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Nachhaltige Kunststoffe fürs Auto

17.03.2010
Trends zur besseren Ökobilanz: innovative Technologien, Biopolymere, nachhaltige Produktion, Kunststoffrecycling

Kunststoffe können bedeutend zu einer besseren Ökobilanz von Automobilen beitragen. Darin waren sich die Experten einig, die sich heute in einem Pressegespräch auf dem VDI-Kongress "Kunststoffe im Automobilbau" zum Thema Nachhaltigkeit austauschten.

"Im modernen Automobilbau hat heute das Thema Nachhaltigkeit mit den Ausprägungen Ökonomie, Ökologie und Soziales eine ganz zentrale Bedeutung", betonte Prof. Dr. Rudolf C. Stauber, Tagungsleiter, Vorsitzender des VDI-Fachbereichs Kunststofftechnik und Leiter Betriebsfestigkeit und Werkstoffe bei der BMW Group. Dabei stehe unter ökologischen Gesichtspunkten der automobiltechnische Leichtbau besonders im Vordergrund: "Er ermöglicht es, die heute weltweit geltenden Verbrauchszielsetzungen bestmöglich zu erfüllen."

Dr. Peter Orth, Hauptgeschäftsführer von PlasticsEurope Deutschland e.V., pflichtete ihm bei: "Kunststoff ist der Werkstoff der Energieeffizienz." Eine Vielzahl von Teilen eines hochwertigen Fahrzeugs sei heute aus Polymeren gefertigt. Ein moderner, um 100 kg leichterer Pkw verbrauche je nach Fahrzeugkonzept bis zu 0,2 Liter weniger Sprit auf 100 km mit entsprechend weniger CO2-Ausstoß.

Kunststoffmaschinenbau und Biopolymere

Der Komplex Leichtbau wird die Zukunft auch im Bereich des Kunststoffmaschinenbaus prägen, wie Dr. Hans Wobbe, Geschäftsführer der Engel GmbH, erläuterte. "Im Fokus stehen die tragenden Strukturen des Automobils, die es durch Hybridbaugruppen oder Faserverbundkunststoff (FVK)-Konstruktionen zu ersetzten gilt. Die kurz- bis mittelfristige Perspektive sehen wir hier im Einsatz der IHU-Technologie (Innen Hochdruck Umformen) in Kombination mit dem Spritzguss. Langfristig sehen wir komplette tragende Konstruktionen basierend auf FVK." Wobbe betonte darüber hinaus, dass der Einsatz von Biopolymeren für den Maschinenbauer zu keinen signifikanten Entwicklungsanstrengungen führen würde, da die Eigenschaften weitgehend dieselben seien wie bei klassischen Polymeren.

Die Vorteile für die Integration von Biopolymeren im Automobilbau zeigte Dr. Ralph Greiner, Projektleiter nachwachsende Rohstoffe bei Daimler, auf: "Das Polyamid �6.10� basiert zu mehr als 60 % auf dem nachwachsenden Rohstoff Sebazinsäure, der aus dem Öl der Rizinuspflanze gewonnen wird. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass Biopolyamide oftmals sogar noch bessere Materialeigenschaften aufweisen, als bisher verwendete Kunststoffe." Einem Entwicklerteam unter der Leitung von Daimler-Ingenieuren sei es gelungen, ein serientaugliches Luftfiltersystem aus leistungsfähigen Bio-Kunststoffen zu entwickeln, die teilweise oder sogar vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden können.

Recycling

Abschließend berichtete Dipl.-Chem. Ulrike Steigemann von den Anforderungen und Technologien im Bereich des Kunststoffrecyclings. "Recycling von Kunststoffabfällen ermöglicht die Wiederverwendung von Thermoplasten. Um maximale Wertschöpfung zu erzielen, sollte im ersten Schritt immer ein möglichst hochwertiger Einsatz der Rezyklate erfolgen", betonte sie. Im Fahrzeuginnenraum würden heute viele Bauteile eingesetzt, bei deren Produktion systematisch mehrschichtige Stanz- und Fräsabfälle anfallen. Drei-Schicht-Verbunde bestünden z.B. aus ca. 50 % thermoplastischem Träger, 25 % Polyurethan-Halbhartschaum und 25 % Haut. "Die Technologie der Verbundtrennung ermöglicht, aus derartigen Abfällen die thermoplastischen Trägermaterialien in hoher Reinheit zu generieren, damit diese wieder anteilig zu Originalware für neue Serienbauteile eingesetzt werden können. Aus derartigen Verbunden werden bis zu 75 % werkstofflich verwendet." Allein das Verfahren der Verbundtrennung von Produktionsabfällen vermeide aktuell ca. 20.000 t CO2-Emissionen pro Jahr.

Zum diesjährigen Kongress sind 1.100 Teilnehmer nach Mannheim gekommen. 90 Aussteller begleiten die Veranstaltung und zeigen neue Trends und Entwicklungen. Im Autosalon sind 18 aktuelle Fahrzeuge ausgestellt, die teilweise noch nicht in Serie gegangen sind. Erstmals gibt es zudem eine Sonderausstellung "Simulation in der Kunststoffindustrie" sowie eine Posterausstellung, die Möglichkeiten für die Kunststoffindustrie bei Elektroautos zeigt.

Der nächste Kongress "Kunststoffe im Automobilbau" findet am 6. und 7. April 2011 in Mannheim statt.

Mehr Informationen unter www.kunststoffe-im-auto.de oder über das VDI Wissensforum Kundenzentrum, Postfach 10 11 39, 40002 Düsseldorf, E-Mail: wissensforum@vdi.de, Telefon: +49 (0) 211 62 14-2 01, Telefax: -1 54.

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Der VDI als Sprecher der Ingenieure ist mit rund 139.000 Mitgliedern der größte technische Verein Deutschlands. Als unabhängige, gemeinnützige Organisation verbindet er Gesellschaft, Technik und Wissenschaft miteinander. Er ist der zentrale Ansprechpartner in technischen, beruflichen und politischen Fragen rund um den Ingenieurberuf.

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Das VDI Wissensforum mit Sitz in Düsseldorf ist seit mehr als 50 Jahren einer der führenden Weiterbildungsspezialisten für Ingenieure sowie für Fach- und Führungskräfte im technischen Umfeld. Die fast 1.000 Veranstaltungen im Jahr decken alle relevanten Branchen ab. Das Angebot reicht von Seminaren und Technikforen über modulare Lehrgänge mit abschließender Zertifizierung bis zu Fachtagungen und Kongressen. Dabei gewähren permanente Marktrecherche, ein großes Expertennetzwerk und das ausgeprägte Know-how des VDI die hohe Qualität der Veranstaltungen.

Nora Kraft | VDI
Weitere Informationen:
http://www.kunststoffe-im-auto.de
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