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Ess-Störungen aus interdisziplinärer Sicht

03.03.2016

Magersucht, Ess-Brechsucht, Ess-Attacken sind Störungen, deren Folgen ganz unterschiedlich sein können: Vom lebensbedrohlichen Untergewicht bis hin zur Fettleibigkeit. Neueste medizinische Erkenntnisse zu diesem Themenfeld werden auf dem 5. Wissenschaftlichen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen vom 3. bis 5. März in Essen vorgestellt. Es geht u.a. um die Einflussfaktoren für Ess-Störungen, wie sie behandelt und warum sie chronisch werden können.

Veranstalter sind Prof. Dr. Johannes Hebebrand, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am LVR-Klinikum Essen der Universität Duisburg-Essen (UDE) und Prof. Dr. Stephan Herpertz, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums der Ruhr-Universität Bochum.

Ein Kongressschwerpunkt ist die Magersucht (Anorexia nervosa), die sich über viele Jahre hinweg erstrecken kann und auch die Familien vor große Herausforderungen stellt.

Prof. Hebebrand: „Sie leiden natürlich sehr darunter, dass ihre engsten Angehörigen vor ihren Augen sprichwörtlich verhungern.“ Neue genetische und neurobiologische Aspekte der Magersucht werden ebenso thematisiert wie die meist psychotherapeutischen Methoden, mit denen sie behandelt werden kann.

An Ess-Störungen erkranken vor allem junge Menschen. Prof. Herpertz: „Wenn man sich in der Entwicklung befindet, ist man mit vielen Selbstfindungsproblemen und –krisen konfrontiert. Deshalb gehen Ess-Störungen fast immer mit einer Selbstwertproblematik einher.“

Aus diesem Grund sollte möglichst rechtzeitig gegengesteuert werden. Inwieweit aber vorbeugende Maßnahmen überhaupt greifen können angesichts beliebter TV-Casting-Shows mit superschlanken jungen Nachwuchsmodels, war bereits Thema mehrerer Studien. Auch sie werden auf dem Kongress diskutiert.

Ein weiteres Thema ist der wechselseitige Zusammenhang zwischen der Fettsucht (Adipositas) und Depression. Prof. Hebebrand: „Das Risiko ist in dieser Gruppe u.a. deshalb größer, weil besonders fettleibige Menschen gesellschaftlich stigmatisiert sind.“ Umgekehrt gilt aber auch, dass diejenigen, die bereits als Kinder oder Jugendliche depressiv waren, ein nachweisbares Risiko in sich tragen, später an Adipositas zu erkranken. Dies ist dann besonders groß, wenn sie sich in ihrer schwierigen seelischen Verfassung kaum bewegen mögen und ihren Frust mit kalorienreichem Essen überspielen.

Redaktion: Beate Kostka, Tel. 0203/379-2430, 0172/2365-379, beate.kostka@uni-due.de

Weitere Informationen:

http://www.egms.de/en/meetings/dgess2016/

Beate Kostka | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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