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Landnutzung im Zeichen des Klimawandels

30.09.2008
Hochkarätige deutsch-amerikanische Wissenschaftlerkonferenz in Berlin widmet sich weitgehend unerforschten Zielkonflikten

Die künftige Nutzung der weltweiten Landoberflächen und ihrer natürlichen Ressourcen im Zeichen des Klimawandels - das ist das Thema einer hochkarätigen deutsch-amerikanischen Wissenschaftlerkonferenz, die die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die National Science Foundation (NSF) in dieser Woche in Berlin veranstalten.

Zu dem Treffen mit dem Titel "Tough Choices - Land Use under a Changing Climate" kommen am Donnerstag und Freitag, dem 2. und 3. Oktober, mehr als 80 Forscherinnen und Forscher verschiedenster Disziplinen aus den USA und Deutschland zusammen. In Vorträgen, Fallstudien und Workshops wollen die Fachvertreter aus den Geo- und Agrarwissenschaften, aus Klima- und Wasserforschung sowie aus den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften erste Forschungsergebnisse diskutieren und die Möglichkeiten gemeinsamer Forschungsprojekte ausloten - zu einem Thema, das ebenso weitreichend wie bislang wenig erforscht ist.

Zwischen Landnutzung und Klimawandel besteht ein doppelter Zusammenhang, der den Ausgangspunkt der Berliner Konferenz darstellt: Zum einen trägt die weltweit zunehmende Nutzung der Landoberfläche durch den Abbau natürlicher Ressourcen und die Freisetzung von Treibhausgasen nicht unerheblich zum Klimawandel bei. Zum anderen wird die Landoberfläche mitsamt ihren Ressourcen durch die Erderwärmung und andere Phänomene des Klimawandels immer stärker in Mitleidenschaft gezogen. Diese sich gegenseitig verschärfenden Entwicklungen haben dazu geführt, dass sich die Landoberfläche weltweit in den vergangenen Jahren deutlich verringert hat.

Die Frage nach der Nutzung von Land und natürlichen Ressourcen unter diesen Bedingungen bringt eine Reihe von Interessens- und Zielkonflikten mit sich, auf die der Titel der Tagung - "Tough Choices" - verweist: Soll die Landnutzung vornehmlich der Produktion von Nahrungsmitteln dienen oder der Herstellung von Treibstoffen und anderen energetischen Stoffen? Oder hat die Aufrechterhaltung der Biodiversität und des ökologischen Gleichgewichts Vorrang vor beidem?

"Die Beantwortung dieser Fragen ist von allergrößtem wissenschaftlichem, ökologischem, ökonomischem und gesellschaftlichem Interesse", betont DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner, der die Berliner Tagung am Donnerstag gemeinsam mit dem Parlamentarischen Staatssekretär im BMBF, Thomas Rachel, und dem Assistant Director Social, Behavioral, & Economic Sciences der National Science Foundation , Dr. David Lightfoot, eröffnen wird. Wie tiefgreifend die Zielkonflikte seien, habe sich erst in den vergangenen Monaten mit der Diskussion um "Biosprit" und dessen Auswirkungen auf die weltweite Ernährungssituation und die Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen gezeigt.

Anders als etwa bei den Berechnungen und Modellierungen zu Entwicklung und Verlauf des Klimawandels steht die Forschung zu Landnutzung und Klimawandel noch am Anfang: "Wir beginnen gerade erst zu verstehen, wie sehr sich beides bedingt und wie tief es in unser aller Leben eindringt", so Kleiner. Für die DFG als Deutschlands größte Forschungsförderorganisation sei dies deshalb auch ein ideales Thema, um die wissenschaftlichen Kooperationen zwischen deutschen und amerikanischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auszubauen. Besondere Hoffnungen setzen DFG, BMBF und NSF dabei auf den wissenschaftlichen Nachwuchs; an der Berliner Tagung nehmen denn auch rund 30 besonders qualifizierte Nachwuchsforscherinnen und -forscher aus beiden Ländern teil.

Aus den Diskussionen erster Forschungsergebnisse auf der Berliner Konferenz und den dort verabredeten Forschungsprojekten sollen neben gesicherteren wissenschaftlichen Erkenntnissen auch Handlungsoptionen für die Politik und andere Entscheidungsträger erwachsen. "Damit nimmt die Wissenschaft ihre Verantwortung zur Bewältigung globaler Zukunftsfragen wahr", unterstreicht DFG-Präsident Kleiner.

Die deutsch-amerikanische Konferenz geht auf gemeinsame Gespräche von Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan und Professor Kleiner im vergangenen Jahr in Washington zurück. Vorbereitet wurde das zweitägige Treffen von einem hochrangigen Steering Committee unter der Leitung der Professoren Wolfram Mauser (Ludwig-Maximilians-Universität München) auf deutscher Seite und Dan Brown (University of Michigan) auf amerikanischer Seite. In Deutschland wollen die DFG und das BMBF ihre Förderaktivitäten auf diesem Gebiet gemeinsam weiter ausbauen.

Weitere Informationen

Medienvertreter sind zu der Konferenz herzlich eingeladen. Ansprechpartner für Fragen zum Programm und zum Konferenzthema allgemein ist bei der DFG Dr. Johannes Karte, Gruppe Physik, Mathematik, Geowissenschaften, Tel.: +49 228 885-2319, E-Mail: Johannes.Karte@dfg.de.

Auskünfte zur Zusammenarbeit zwischen DFG und NSF und weiteren deutsch-amerikanischen Forschungskooperationen erteilt Dr. Aglaja Frodl, Gruppe Internationale Zusammenarbeit, Tel.: +49 228 885-2388, E-Mail: Aglaja.Frodl@dfg.de

Dr. Eva-Maria Streier | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de

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