Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Englischlernen schon in der Kita? „Kinder sind in der Lage, mehrsprachig aufzuwachsen“

18.01.2013
Schadet es der Erstsprache, wenn ein Großteil des Unterrichts in einer Fremdsprache, z.B. Englisch, durchgeführt wird? Leidet das Fachwissen im bilingualen Unterricht? Wie kann früher Fremdspracherwerb gelingen?

220 Wissenschaftler diskutieren am 19. Januar auf der Fachtagung „Bilinguales Lehren und Lernen“ an der Universität Hildesheim Forschungsergebnisse und ihre praktische Umsetzung.

Prof. Dr. Kristin Kersten, Juniorprofessorin für Fremdsprachenunterricht und Zweitspracherwerb (Uni Hildesheim) weist auf Ergebnisse eines EU-Projekts in bilingualen Kindergärten hin: „Die Intensität, Dauer des Kontakts und das handlungsbegleitende Erlernen der Fremdsprache sind entscheidend."

Nicht erst in Klasse 5 zeigt sich, wie uneinheitlich das Fremdsprachenlernen in Deutschland abläuft: Da sind jene Kinder, die bisher nur zweimal in der Woche eine Englischstunde gehabt, solche, die schon im Kindergarten Englisch gelernt haben, und jene, die in der ganzen Grundschulzeit bilingual unterrichtet wurden. Alle in einem Klassenzimmer. „Mehrsprachigkeit zu fördern ist ein Ziel der EU-Bildungspolitik. Am Ende der Schullaufbahn soll künftig jeder Bürger mindestens zwei Fremdsprachen beherrschen“, sagt Prof. Dr. Kristin Kersten, Juniorprofessorin für Fremdsprachenunterricht und Zweitspracherwerb an der Uni Hildesheim. Um diesen Anspruch zu erfüllen, müsse noch viel geschehen: „In der Grundschule wird häufig notgedrungen fachfremd unterrichtet, die Übergänge von der Kita bis zur weiterführenden Schule sind kaum geregelt.“

Auf der Fachtagung „Bilinguales Lehren und Lernen: Vertiefende Perspektiven“ kommen am Samstag etwa 220 Wissenschaftler, Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte und Studierende an der Universität Hildesheim zusammen. Die Nachfrage ist enorm, berichtet Kersten. Dabei geben die Referenten in Vorträgen und Workshops praktische Hinweise für die Sprachvermittlung in bilingualen Kitas und Schulen.

Wie Fremdsprachenlernen früh und erfolgreich beginnen kann, zeigt sich schon in bilingualen Kindergärten, sagt Kersten und erklärt: „Das Team ist zweisprachig, unter den pädagogischen Fachkräften sind Muttersprachler beider Sprachen. Beim Englischsprechen nehmen die Erzieher_innen Bezug zur Umwelt, setzen Mimik und Gestik, Bilder und Gegenstände gekonnt ein, um das Vokabular verständlich zu machen, und verwenden eine reichhaltige Sprache, mit wiederkehrenden Phrasen, Synonymen, Erklärungen und vielen Wiederholungen.“ In bilingualen Schulen in Hannover und Göttingen untersucht sie, wie Kinder zu 70 % in einer Fremdsprache unterrichtet werden (Filmbeispiel einer Göttinger Grundschule).

Kinder sind in der Lage, mehrsprachig aufzuwachsen, ohne dass die Muttersprache darunter leidet. In einem universitätsübergreifenden Forschungsprojekt, an dem auch die Forschungsbereiche Psychologie und Interkulturelle Kommunikation mitwirken, untersucht Kristin Kersten, welche Faktoren Einfluss auf den frühen Fremdspracherwerb bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund haben. „Die Ergebnisse aus einem abgeschlossenen EU-Projekt in bilingualen Kindergärten weisen darauf hin, dass die Intensität, Dauer des Kontakts sowie das handlungsbegleitende Erlernen der Fremdsprache an Objekten, Bildern und der Umwelt entscheidend sind. Ob die Fremdsprache drei Stunden pro Tag oder eine Stunde pro Woche angeboten wird, ob die jeweilige Erzieherin in der Kita für fünf oder 25 Kinder zuständig ist – das macht viel aus“, sagt sie. Die Faktoren Geschlecht und Migrationshintergrund hatten keinen Einfluss auf das Sprachverständnis.

Welchen Einfluss die Herkunft beim Fremdsprachenlernen in der Schule genau einnimmt, welchen das soziale Umfeld oder die individuellen Voraussetzungen, wollen die Forscher empirisch herausfinden. Welche Potentiale bringen gerade mehrsprachige Kinder für erfolgreichen frühen Fremdspracherwerb mit? Ein Fokus der Studie liegt auf dem Übergang von der Kita in die Grundschule und die weiterführende Schule. Kooperationspartner sind die Hochschulen in Erlangen-Nürnberg, Kiel, Köln, Ludwigsburg, Paderborn und Weingarten. Eine Erweiterung des Projekts auf europäischer Ebene mit Partnerunis in Belgien, England, Estland, Italien, Rumänien und Schweden ist in Planung.

INFO: FACHTAGUNG „BILINGUALES LEHREN UND LERNEN“:

Kooperationspartner dieser Tagung sind der Verein „FMKS – Frühe Mehrsprachigkeit an Kitas und Schulen“, das Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen und das Institut für englische Sprache und Literatur der Universität Hildesheim. Die Universitätsgesellschaft Hildesheim e.V. und das Kompetenzzentrum für regionale Lehrerfortbildung unterstützen die Tagung. Diese wird am Samstag, 19. Januar 2013, von 9:00 bis 17:30 Uhr am Hauptcampus der Universität Hildesheim ausgerichtet. Interessierte können an den Vorträgen am Vormittag teilnehmen.

Prof. Dr. Ute Massler und Prof. Dr. Michael Ewig (PH Weingarten) sprechen über die Leistungsbeurteilung, denn im bilingualen Unterricht sollen Fachinnhalte in gleicher Intensität wie die Sprache gelernt werden – eine Herausforderung für Lehrer und Schüler. Bewertungskriterien und Handlungshilfen für die Unterrichtsplanung, in der Inhalte und Sprache gleichermaßen berücksichtigt werden, existieren bisher nicht in systematischer Form. Prof. Dr. Petra Burmeister (PH Weingarten) wird über Kinder mit Förderbedarf sprechen, Prof. Dr. Kristin Kersten über den Umgang mit Fehlern.

Mit dem Aufbau und der Funktion bilingualer Kindertagesstätten befasst sich ein Workshop von Dr. Anja Steinlen (Universität Erlangen-Nürnberg), mit Entwicklungsstufen im Fremdspracherwerb ein weiterer von Prof. Dr. Andreas Rohde (Universität zu Köln) und Prof. Dr. Kristin Kersten (Uni Hildesheim) auf. Nicole Claire, Leiterin der Kämmer „International Primary School Hannover“ gibt einen Einblick in die Vermittlung der Schriftsprache.

Wann? Samstag, 19. Januar 2013, 9:00 bis 17:30 Uhr
Wo? Audimax, Universität Hildesheim (Marienburger Platz 22, 31141 Hildesheim)
Programm: http://www.uni-hildeshjeim.de oder http://www.fmks.eu

KONTAKT ZU PROF. KERSTEN:
Pressestelle
Isa Lange
E-Mail: presse@uni-hildesheim.de
Tel. 05121.883-102 oder 0177.8605905

Isa Lange | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hildesheim.de/index.php?id=6730
http://www.uni-hildesheim.de/media/presse/Sonstiges/2013_Fachtagung_Uni_Hildesheim_Englisch_Bilinguales_Lehren_und_Lernen_Fremdspracher

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen
19.07.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Innovation – the name of the game
18.07.2018 | Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen

19.07.2018 | Studien Analysen

Mit dem Nano-U-Boot gezielt gegen Kopfschmerzen und Tumore

19.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics