Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäische Forschungskonferenz Biologische Vielfalt und Klimawandel

12.04.2011
  • Klimawandel wird Europas Natur und Landschaft verändern
  • Investitionen in eine EU-weite grüne Infrastruktur verstärken
  • Naturschutzmaßnahmen unterstützen effizient die Anpassung an den Klimawandel
  • Synergien zwischen Klima- und Biodiversitätsschutz verstärkt nutzen

Heute hat in Bonn eine zweitägige Europäische Forschungskonferenz zum Thema Biologische Vielfalt und Klimawandel begonnen. Über 200 Fachleute aus 25 Nationen Europas sind der Einladung des Bundesamts für Naturschutz (BfN) gefolgt.

Die Veranstaltung, die in Kooperation mit dem Netzwerk der Europäischen Naturschutzbehörden (ENCA) und mit Unterstützung der Universität Greifswald durchführt wird, steht ganz im Zeichen des grenz- und disziplinübergreifenden Erfahrungsaustauschs europäischer Wissenschaftler, Behördenvertreter und Praktiker, die an der Schnittstelle von Biologischer Vielfalt und Klimawandel forschen und arbeiten.

„Gerade vor den Hintergrund des Klimawandels wird es für den Naturschutz zunehmend wichtiger über die nationalen Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten und den Austausch von Forschungs- und Lösungsansätzen zu fördern. Denn weder der Klimawandel noch die biologische Vielfalt enden an nationalen Grenzen, und sie werden unsere Natur und unsere Landschaften über die Grenzen hinweg maßgeblich verändern,“ sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel zu Beginn der Konferenz.

Im Dialog mit dem europäischen Fachpublikum werden auf der Konferenz Möglichkeiten identifiziert, wie wissenschaftliche Erkenntnisse besser in die politische Entscheidungsfindung eingebracht und praktisch umgesetzt werden können. An den beiden Konferenztagen beleuchten Vorträge hochkarätiger Experten aus ganz Europa das breite Spektrum an Fragestellungen bzw. Herausforderungen, mit denen der Klimawandel den europäischen Naturschutz konfrontiert.

In den Projekten zur Grundlagenforschung wurden die bereits beobachtbaren Auswirkungen des Klimawandels auf Arten, Lebensräume und Landschaften erfasst und anhand von Modellrechnungen für verschiedene Artengruppen mögliche zukünftige Veränderungen ihrer Verbreitungsgebiete ermittelt. Hierbei wird deutlich, dass sich die klimatisch geeigneten Gebiete von vielen Tier- und Pflanzenarten verkleinern bzw. großräumig nach Norden oder in höher gelegene Lagen verschieben.

Eine Reihe von kälteliebenden Arten wird langfristig aus Mitteleuropa verschwinden, z.B. alpine Pflanzen und boreale bzw. arktische Arten, die seit der letzten Eiszeit auf klimatischen Sonderstandorten überdauern konnten. Im Gegenzug werden verstärkt wärmeliebende Arten wie z.B. Schmetterlinge oder Libellen aus dem Mittelmeerraum einwandern. "Wir müssen uns dabei aber bewusst sein, dass die Neuzuwanderung von Arten aufgrund des Klimawandels nichts per se Negatives ist, sondern es sich um natürliche Anpassungsprozesse handelt", so BfN-Präsidentin Jessel.

Für den Naturschutz stellt sich die Frage, wie man Arten und Lebensräumen eine optimale Anpassung an die Veränderungen ermöglichen kann. Die Handlungsempfehlungen der Wissenschaftler umfassen neben einer Anpassung des Managements vor allem eine eine verbesserte Vernetzung von Schutzgebieten sowie den Aufbau grenzüberschreitender Biotopverbundsysteme.

„Damit die vom Klimawandel bedrohten Arten geeignete neue Lebensräume finden können, sind die europaweite Durchlässigkeit der Landschaft und der Ausbau eines grenzüberschreitenden Biotopverbundsystems von enormer Bedeutung. Investitionen in eine EU-weite grüne Infrastruktur müssen gestärkt werden,“ betonte BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel.

Auf der Konferenz werden auch Beispiele vorgestellt, wie Ökosysteme und Naturschutzmaßnahmen zum Klimaschutz sowie zur gesellschaftlichen Anpassung an die Folgen des Klimawandels beitragen können. In vielen Fällen stellen ökosystembasierte Maßnahmen kosteneffektive und nachhaltige Alternativen zu technischen Lösungen dar und erzeugen zudem oft noch weiteren Zusatznutzen. So trägt die Schaffung von Überflutungsräumen in Auengebieten zum ökologischen Hochwasserschutz bei und unterstützt die Selbstreinigung der Gewässer. Die Anlage von Grünflächen als Frischluftschneisen in Städten verbessert das Lebensumfelds der Stadtbewohner, u. a. indem die städtische Überhitzung vermindert und Luft gefiltert wird.

Im Bereich des ökosystem-basierten Klimaschutzes stehen die Erhaltung und die Wiederherstellung kohlenstoffspeichernder Ökosysteme wie Moore und Wälder im Mittelpunkt. Global gesehen lassen sich die größten Synergieeffekte zwischen den Zielen des Naturschutzes und des Klimaschutzes dort realisieren, wo der Artenreichtum mit der größten Kohlenstoffdichte einhergeht. Ein vom BfN mit Mitteln des Bundesumweltministeriums in Auftrag gegebener internet-basierter Atlas zur Darstellung der Verteilung von Kohlenstoff und Biodiversität in den Ökosystemen der Erde zeigt, dass diese „Biodiversity and Carbon Hotspots“ v. a. in den Primärwäldern, Torfmooren und Mangroven der Entwicklungs- und Schwellenländer zu finden sind, wo sie zunehmend von Degradierung bedroht sind. Damit gehen neben der einzigartigen Artenvielfalt auch die Ökosystemdienstleistungen, die sie bereitstellen, einschließlich der Klimaregulation, verloren.

Das BfN legt dabei besonderen Wert darauf, im Rahmen der Veranstaltung auch sozioökonomische Gesichtspunkte zu berücksichtigen und zur aktuellen kontroversen Debatte um die Chancen und Grenzen bzw. die Herausforderungen der ökonomischen Inwertsetzung von Ökosystemdienstleistungen beizutragen. Einige Forschungsvorhaben, die Gegenstand der Forschungskonferenz sind, ermitteln beispielsweise den Betrag, den Wälder und Moore durch ihre Fähigkeit, Treibhausgase zu binden und zu speichern, Jahr für Jahr erwirtschaften. Trotz aller methodischen Probleme liefern derartige Studien schlagkräftige Argumente für den Schutz und die nachhaltige Nutzung sowie die Wiederherstellung von kohlenstoff- und biodiversitätsreichen Ökosystemen. „Selbstverständlich lässt sich der Wert der Natur nicht allein mit finanziellen Maßstäben messen,“ so BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel. „Doch gerade die oft unterschätzten ökonomischen Argumente für den Schutz der Natur können helfen, bei Politik und Wirtschaft leichter Gehör zu finden.“

Hintergrund: Europäische Forschungskonferenz Biologischer Vielfalt und Klimawandel

Das Verhältnis von biologischer Vielfalt und Klimawandel stellt seit 1994 eines der wesentlichen Forschungsfelder des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) dar. Seit 2008 konnten über 30 Projekte Forschungsvorhaben aus diesem Themenfeld gefördert werden, an denen mehr als 46 Hochschulen, wissenschaftliche Einrichtungen und Gutachterbüros beteiligt sind.

Franz August Emde | BfN
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen
19.07.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Innovation – the name of the game
18.07.2018 | Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Europaweit erste Patientin mit neuem Hybridgerät zur Strahlentherapie behandelt

19.07.2018 | Medizintechnik

Waldrand oder mittendrin: Das Erbgut von Mausmakis unterscheidet sich je nach Lebensraum

19.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics