Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Computer lernen, sich selbstständig gegen Hackerangriffe zu verteidigen

05.09.2012
Die meisten Programme zum Schutz vor Hackerangriffe kennen die potentiellen Angreifer und ihre Vorgehensweise, so dass sie die Angriffe abwehren können. Neue Angreifer mit bisher unbekanntem Verhalten können diese Programme jedoch überrumpeln. Um Computer und Endgeräte wie Smartphones sicherer zu machen, treffen sich vom 9. bis 14. September 2012 international führende Informatik-Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen auf Schloss Dagstuhl, dem Leibniz-Zentrum für Informatik im nördlichen Saarland.

Viele von uns genießen die Vorteile von intelligenten Geräten wie z.B. Smartphones oder Tablet-PCs, aber nur wenige sind sich der darin verborgenen lernenden Methoden bewusst, die immer komplexere Funktionen bereit stellen.

Beispielsweise kann der Besitzer sein Telefon so trainieren, dass es sich allein durch sein Lächeln entsperrt. Allerdings kennen nur wenige Menschen die Sicherheitslücken, die bei solchen intelligenten Geräten entstehen können – Lücken, die es einem Bösewicht ermöglichen, das Telefon mit einem gefälschten Lächeln zu entsperren und die darauf gespeicherten Daten zu entwenden.

Auch für die Sicherheit von herkömmlichen Computern und Internetdiensten können lernbasierte Verfahren einen wesentlichen Beitrag leisten. Die Sicherheitsfallen sind vielfältig und kreativ: man wird zum Beispiel mit Lockangeboten zum Besuch bestimmter Webseiten angeregt, oder zur Angabe der Kontodaten, damit die angebliche Steuerrückzahlung überwiesen werden kann. Durch die vielen öffentlich bekannt gewordenen Missbräuche wissen wir mittlerweile, dass wir solchen Lockangeboten und Aufforderungen nicht folgen dürfen.
Aber wer und was steckt dahinter und was kann alles passieren, während wir im Internet surfen, ohne dass wir es bemerken? Was für den normalen Benutzer schon unangenehme Auswirkungen haben kann, ist für die Industrie oder für Banken oftmals Existenz bedrohend. Um den neuesten Stand der Angriffstechniken kennenzulernen, setzen Hersteller von IT-Sicherheitsprodukten spezielle Systeme zur Akquisition von Schadprogrammen ein. Ohne leistungsfähige Analysetechniken sind die darin gesammelten riesigen Datenmengen jedoch nutzlos, denn neue Angriffstechniken sind gut getarnt und wie eine Nadel im Heu versteckt.

Methoden aus dem Bereich des maschinellen Lernens werden schon seit einiger Zeit in verschiedenen Programmen verwendet, zum Beispiel zum Wissenserwerb in Expertensystemen, für Marktanalysen, aber auch zur Erkennung von Kreditkartenbetrug. Mit der rasanten Verbreitung des Internets und dessen Nutzung für private und geschäftliche Transaktionen steigt jedoch der Bedarf an intelligenten Sicherheitsmechanismen. Kennt der Angreifer die eingesetzten Sicherheits- oder Erkennungsmethoden, kann er seine Schadprogramme leicht verändern, so dass sie sich von bekannten Mustern unterscheiden und trotzdem die erwünschte Schadfunktion erhalten.
Daher müssen besondere Verfahren entwickelt werden, um die neuartigen Angriffstechniken zu erkennen und die zugrundeliegenden Sicherheitskonzepte in einem System automatisch anzupassen. Dann würde beispielsweise erkannt werden, dass es sich um ein gefälschtes Lächeln handelt, mit dem das Smartphone entsperrt werden soll.

Um die Forschung in diesem Bereich voranzutreiben, treffen sich vom 9. bis 14. September 2012 auf Schloss Dagstuhl internationale Experten aus der Informatik und angrenzenden Disziplinen, wie beispielsweise aus der Computer-Sicherheit, Rechtswissenschaft, Datenanalyse, Online-Werbung. In dem Dagstuhl-Perspektiven-Workshop "Machine Learning Methods for Computer Security" werden die Grenzen von herkömmlichen Lernmethoden untersucht und Verfahren erörtert, die verhindern sollen, dass Daten manipuliert werden können. Insbesondere sollen neue Angriffsmöglichkeiten und neue sicherheitskritische Anwendungen diskutiert und Strategien für eine vorausschauende, aktive Maßnahme gegen Angriffe entwickelt werden. Das Ziel ist es, intelligente Systeme sicherer zu machen, bevor die Benutzer möglichen Risiken ausgesetzt sind.

Hintergrund:
Schloss Dagstuhl lädt das ganze Jahr über Wissenschaftler aus aller Welt ins nördliche Saarland ein um über neueste Forschungsergebnisse in der Informatik zu diskutieren. Mehr als 3.000 Informatiker von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und aus der Industrie nehmen jährlich an den wissenschaftlichen Veranstaltungen in Dagstuhl teil. Seit 2005 gehört Schloss Dagstuhl zur Leibniz-Gemeinschaft in der zurzeit 86 führende außeruniversitäre Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen in Deutschland vertreten sind.

Bei den Dagstuhl-Perspektiven-Workshops wird eine kleine Gruppe der international besten Fachleute zur intensiven Diskussion versammelt. Im Gegensatz zu den Dagstuhl-Seminaren berichten sie nicht über ihre neuesten Ergebnisse, sondern erarbeiten eine Standortbestimmung ihres Gebietes und entwickeln Visionen für die Zukunft. Beginnend ab 2011 werden in der Zeitschrift Dagstuhl Manifestos die Ergebnisse aus Dagstuhl-Perspektiven-Workshops veröffentlicht (vgl. http://drops.dagstuhl.de/dagman).

Dr. Roswitha Bardohl | idw
Weitere Informationen:
http://www.dagstuhl.de/
http://www.dagstuhl.de/12371

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium AWK’21 findet am 10. und 11. Juni 2021 statt
06.04.2020 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

nachricht Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren
03.04.2020 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wenn Ionen an ihrem Käfig rütteln

In vielen Bereichen spielen „Elektrolyte“ eine wichtige Rolle: Sie sind bei der Speicherung von Energie in unserem Körper wie auch in Batterien von großer Bedeutung. Um Energie freizusetzen, müssen sich Ionen – geladene Atome – in einer Flüssigkeit, wie bspw. Wasser, bewegen. Bisher war jedoch der präzise Mechanismus, wie genau sie sich durch die Atome und Moleküle der Elektrolyt-Flüssigkeit bewegen, weitgehend unverstanden. Wissenschaftler*innen des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung haben nun gezeigt, dass der durch die Bewegung von Ionen bestimmte elektrische Widerstand einer Elektrolyt-Flüssigkeit sich auf mikroskopische Schwingungen dieser gelösten Ionen zurückführen lässt.

Kochsalz wird in der Chemie auch als Natriumchlorid bezeichnet. Löst man Kochsalz in Wasser lösen sich Natrium und Chlorid als positiv bzw. negativ geladene...

Im Focus: When ions rattle their cage

Electrolytes play a key role in many areas: They are crucial for the storage of energy in our body as well as in batteries. In order to release energy, ions - charged atoms - must move in a liquid such as water. Until now the precise mechanism by which they move through the atoms and molecules of the electrolyte has, however, remained largely unknown. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research have now shown that the electrical resistance of an electrolyte, which is determined by the motion of ions, can be traced back to microscopic vibrations of these dissolved ions.

In chemistry, common table salt is also known as sodium chloride. If this salt is dissolved in water, sodium and chloride atoms dissolve as positively or...

Im Focus: Den Regen für Hydrovoltaik nutzen

Wassertropfen, die auf Oberflächen fallen oder über sie gleiten, können Spuren elektrischer Ladung hinterlassen, so dass sich die Tropfen selbst aufladen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben dieses Phänomen, das uns auch in unserem Alltag begleitet, nun detailliert untersucht. Sie entwickelten eine Methode zur Quantifizierung der Ladungserzeugung und entwickelten zusätzlich ein theoretisches Modell zum besseren Verständnis. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte der beobachtete Effekt eine Möglichkeit zur Energieerzeugung und ein wichtiger Baustein zum Verständnis der Reibungselektrizität sein.

Wassertropfen, die über nicht leitende Oberflächen gleiten, sind überall in unserem Leben zu finden: Vom Tropfen einer Kaffeemaschine über eine Dusche bis hin...

Im Focus: Harnessing the rain for hydrovoltaics

Drops of water falling on or sliding over surfaces may leave behind traces of electrical charge, causing the drops to charge themselves. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz have now begun a detailed investigation into this phenomenon that accompanies us in every-day life. They developed a method to quantify the charge generation and additionally created a theoretical model to aid understanding. According to the scientists, the observed effect could be a source of generated power and an important building block for understanding frictional electricity.

Water drops sliding over non-conducting surfaces can be found everywhere in our lives: From the dripping of a coffee machine, to a rinse in the shower, to an...

Im Focus: Quantenimaging: Unsichtbares sichtbar machen

Verschränkte Lichtteilchen lassen sich nutzen, um Bildgebungs- und Messverfahren zu verbessern. Ein Forscherteam am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena hat eine Quantenimaging-Lösung entwickelt, die in extremen Spektralbereichen und mit weniger Licht genaueste Einblicke in Gewebeproben ermöglichen kann.

Optische Analyseverfahren wie Mikroskopie und Spektroskopie sind in sichtbaren Wellenlängenbereichen schon äußerst effizient. Doch im Infrarot- oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium AWK’21 findet am 10. und 11. Juni 2021 statt

06.04.2020 | Veranstaltungen

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium AWK’21 findet am 10. und 11. Juni 2021 statt

06.04.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Wenn Ionen an ihrem Käfig rütteln

06.04.2020 | Energie und Elektrotechnik

Virtueller Roboterschwarm auf dem Mars

06.04.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics