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Großer Kongress in Kiel: Paradigmenwechsel bei der Behandlung von Parkinson-Patienten

08.03.2011
In den nächsten 30 Jahren wird sich die Anzahl der Parkinson-Patienten in Deutschland auf rund eine halbe Million verdoppeln.

Wie dieser Patientenwelle mit besseren Diagnosemethoden und Therapien zu begegnen ist, darüber diskutieren ab Donnerstag Neurologen, Neurochirurgen und Neurophysiologen auf dem 7. Deutschen Parkinson-Kongress in Kiel.

Kongresspräsident Prof. Günther Deuschl: „Es deutet sich ein Paradigmenwechsel an. Hat sich die Therapie bisher ausschließlich auf die motorischen Probleme wie Bewegungsarmut und Zittern konzentriert, rücken die in der Vergangenheit weniger beachteten Symptome wie Depressionen, Blasenstörungen oder Schlafstörungen in den therapeutischen Fokus.“

So werden in Kiel unter anderem neue Studien zur Behandlung der Tagesmüdigkeit und der Depression diskutiert. Veranstalter ist die Deutsche Parkinson Gesellschaft mit Sitz in Berlin, eine Schwerpunktgesellschaft der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Erwartet werden mehr als 500 Experten aus dem In- und Ausland zu Besuch in der Landeshauptstadt an der Förde.

Der Kongress findet nur alle zwei Jahre statt und ist der europaweit wichtigste nationale Parkinson-Kongress. Hauptthemen sind neben der Parkinson-Krankheit auch alle anderen neurologischen Bewegungsstörungen wie das sehr häufige Alterszittern (essenzieller Tremor), Kleinhirnbewegungsstörungen oder seltenere Bewegungsstörungen. Nicht zufällig ist Kiel Austragungsort für den diesjährigen Parkinson-Kongress: Dort ist eines der aktiven Zentren der Parkinson-Forschung sowie ein wichtiger Standort des deutschen Kompetenznetzes Parkinson. Die Parkinson-Krankheit ist nach der Alzheimer-Erkrankung die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. In Deutschland sind schätzungsweise rund 250.000 Menschen erkrankt. Die Zahl der Parkinson-Kranken wird sich wegen der zunehmenden Anzahl älterer Menschen in den nächsten 30 Jahren verdoppeln. Mit der typischen Bewegungsverlangsamung und dem Zittern (Tremor) sind die Patienten stark eingeschränkt und sofort als erkrankt erkennbar. Die Parkinson-Krankheit ist zwar chronisch, kann heute aber mit neuen Medikamenten und der Tiefen Hirnstimulation (THS) gut behandelt werden und ist nur mit einer geringen Einschränkung der Lebenserwartung verbunden.

Tiefe Hirnstimulation – eine etablierte Therapie
Die THS gehört zu den großen Fortschritten der Parkinson-Behandlung und ist weiterhin ein wichtiges Forschungsthema. Bei dieser neurochirurgischen Behandlungsmethode setzen Ärzte einen elektrischen Stimulator in das Gehirn ein, mit dem der Tremor regelrecht ausgeschaltet wird und der vom Patienten selbstständig aktiviert und deaktiviert werden kann. Eine neue amerikanische Studie hat die positiven Ergebnisse einer deutschen Arbeitsgruppe bestätigt, sodass diese Therapie als bestens etabliert gilt. Allerdings wird sie bisher wegen der Nebenwirkungen lediglich bei schwer Erkrankten eingesetzt. Eine deutsch-französische Studie setzt derzeit einen neuen Meilenstein und geht der Frage nach, ob auch weniger stark betroffene Patienten von dieser Methode profitieren.
Gendiagnostik – bei mindestens 30 Prozent der Patienten entscheiden die Gene
Eine neue Studie eines internationalen Konsortiums unter maßgeblicher Beteiligung deutscher Forscher hat fünf neue Gene entdeckt, die an der Krankheitsentstehung beteiligt sind. Bislang kannte man sechs dieser Erbfaktoren. Man geht nun davon aus, dass bei rund einem Drittel aller Parkinson-Patienten die Erbfaktoren eine entscheidende Rolle bei der Krankheitsentstehung spielen. Dabei verursacht in der Regel nicht ein einziges Gen die Störung, sondern eine Kombination aus mehreren Erbfaktoren.

Die Deutsche Parkinson Gesellschaft (DPG) fördert die Erforschung der Parkinson-Krankheit und verbessert die Versorgung der Patienten. Organisiert sind in dieser wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaft erfahrene Parkinson-Ärzte sowie viele Grundlagenforscher. Die Zusammenarbeit dieser beiden Zweige ist entscheidend für die Fortschritte in Diagnostik und Therapie. Die Parkinson-Medizin sowie die Parkinson-Forschung in Deutschland genießen international einen exzellenten Ruf.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Günther Deuschl
Kongresspräsident
E-Mail: g.deuschl@neurologie.uni-kiel.de
Prof. Dr. Wolfgang Oertel
Präsident der DPG
E-Mail: oertelw@med.uni-marburg.de
PD Dr. Jan Raethjen
Wissenschaftlicher Kongresssekretär
E-Mail: j.raethjen@neurologie.uni-kiel.de
Pressestelle der DPG
Tel: +49 (89) 46148614
E-Mail: presse@dgn.org
Gerne vermitteln wir Ihnen Interviewpartner.

Frank A. Miltner | idw
Weitere Informationen:
http://www.parkinson-gesellschaft.de
http://www.congrex.de/parkinson2011

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