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Lässt sich Wirtschaftsethik in Normen pressen?

11.03.2011
Das Deutsche Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE) will auf seiner Jahrestagung am 8. und 9. April in der NORDAKADEMIE Elmshorn der Frage nachgehen, ob sich Unternehmensführung auf ethische Standards stützen sollte“

Wirtschaftliches Handeln nach ethischen Standards: Wege aus dem programmierten moralischen Dilemma im knallharten Wettbewerb hat sich das Deutsche Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE) auf die Fahnen geschrieben.

Seine Jahrestagung von Freitag, 8. April, bis Samstag, 9. April, in der NORDAKADEMIE Elmshorn macht Wirtschaftsethik und ihren Nutzen zum Thema: „Vertrauen in Vergleichbarkeit? (Inter)nationale Standards ethischer Unternehmensführung“. Das DNWE-Regionalforum Nord lädt ein zu Workshops sowie Podien mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verbänden ein.

Ethik in der Wirtschaft – das wirft zunächst Fragen auf. Lässt sich Ethik in Standards pressen, in kontrollierbare Normen? Oder entspringt Wirtschaftsethik nur gutmenschlichen Traumkonstrukten? Dagegen mögen jahrhundertealte Anstrengungen sprechen – das hanseatische Kaufmannsethos etwa und internationale Standards wie der Globale Wirtschaftsethos, die Lösungen vermitteln wollen vor der Kulisse global vernetzter Unternehmen, Menschen und Dienstleistungen. Dies ein Schwerpunkt gleich zu Tagungsbeginn an der Elmshorner Hochschule der Wirtschaft.

Im Einzelnen: Wie funktioniert Standardisierung? Unternehmensethikerin Dr. Annette Kleinfeld moderiert die gleichnamige Diskussion – als beispielhafte Norm gerät in Elmshorn ISO 26.000 in den Blick, deren Entwicklung Kleinfeld begleitet hat. Erstmals definiert eine weltweit gültige Norm die gesellschaftliche Verantwortung von Organisationen in der Privatwirtschaft, im öffentlichen sowie im gemeinnützigen Sektor – in sozialer, ökologischer und ökonomischer Hinsicht. Mit der Norm „Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung“ hat die internationale Normungsorganisation ISO im November 2010 unternehmerisches Engagement im Sinne der Corporate Social Responsibility in klare Regeln gegossen. An diesem Standard haben 450 Experten aus 90 Ländern mitgewirkt. Eine Menge unverbindlich klingender Leitlinien.

Klar ist aber: „Die legitimen Ansprüche der Stakeholder“, so Kleinfeld, sollen berücksichtigt werden, Ansprüche etwa von Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten.

Dieser freiwillige, nicht zertifizierbare Leitfaden soll nicht nur bei international operierenden Industriekonzernen Interesse wecken, sondern auch bei mittelständischen Firmen, gemeinnützigen Vereinen sowie Nichtregierungsorganisationen. Die Logik der Wirtschaftsethik: Der gesellschaftliche Einsatz eines Unternehmens gilt als Gradmesser seines Erfolgs. Die ISO-Rechnung: Gesellschaftliche Verantwortung verhilft zu motivierteren Mitarbeitern, weniger Korruption, besserer Produktion. Die Idee: Unternehmer-Risiko wird jetzt gemanagt. Mehr Ethik, mehr Gewinn für alle?

Eine ernüchternde Bilanz zog bereits Professor Dr. Volker Ahrens, Mitglied des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik, der die NORDAKADEMIE bei der Jahrestagung vertritt. Ahrens, Leiter des Fachbereichs Wirtschaftsingenieurwesen, hat den Deutschen Corporate-Governance-Kodex (DCGK) unter die Lupe genommen. Eine Form freiwilliger Selbstregulierung mit gut gemeinter Präambel, die eine „Verpflichtung von Vorstand und Aufsichtsrat“ beschreibt, „im Einklang mit den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft für den Bestand des Unternehmens und seine nachhaltige Werteschöpfung zu sorgen“. Dieses System zur Führung und Kontrolle börsennotierter Gesellschaften soll nicht nur dem Interesse von Aktionären huldigen und einem höheren Shareholder Value nutzen. „Manche versprachen sich eine stärkere Verankerung moralischer Standards in Unternehmen“, so Ahrens. Sein Urteil über den Kodex: „Auch in ethischer Hinsicht keine Wirkung erkennbar.“ Anspruch verfehlt. Die Kette seiner Negativ-Beispiele: Korruptionsaffäre bei Siemens 2006, Telekom-Abhöraffäre 2008, die aktuelle Finanzmarkt-Krise.

Die Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik will Ideen liefern zu Nutzen und Einfluss von Standards. Sollten Unternehmen also Vertrauen setzen in Normen, die ihren freiwilligen Einsatz für die Gesellschaft nicht nur messbar, sondern auch überprüfbar machen? Das Bedürfnis jedenfalls liegt auf der Hand. „Stärker als je zuvor“, urteilt Kleinfeld, „ist die deutsche Öffentlichkeit daran interessiert zu erfahren, wie führende Unternehmen in Deutschland ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen“.

Kristina Sommer | idw
Weitere Informationen:
http://www.nordakademie.de

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