Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Naturkapital in der Klimapolitik nicht vergessen!

12.02.2014
„Naturkapital Deutschland – TEEB DE“ spricht sich für stärkere Einbeziehung der Natur und ihrer Leistungen in die Klimapolitik aus. Die Wissenschaftler präsentieren ihren ersten Fachbericht zu Synergien und Konflikten von Naturkapital und Klimapolitik anlässlich der 4. Jahrestagung des Climate Service Centers (CSC) am 12. und 13. Februar 2014 in Potsdam.

Welchen Beitrag leistet die Natur für Klimaschutz und Klimaanpassung? Setzt die deutsche Klimapolitik an den richtigen Hebeln an? Naturkapital Deutschland – TEEB DE macht durch eine ökonomische Perspektive die Potenziale und Leistungen der Natur sichtbar und erfassbar. In seinem ersten Bericht „Naturkapital und Klimapolitik: Synergien und Konflikte“ unterstreicht das TEEB DE-Team nun die wichtigen Leistungen der Natur für Klimaschutz und Klimaanpassung.

„Wir können volkswirtschaftlich viel Geld sparen, wenn wir das Naturkapital stärker in die Klimapolitik einbeziehen“, betont der Leiter der deutschen TEEB-Studie, Prof. Dr. Bernd Hansjürgens vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). So wäre z.B. die Wiedervernässung landwirtschaftlich genutzter Moorböden eine besonders kostengünstige Klimaschutzmaßnahme. Diese verursachen mit zirka 41 Mio. t CO2-Äq. etwa 4,3 % der jährlichen deutschen Brutto-Gesamtemissionen an CO2 – und das auf nur rund 8 % der landwirtschaftlichen Flächen.

„Wenn wir zum Beispiel 300.000 ha Moorböden in Deutschland wiedervernässen würden, ließen sich volkswirtschaftliche Schäden von 217 Mio. Euro pro Jahr vermeiden“, so Hansjürgens. Wiedervernässte Moorböden bilden Lebensräume für stark gefährdete, natürliche Lebensgemeinschaften, können aber auch mit angepassten land- und forstwirtschaftlichen Techniken klimafreundlich genutzt werden.

Prof. Dr. Volkmar Hartje, Leiter des Klimaberichts an der Technischen Universität Berlin, weist darauf hin, dass „die derzeitige Klimaschutz- und Energiepolitik in Deutschland die Synergien zwischen dem Klimaschutz und der Erhaltung biologischer Vielfalt nicht im Blick hat. Stattdessen wirkt sie sich mitunter negativ auf die Natur- und Ökosystemleistungen aus – und übersieht die vielen Potenziale naturnaher Lösungen. Das Gleiche gilt für die Klimaanpassung: Unsere Berechnungen für ein Auen-Renaturierungsprogramm an der Elbe konnten beispielsweise einen volkswirtschaftlichen Nutzen von 1,2 Mrd. Euro und ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 3:1 zeigen.“

Neben der Moorerhaltung und der Wiedervernässung von Moorböden oder dem Auenschutz nennt der Bericht viele weitere Beispiele und Handlungsalternativen für eine ökosystembasierte Klimapolitik. „Das macht den Bericht zu einem wichtigen Impulsgeber der zukünftigen Klimapolitik in Deutschland“, ist sich Prof. Dr. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin sicher. Zusammen mit Prof. Dr. Guy Brasseur, Direktor des Climate Service Center (CSC), wird sie im Rahmen der öffentlichen Präsentation des Berichtes die Möglichkeiten einer ökosystembasierten Klimapolitik in Deutschland erörtern.

„Wenn wir es mit unseren Klimazielen ernst meinen, dann müssen wir vor allem die Nutzung kohlenstoffreicher Böden überdenken und dabei auch die durch das EEG ausgelösten Anreize in den Blick nehmen. Durch die Einrichtung eines speziellen Klimafonds könnten zudem innovative Lösungen vorangebracht werden, damit wir das tun, was wirklich nötig ist: Kostengünstig Klimaschutz und Klimaanpassung betreiben und vorhandene Synergien mit der Erhaltung der biologischen Vielfalt nutzen“, so Bernd Hansjürgens abschließend.

Hintergrund
Naturkapital Deutschland – TEEB DE ist die deutsche Nachfolgestudie der internationalen TEEB-Studie (TEEB steht für: The Economics of Ecosystems and Biodiversity – Die Ökonomie der Ökosysteme und der biologischen Vielfalt), die den Zusammenhang zwischen den Leistungen der Natur, der Wertschöpfung der Wirtschaft und dem menschlichen Wohlergehen zum Thema hat. Naturkapital Deutschland – TEEB DE will durch eine ökonomische Perspektive die Potenziale und Leistungen der Natur konkreter erfassbar und sichtbarer machen.

Mit der ökonomischen Abschätzung des Naturkapitals sollen die Leistungen der Natur besser in private und öffentliche Entscheidungsprozesse einbezogen werden können, damit langfristig die natürlichen Lebensgrundlagen und die biologische Vielfalt erhalten werden. Dabei wird auf internationale wie auch in Deutschland bestehende Ansätze und Instrumente zurückgegriffen. Letztlich dient das Projekt auch zur Flankierung der Umsetzung von Umwelt-, Nachhaltigkeits- und Naturschutzzielen und -strategien, insbesondere der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und das Bundesamt für Naturschutz finanzieren das Projekt. Die Studienleitung liegt am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Studienleiter ist Prof. Dr. Bernd Hansjürgens.

Im Zentrum von „Naturkapital Deutschland – TEEB DE“ stehen vier thematische Berichte, die von Wissenschaftler-Teams sowie weiteren Experten erstellt werden. Basis der vier Hauptberichte sind vorliegende Studien, Konzepte und Fallbeispiele, welche die Leistungen der Natur in Deutschland für den Menschen deutlich machen. Die Berichte behandeln folgende Themen:

1) Naturkapital und Klimapolitik – Synergien und Konflikte
2) Ökosystemleistungen in ländlichen Räumen – Erfassung und Inwertsetzung
3) Ökosystemleistungen in der Stadt – Gesundheit schützen und
Lebensqualität erhöhen
4) Naturkapital Deutschland – Neue Handlungsmöglichkeiten ergreifen
Neben der jetzt vorgelegten Kurzfassung des „Klimaberichts“ sind bereits eine Einführungsbroschüre und eine Broschüre für Unternehmen erhältlich:
• Der Wert der Natur für Wirtschaft und Gesellschaft – Eine Einführung
• Die Unternehmensperspektive – Auf neue Herausforderungen vorbereitet sein
Alle Berichte sind als Download auf der Projektwebseite verfügbar (www.naturkapital-teeb.de).

Naturkapital Deutschland – TEEB DE wird von einem Projektbeirat begleitet, dessen Mitglieder das Vorhaben fachlich beraten. Diesem Gremium gehören Persönlichkeiten aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft und Medien an. Zudem gibt es eine Projektbegleitende Arbeitsgruppe, die der Information, Vernetzung und Einbindung von gesellschaftlichen Interessengruppen in das Projekt dient. Hierbei sind Umweltverbände, Wirtschaftsverbände, Bundesressorts, Bundesländer und Kommunen beteiligt.

Die jetzt vorgelegte Veröffentlichung „Naturkapital und Klimapolitik – Synergien und Konflikte: Kurzbericht für Entscheidungsträger“ gibt eine Auswahl der wichtigsten Ergebnisse des ersten Berichts zu Naturkapital und Klimapolitik wieder, der unter Leitung von Professor Dr. Volkmar Hartje, Technische Universität Berlin, erstellt wird.

Weitere Informationen: www.naturkapital-teeb.de

Ansprechpartner am UFZ:
Urs Moesenfechtel
Pressereferent im Projekt Naturkapital Deutschland – TEEB DE am
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Department Ökonomie
Telefon: 0341-235-1680
http://www.ufz.de/index.php?de=30710
und
Tilo Arnhold, Susanne Hufe (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635, -1630
http://www.ufz.de/index.php?de=640
Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg mehr als 1.100 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 35.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Tilo Arnhold | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.naturkapital-teeb.de
http://www.helmholtz.de/
http://www.ufz.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Innovation – the name of the game
18.07.2018 | Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH)

nachricht Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht
17.07.2018 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

18.07.2018 | Physik Astronomie

Schonend, schnell und präzise: Innovative Herz-Bildgebung in Freiburg

18.07.2018 | Medizintechnik

Chemische Waffe durch laterale Gen-Übertragung schützt Wollkäfer gegen schädliche Pilze

18.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics