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Fachgruppe Chemieunterricht tagt in Freiburg - „Chemie macht Schule!“

27.08.2012
Vorträge, Workshops und Preisverleihungen, aber auch gesellige Treffen prägen das Bild der 29. Fortbildungs- und Vortragstagung der Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).
Die Tagung, die vom 13. bis 15. September 2012 an der Pädagogischen Hochschule Freiburg stattfindet, ist als Fortbildungsmaßnahme für Chemielehrkräfte aller Bundesländer genehmigt. Ein thematischer Schwerpunkt ist in diesem Jahr der Beitrag der Chemie zur Energieversorgung der Zukunft.

So wird direkt nach der Eröffnung und Begrüßung durch den Vorsitzenden der Fachgruppe, den Rektor der Hochschule und die GDCh-Präsidentin in einem Plenarvortrag auf die Lithium-Ionen-Technologie für elektromobile und stationäre Anwendungen eingegangen. Professor Dr. Martin Winter von der Universität Münster will darin herausarbeiten, welche Rolle die Materialien bezüglich der „performance“ der Batteriesysteme spielen und wie komplex sich die Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet darstellt.
Winter gibt dabei einen kurzen Rückblick auf die ersten, Anfang der 1990er Jahre auf den Markt gebrachten, Lithium-Ionen-Batterien und den folgenden Siegeszug bei elektronischen Verbraucherprodukten. Welche Chancen sich der Lithium-Ionen-Technologie in Zukunft eröffnen, welche Herausforderungen es zu meistern gilt und welche Nachfolge-Technologien sich in der Entwicklung befinden, wird Winter Im Überblick kritisch diskutieren.

Der zweite Plenarvortag von Professor Dr. Gerhard Willeke vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg analysiert den Stand der Entwicklungen bei der Polysilizium-Herstellung und der Photovoltaik und erläutert deren Potenziale. Denn unter den erneuerbaren Energien spielt die praktisch grenzenlos verfügbare Solarenergie, und hier besonders die Photovoltaik, eine ganz entscheidende Rolle. Deutliche Preissenkungen und damit verbunden hohe Wachstumsraten zeichneten diese Halbleitertechnologie in jüngster Zeit aus. Marktführer ist die kristalline Siliziumtechnologie, die auf chemisch aufgereinigtem metallurgischem Silizium basiert. Willeke diskutiert Alternativen zur Herstellung von hochwertigem Solarsilizium sowie die weiteren Schritte in der Wertschöpfungskette bis hin zur großtechnischen Anwendung von Solarsystemen und Speichertechniken.

Über „Gashydrate im Meeresboden – Von kalten Methanquellen zum Energierohstoff“ berichtet Dr. Matthias Haeckel vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Die eisähnlichen Gashydrate bestehen aus Methan und Wasser und sind nur bei niedriger Temperatur und hohem Druck stabil. Sie kommen, weltweit verteilt, an den Kontinentalhängen in über 500 Metern Wassertiefe und im arktischen Permafrostboden vor. In ihnen ist mehr Kohlenstoff gebunden als in allen anderen fossilen Energieträgern zusammen. Es wird daher nach umweltfreundlichen und CO2-neutralen Abbautechniken gesucht. So könnte man Methangas fördern, indem man es im Gashydrat durch Injektion von CO2 ersetzt; denn auch CO2 bildet mit Wasser ein stabiles, festes Gashydrat. So hätte man den Energieträger Methan gewonnen und eine Alternative zur Speicherung von CO2 in geologischen Formationen gefunden. Die Kieler Wissenschaftler koordinieren die deutsche Gashydrat-Initiative.

In elf Experimental- , 30 Diskussions- und 52 Posterbeiträgen erfahren die über 300 erwarteten Tagungsteilnehmer beispielsweise etwas über die Herstellung von OLEDs (organic light-emitting diodes; organische Leuchtdioden) im Unterricht, über Fluoreszenzexperimente mit Bedarfsgegenständen, über Medikamente in der Umwelt, über optische Datenspeicher mit molekularen Speichern, aber auch etwas über die Formelsprache im Chemieanfangsunterricht oder die Gestaltung authentischer Lernumgebungen. Ein umfassender Experimentalvortrag zeigt, wie das Themenfeld Lithium-Ionen-Akkumulatoren experimentell und konzeptionell für die Lehre an Schule und Hochschule erschlossen werden kann.

Besonderes Interesse zeigten die Chemielehrer und –lehrerinnen im Vorfeld an den 15 Workshops, die fast alle ausgebucht sind. Ein so großes Workshop-Angebot ist ein Novum der diesjährigen Tagung. Hierin geht es beispielsweise unter dem Titel „Apfel, Gummibärchen & Co“ um Potenziale von Lebensmitteln im Chemieunterricht oder um den Einsatz von graphikfähigen Taschenrechnern beim Experimentieren im Chemieunterricht.

Preisträger der Fachgruppe

Die GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht verleiht anlässlich der Freiburger Tagung drei Preise. Den durch die Firma Merck KGaA gestifteten Preis für Grundschullehrer und lehrerinnen erhält Andrea Scherrer von der Albertine-Scherer-Grundschule in Birkenheide, Rhein-Pfalz-Kreis. Ausgezeichnet werden ihre Verdienste und ihr Engagement zur Stärkung der naturwissenschaftlichen und insbesondere chemiebezogenen Anteile im Sachunterricht.

Ebenfalls durch die Firma Merck gestiftet wird der Friedrich-Stromeyer-Preis, mit dem in diesem Jahr Gregor von Borstel vom Alexander-von-Humboldt Gymnasium in Bornheim ausgezeichnet wird. Er hat sich nicht nur zahlreiche Verdienste an seiner Schule erworben, sondern ist auch Lehrbeauftragter und Fachleiter am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung in Vettweiß, um Chemie als Unterrichtsfach attraktiver zu machen. Daneben engagiert er sich noch in vielen Projekten, beispielsweise dem BMBF-Projekt „Naturwissenschaften entdecken“ oder den GDCh-Lehrerfortbildungszentren.

Der von der Firma Degussa (heute Evonik) gestiftete Heinrich-Roessler-Preis geht in diesem Jahr an Professor Dr. Dr. h.c. mult. Herbert W. Roesky, Emeritus der Universität Göttingen. Roesky hat sich als Vorsitzender der Fachgruppe von 1982 bis 1987 nicht nur vehement und leidenschaftlich für eine gute Aus- und Weiterbildung von Chemielehrkräften und für einen qualifizierten, experimentgestützten Chemieunterricht eingesetzt. Er hat auch vier Fachgruppen-Preise ins Leben gerufen, darunter den Heinrich-Roessler-Preis, mit dem jetzt die Fachgruppe sein großartiges Lebenswerk würdigt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 28 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Chemieunterricht mit über 1.900 Mitgliedern. Chemielehrer, Hochschullehrer sowie Chemiker aus der Industrie und dem öffentlichen Dienst haben sich in der Fachgruppe Chemieunterricht zu einem kompetenten Forum für alle Fragen zusammengeschlossen, die das Fach Chemie in Unterricht, Lehre, Ausbildung und Weiterbildung betreffen.

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de/

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