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Knorpelersatz kann Gelenkbeschwerden im Knie häufig lindern

13.11.2015

Wenn die Knorpelschicht, die für eine reibungsfreie Bewegung im Kniegelenk sorgt, beschädigt ist, können Orthopäden heute gleich auf mehrfache Weise helfen. Ein Experte stellt auf der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2015, die vom 16. bis 19. November in Düsseldorf stattfindet, die aktuellen Therapiemöglichkeiten vor, nennt aber auch Grenzen der Behandlung.

Der Gelenkknorpel ist ein empfindliches Gewebe, das leicht beschädigt werden kann. „Bei Kniespiegelungen finden wir bei zwei von drei Patienten mindestens eine Läsion“, berichtet Privatdozent Dr. Justus Gille, Oberarzt an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein: „Bei jedem fünften Patienten sind die Defekte so tief, dass der Knochen zu sehen ist.“

Früher galten Beschädigungen am Gelenkknorpel als nicht reparierbar, weil das Knorpelgewebe nur eine sehr begrenzte Fähigkeit hat, sich selbst zu erneuern. Im Verlauf wurden jedoch gleich mehrere Behandlungsverfahren entwickelt. PD Dr. Gille teilt sie in zwei Gruppen: Bei der ersten wird versucht, die Selbsterneuerung durch Anfrischen des Knorpeldefektes anzuregen. Bei der zweiten Gruppe werden Knorpelstücke von gesunden, wenig benutzten Abschnitten entweder direkt verpflanzt oder entnommene Knorpelzellen im Labor vermehrt und dann in einer zweiten Operation implantiert.

„Eine Auffüllung des Defektes mit Knorpelersatzgewebe kann durch die Stimulation des Knochenmarks unterhalb des Knorpeldefekts erreicht werden“, erklärt PD Dr. Gille. Der Orthopäde und Unfallchirurg entfernt zunächst die geschädigten Knorpelanteile.

Danach gibt es zwei Verfahren. Entweder sticht der Operateur mit einer speziellen Ahle an mehreren Stellen durch die Knochenschicht bis ins Knochenmark. Dies wird als Mikrofrakturierung bezeichnet. Alternativ kann der Arzt auch mehrere Löcher in den Knochen bohren. Beide Male kommt es zu einer Blutung. „In dem Knorpeldefekt bildet sich ein Gerinnsel, das neben roten Blutzellen auch Stammzellen enthält“, so der Experte: „Diese Stammzellen bilden dann einen Ersatzknorpel.“

Das neue Gewebe erreiche jedoch nicht die Qualität des ursprünglichen Gelenkknorpels, berichtet PD Dr. Gille. Deshalb wurde nach einer Optimierung dieser Verfahren gesucht, die nun als innovative Verfahren zur Verfügung stehen. Hierbei wird durch ein zusätzliches Einbringen einer Matrix in den Defekt die Qualität des Ersatzknorpels verbessert. Eine weitere Möglichkeit ist eine Transplantation.

„Der Gelenkknorpel überdeckt nicht nur die Regionen, in denen die Knochen miteinander in Kontakt treten“, sagt Dr. Gille: „Menschen verfügen über Reserven an nicht belasteten Stellen. Diese können für eine Transplantation genutzt werden“. Auch hier gibt es mehrere Verfahren.

Bei der Knorpel-Knochentransplantation werden kleine Zylinder aus den gesunden unbelasteten Bereichen herausgestanzt, um sie dann in den Knorpeldefekten einzupflanzen. Dieses Verfahren wird auch als Mosaikplastik bezeichnet. Sie kann bei einer einzelnen Kniespiegelung durchgeführt werden. Bei der zweiten Methode, der autotologen Chondrozytentransplantation sind zwei Eingriffe erforderlich.

Im ersten Eingriff wird während einer Kniespiegelung gesundes Knorpelgewebe entfernt. Im Labor werden dann die lebenden Zellen (Chondrozyten) aus dem Knorpel isoliert und in Zellkulturen vermehrt. In einem zweiten Eingriff werden die angezüchteten Zellen in den Knorpeldefekt implantiert, wo diese dann einwachsen.

Welche Methode die besten Ergebnisse liefert, ist laut Dr. Gille derzeit nicht bekannt. „Die bisherigen Studien haben gezeigt, dass viele Verfahren zur Knorpeldefektbehandlung in den ersten Jahren gute Ergebnisse liefern“, berichtet der Experte. Langzeitvergleiche lägen aber noch nicht für alle Verfahren vor. Klar sei auch, dass die Knorpelersatztherapie nicht für alle Patienten geeignet ist.

„Die besten Ergebnisse werden bei jüngeren Menschen mit kleineren Knorpeldefekten erzielt. Wenn es bei älteren Menschen zu ausgedehnten Verschleißerscheinungen gekommen ist, ist es für die Knorpelersatztherapie in der Regel zu spät“, resümiert der Referent der Düsseldorfer MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2015. Am Thementag Chirurgie und neue operative Techniken am 16. November 2015 geht es dort um Technische Verfahren zur Behandlung von Defekten an Knorpel und Knochen.


Terminhinweis:
Im Rahmen der MEDICA EDUCATION CONFERENCE finden täglich, am 16., 17., 18. und 19. November, jeweils von 12.00 Uhr bis 13.00 Uhr, Pressekonferenzen der DGIM statt.

Pressekonferenz der DGIM zur MEDICA EDUCATION CONFERENCE „Chirurgie und neue operative Techniken“
Termin: 16. November 2015, 12.00 bis 13.00 Uhr
Ort: Messe Düsseldorf, Stockumer Kirchstraße 61, 40474 Düsseldorf, Congress Center Düsseldorf (CCD Süd), Raum 5, 1. OG

Themen/Referenten:
interdisziplinär – innovativ – international: Themenschwerpunkte und Konzept der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2015
Professor Dr. med. Dr. h.c. Hendrik Lehnert
Konferenzpräsident der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2015, Präsident der Universität zu Lübeck

Transkatheterklappen – neue Klappentypen
Prof. Dr. Hüseyin Ince, Direktor der Klinik für Kardiologie, Allgemeine Innere Medizin und konservative Intensivmedizin, Vivantes Klinikum im Friedrichshain, Berlin

Knorpelersatztherapie – Möglichkeiten und Grenzen
PD Dr. Justus Gille, Oberarzt an der Klinik für Unfallchirurgie, Traumatologie und Sporttraumatologie am Universitätsklinikum Schleswig Holstein, Campus Lübeck

Therapieoptionen bei Gelenkinfektionen – mit/ohne Endoprothese
Dr. Ulf-Joachim Gerlach, Leitender Arzt der Abteilung für Septische Unfallchirurgie und Orthopädie, Berufsgenossenschaftliches Unfallkrankenhaus Hamburg

Roboterassistierte Verfahren in der Leberchirurgie
Prof. Dr. Roland Croner, Geschäftsführender Oberarzt der Chirurgischen Klinik, Sprecher des Leberzentrums, Universitätsklinikum Erlangen

Moderation: Anne-Katrin Döbler, DGIM-Pressestelle, Stuttgart


Pressekonferenz der DGIM zur MEDICA EDUCATION CONFERENCE „Bildgebung, Endoskopie und Interventionen“
Termin: 17. November 2015, 12.00 bis 13.00 Uhr
Ort: Messe Düsseldorf, Stockumer Kirchstraße 61, 40474 Düsseldorf, Congress Center Düsseldorf (CCD Süd), Raum 5, 1. OG

Themen/Referenten:
Fehler erkennen, Erfolg und Nutzen für den Patienten maximieren – Klinische Beispiele in der Anwendung von Medizinprodukten
Professor Dr. med. Christiane Bayerl, Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Dr. Horst Schmidt Kliniken, Wiesbaden

Interventionelle Therapie des Schlaganfalls – How do I do it?
Prof. Dr. Werner Weber, Direktor des Instituts für Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin, Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum

Frühdiagnose der rheumatoiden Arthritis – MRT
Prof. Dr. Benedikt Ostendorf, Oberarzt der Polyklinik für Rheumatologie und
Leiter der Arbeitsgruppe Bildgebung in der Rheumatologie, Universitätsklinik Düsseldorf

Neue Dimensionen kardialer Bildgebung
Prof. Dr. Matthias Gutberlet, Vorsitzender der AG Herz- und Gefäßdiagnstik der Deutschen Röntgengesellschaft, Leiter der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Universität Leipzig – Herzzentrum Leipzig

Bildfusion und 3D-Imaging: Bildfusion am Beispiel der Leber
Prof. Ernst-Michael Jung, Oberarzt am Institut für Röntgendiagnostik, Leiter des Ultraschallzentrums, Universitätsklinikum Regensburg

Moderation: Anne-Katrin Döbler, DGIM-Pressestelle, Stuttgart


Pressekonferenz der DGIM zur MEDICA EDUCATION CONFERENCE „Geriatrie, Palliativ- und Ernährungsmedizin“
Termin: 18. November 2015, 12.00 bis 13.00 Uhr
Ort: Messe Düsseldorf, Stockumer Kirchstraße 61, 40474 Düsseldorf, Congress Center Düsseldorf (CCD Süd), Raum 5, 1. OG

Themen/Referenten:
Ernährungsmedizin – aktuelle Aspekte: Gluten or not gluten?
Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Bereichsleiterin Klinische und Experimentelle Ernährungsmedizin, Fachärztin für Innere Medizin an der Medizinischen Klinik I, Universitätsklinikum Erlangen

Ernährungsmedizin im Alter – Ethische Herausforderung am Lebensende
Professor Dr. Cornel Sieber, Leiter des Instituts für Biomedizin des Alterns der Universität Erlangen-Nürnberg, Nürnberg

Früherkennung und Behandlung der Demenz
PD Dr. Judith Alferink, Oberärztin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Münster

Gerontotechnologie – Status quo und Zukunftsperspektiven
PD Dr. Jürgen Bauer, Klinikdirektor der Universitätsklinik für Geriatrie Oldenburg

Moderation: Anne-Katrin Döbler, DGIM-Pressestelle, Stuttgart

Pressekonferenz der DGIM zur MEDICA EDUCATION CONFERENCE „Infektiologie, Entzündung und Labormedizin“
Termin: 19. November 2015, 12.00 bis 13.00 Uhr
Ort: Messe Düsseldorf, Stockumer Kirchstraße 61, 40474 Düsseldorf, Congress Center Düsseldorf (CCD Süd), Raum 5, 1. OG

Themen/Referenten:

MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2015: Eine erste Bilanz und Ausblick
Professor Dr. med. Dr. h.c. Hendrik Lehnert,
Konferenzpräsident der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2015, Präsident der Universität zu Lübeck

Infektionsrisiken durch Ultraschallsonden – ein unterschätztes Problem
Dr. med. univ. Sebastian Werner, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, Geschäftsführer des akkreditierten Prüflabors für Medizinproduktesicherheit HygCen Germany GmbH, Schwerin

Multiresistenz bei gramnegativen Bakterien – was ist wichtig?
Professor Dr. med. Mariam Klouche, Fachärztin für Laboratoriumsmedizin, Geschäftsführerin und Ärztliche Leiterin Transfusionsmedizin, Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie am Laborzentrum Bremen

Sinnvolle Labordiagnostik
Prof. Dr. Jan Kramer, Ärztliche Leitung und Geschäftsführung LADR GmbH, Geschäftsführung ISG Intermed Service GmbH & Co. KG, Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Innere Medizin, Hämostaseologie, Geesthacht

S3-Leitlinie – Screening und Diagnose alkoholbezogener Störungen
Prof. Friedrich Wurst, Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg,
Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburg

Moderation: Anne-Katrin Döbler, DGIM-Pressestelle, Stuttgart


Ihr Kontakt für Rückfragen:
Pressestelle DGIM/MEDICA EDUCATION CONFERENCE
Anne-Katrin Döbler/Stephanie Priester
Postfach 30 1 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-605
Telefax: 0711 8931-167
E-Mail:priester@medizinkommunikation.org

Medizin - Kommunikation | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
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