tourette-Syndrom vergesellschaftet“, erläutert Tagungsorganisatorin Prof. Dr. Andrea G. Ludolph, Sektionsleiterin der Institutsambulanz der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie. Diese Begleiterkrankungen sind auch Thema der Tagung.
Die Ursachen des Tourette-Syndroms sind nicht genau geklärt, Heilung kaum möglich – daher ist Forschung unerlässlich. Auf der Jahrestagung berichten zwei der weltweit bekanntesten Tourette-Experten über ihre Forschungen: Professor Mary M. Robertson vom University College London, Großbritannien, beschäftigt sich u.a. mit der Entstehung und dem Verlauf der Erkrankung. Professor James F. Leckmann von der Yale University in New Haven, USA, erforscht den Einfluss genetischer Grundlagen und hirnorganischer Korrelate der Erkrankung.

Im Verlauf der Pubertät kommt es bei ca 90% der Jugendlichen zu einer spontanen Besserung, so dass Erwachsene deutlich seltener vom Tourette-Syndrom betroffen sind. Bei vielen ist die Tic-Symptomatik dann sehr stark ausgeprägt, bei einigen stehen die Beeinträchtigungen durch Begleiterkrankungen im Vordergrund. Auch diesem Thema widmet sich die Tagung.

Weitere Informationen:
Interessierte und Betroffene bekommen bei der Tourette-Gesellschaft Deutschland e.V. weitere Informationen.
Die Internetadresse lautet: www.tourette-gesellschaft.de.

Insbesondere in der vergangenen Jahren hat die Forschung zum Tourette-Syndrom in Europa einen bemerkenswerten Aufschwung genommen. Im Januar 2000 wurde in Kopenhagen die European Society for the study of Tourette-Syndrome gegründet – seit 2008 gibt es regelmäßige Jahrestreffen. Die EU hat drei große Forschungsprojekte zum Tourette-Syndrom finanziert. An zwei Projekten ist die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie federführend beteiligt.

Die 20. Jahrestagung vom 12. bis 13. Oktober richtet sich in erster Linie ans Fachpublikum, ist aber auch für Laien und Betroffene geöffnet. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem angehängten Programm im PDF-Format.

Für Rückfragen steht Ihnen gerne Jörg Portius, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Universitätsklinikum Ulm, unter der Rufnummer 0731-500 43043 zur Verfügung.

Jörg Portius | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-ulm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Analyse internationaler Finanzmärkte
10.12.2019 | Universität Heidelberg

nachricht QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien
04.12.2019 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochgeladenes Ion bahnt den Weg zu neuer Physik

In einer experimentell-theoretischen Gemeinschaftsarbeit hat am Heidelberger MPI für Kernphysik ein internationales Physiker-Team erstmals eine Orbitalkreuzung im hochgeladenen Ion Pr9+ nachgewiesen. Mittels einer Elektronenstrahl-Ionenfalle haben sie optische Spektren aufgenommen und anhand von Atomstrukturrechnungen analysiert. Ein hierfür erwarteter Übergang von nHz-Breite wurde identifiziert und seine Energie mit hoher Präzision bestimmt. Die Theorie sagt für diese „Uhrenlinie“ eine sehr große Empfindlichkeit auf neue Physik und zugleich eine extrem geringe Anfälligkeit gegenüber externen Störungen voraus, was sie zu einem einzigartigen Kandidaten zukünftiger Präzisionsstudien macht.

Laserspektroskopie neutraler Atome und einfach geladener Ionen hat während der vergangenen Jahrzehnte Dank einer Serie technologischer Fortschritte eine...

Im Focus: Highly charged ion paves the way towards new physics

In a joint experimental and theoretical work performed at the Heidelberg Max Planck Institute for Nuclear Physics, an international team of physicists detected for the first time an orbital crossing in the highly charged ion Pr⁹⁺. Optical spectra were recorded employing an electron beam ion trap and analysed with the aid of atomic structure calculations. A proposed nHz-wide transition has been identified and its energy was determined with high precision. Theory predicts a very high sensitivity to new physics and extremely low susceptibility to external perturbations for this “clock line” making it a unique candidate for proposed precision studies.

Laser spectroscopy of neutral atoms and singly charged ions has reached astonishing precision by merit of a chain of technological advances during the past...

Im Focus: Ultrafast stimulated emission microscopy of single nanocrystals in Science

The ability to investigate the dynamics of single particle at the nano-scale and femtosecond level remained an unfathomed dream for years. It was not until the dawn of the 21st century that nanotechnology and femtoscience gradually merged together and the first ultrafast microscopy of individual quantum dots (QDs) and molecules was accomplished.

Ultrafast microscopy studies entirely rely on detecting nanoparticles or single molecules with luminescence techniques, which require efficient emitters to...

Im Focus: Wie Graphen-Nanostrukturen magnetisch werden

Graphen, eine zweidimensionale Struktur aus Kohlenstoff, ist ein Material mit hervorragenden mechanischen, elektronischen und optischen Eigenschaften. Doch für magnetische Anwendungen schien es bislang nicht nutzbar. Forschern der Empa ist es gemeinsam mit internationalen Partnern nun gelungen, ein in den 1970er Jahren vorhergesagtes Molekül zu synthetisieren, welches beweist, dass Graphen-Nanostrukturen in ganz bestimmten Formen magnetische Eigenschaften aufweisen, die künftige spintronische Anwendungen erlauben könnten. Die Ergebnisse sind eben im renommierten Fachmagazin Nature Nanotechnology erschienen.

Graphen-Nanostrukturen (auch Nanographene genannt) können, je nach Form und Ausrichtung der Ränder, ganz unterschiedliche Eigenschaften besitzen - zum Beispiel...

Im Focus: How to induce magnetism in graphene

Graphene, a two-dimensional structure made of carbon, is a material with excellent mechanical, electronic and optical properties. However, it did not seem suitable for magnetic applications. Together with international partners, Empa researchers have now succeeded in synthesizing a unique nanographene predicted in the 1970s, which conclusively demonstrates that carbon in very specific forms has magnetic properties that could permit future spintronic applications. The results have just been published in the renowned journal Nature Nanotechnology.

Depending on the shape and orientation of their edges, graphene nanostructures (also known as nanographenes) can have very different properties – for example,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Analyse internationaler Finanzmärkte

10.12.2019 | Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kein Seemannsgarn: Hochseeschifffahrt soll schadstoffärmer werden

11.12.2019 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Vernetzte Produktion in Echtzeit: Deutsch-schwedisches Testbed geht in die zweite Phase

11.12.2019 | Informationstechnologie

Verbesserte Architekturgläser durch Plasmabehandlung – Reinigung, Vorbehandlung & Haftungssteigerung

11.12.2019 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics