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Die diskursive Konstruktion von Wirklichkeit

13.03.2013
Die Frühjahrstagung 2013 der Sektion Wissenssoziologie der DGS diskutiert am 21. und 22. März an der Universität Augsburg interdisziplinäre Perspektiven einer wissenssoziologischen Diskursforschung.

Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden bei Frühjahrstagung 2013 der Sektion Wissenssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) am 21. und 22. März 2013 an der Universität Augsburg erwartet.

Unter dem Tagungstitel "Die diskursive Konstruktion von Wirklichkeit" stehen interdisziplinäre Perspektiven einer wissenssoziologischen Diskursforschung zur Diskussion. Bezug genommen wird dabei nicht zuletzt auf Vorschläge für ein Forschungsprogramm, die der Augsburger Tagungsgastgeber Prof. Dr. Reiner Keller (Lehrstuhl für Soziologie) in seinem Buch "Wissenssoziologische Diskursanalyse" entwickelt hat.

Ob öffentlicher Streit über das Für und Wider der Homo-Ehe, die Regulierung von Finanzmärkten oder die Frage, ob unser Gehirn an unserer statt denkt – was wir über unsere Wirklichkeit denken und wie wir darin handeln, worauf wir uns als wirklich, machbar oder unsinnig beziehen, das wird in öffentlichen oder teilöffentlichen Diskursen verhandelt. Diskurse sind gesellschaftliche, häufig konfliktreiche oder umstrittene Praktiken der Sprach- und Zeichennutzung, in denen soziale Akteure Aussagen darüber treffen, was für sie als wirklich zu gelten hat (oder gilt), welche Begründungen sie dafür angeben und was daraus folgen soll. Solche Diskurse finden sich in den Massenmedien wie auch in gesellschaftlichen Spezialarenen, bspw. in den Wissenschaften, oder in den Religionen – aber auch dazwischen. Diskurse können als eine soziale Lösung dafür begriffen werden, wie soziale Gemeinschaften Festlegungen der Wirklichkeit stabilisieren und verändern. Sie prägen unsere Alltagswahrnehmung in folgenreicher Weise. Viele Elemente und Dimensionen unserer Wirklichkeitserfahrung sind diskursiv konstituiert, etwa wenn wir über Belastungen und Burn Out nachdenken, über ADHS bei Kindern, über Auswirkungen der Globalisierung, über unser Selbstverständnis als Nation und vieles andere mehr.

Sozialwissenschaftliche Diskursforschung hat in Augsburg Tradition

Am 21. und 22. März 2013 findet an der Universität Augsburg die diesjährige Frühjahrstagung der Sektion Wissenssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie statt. Sie greift mit dem Thema der "diskursiven Konstruktion von Wirklichkeit" einen Forschungsbereich auf, der in der Augsburger Soziologie auf eine längere Tradition zurückblicken kann. Tatsächlich wurden hier Ende der 1990er Jahre sehr erfolgreich mehrere Tagungen zur sozialwissenschaftlichen Diskursforschung veranstaltet. Daraus gingen mehrere Veröffentlichungen hervor, die in der Folge zu einem zentralen Referenzpunkt der deutschsprachigen Diskussion über die Möglichkeiten der Untersuchung von Diskursen avancierten.

Gesellschaften als komplexe Wissensverhältnisse mit unterschiedlichen Diskursfeldern

Auf der diesjährigen Tagung, zu der etwa 180 bis 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet werden, stehen die von Reiner Keller (Lehrstuhl für Soziologie) in seinem Buch "Wissenssoziologische Diskursanalyse" (3. Auflage 2011) entwickelten Vorschläge im Vordergrund, die sich mit den Möglichkeiten und Ergebnissen wissenssoziologischer Diskursforschung beschäftigen. Tatsächlich können wir Gesellschaften als komplexe Wissensverhältnisse begreifen, in denen sehr unterschiedliche Diskursfelder bestehen, die aufeinander treffen, auch in mehr oder weniger widersprüchlichen, konfliktträchtigen Beziehungen zueinander stehen und das bestimmen, was soziale Kollektive als 'wirklich' anerkennen. Die Wissenssoziologische Diskursanalyse ist ein Forschungsprogramm, das solche Wissensverhältnisse und die darin beobachtbaren Wissenspolitiken, ihre Erzeugung, ihren Wandel und ihre Effekte untersucht.

In über 30 Beiträgen (ausführliches Programm im Anhang) beschäftigen sich die Vortragenden mit Fragen der diskursiven Konstruktion von medizinischem Wissen, von Familien- und Erziehungsvorstellungen, von Bildungsprozessen, von europäischer Integration , von Geschlechterrollen, Raumwarhnehmungen, globaler Sozialpolitik u. a. mehr.

Tagungshomepage mit ausführlichem Programm:
http://www.uni-augsburg.de/diskurstagung

Kontakt:

Dr. des. Sasa Bosancic
Lehrstuhl für Soziologie
Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon: 0821/598-4096
Telefax: 0821/598-4222
sasa.bosancic@phil.uni-augsburg.de

Klaus P. Prem | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-augsburg.de/diskurstagung
http://www.soziologie.de/

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