Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schilddrüsen-Spezialisten sehen Jodmangel als Gefahr für Deutschland

31.08.2007
Empfehlungen für die Politik, Erarbeitung gemeinsamer Leitlinien und die Erforschung von Erkrankungsursachen im Mittelpunkt des Leipziger Meetings "ETA 2007", das vom 1. bis 5. September 2007 in Leipzig stattfindet.

Über 500 Wissenschaftler und Ärzte aus Europa und aller Welt werden am Sonnabend in Leipzig zum 32. Jahresmeeting der Europäischen Schilddrüsengesellschaft erwartet. "Die European Thyroid Association (ETA) freut sich, dass auch klinische und Grundlagen-Wissenschaftler aus den USA, China, Südamerika, Australien ihr Kommen angekündigt haben", so Prof. Dr. Ralf Paschke, Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Leipzig, der als Vorsitzender des Lokalen Organisationskomitees das Treffen der Schilddrüsen-Spezialisten vorbereitete.

Besonderes Augenmerk wird in Leipzig auf das Thema Jodmangel gelegt. "Die ungenügende Jodversorgung des Körpers ist verantwortlich für einen großen Teil der Schilddrüsenerkrankungen", betont Prof. Paschke. "Dadurch wird nicht nur eine Vergrößerung der Schilddrüse begünstigt. Sondern der Jodmangel kann auch einen Stress auslösen, der letztlich Knoten oder Überfunktionen verursacht." Deshalb nimmt sich die Weltgesundheitsorganisation WHO des Themas an, das keinesfalls nur in Afrika zu schweren gesundheitlichen Folgen führt. So stieg nach den Daten der WHO in Europa die Zahl der Schilddrüsen-Vergrößerungen (Struma) im Vergleich der Jahre 1993 und 2003 um 80 Prozent an.

"Deutschland hat nur statistisch gesehen eine ausreichende Jodversorgung", so Prof. Paschke. "Denn wie die Statistik nun einmal ist: Da gibt es einen Teil der Bevölkerung, der zu viel Jod aufnimmt. Und dann gibt es einen Teil, der zu wenig Jod konsumiert. Ein Zuviel an Jod macht gesundheitlich wenig aus da in Deutschland selten bedenkliche Werte erreicht werden. Ein Zuwenig bringt jedoch Probleme." Das betrifft immerhin über 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland, wie verschiedene Studien aussagen. In Leipzig, so eine Studie von Prof. Paschke, sind nur 40 Prozent der Einwohner optimal mit Jod versorgt. "Bei 21 Prozent der Leipziger fanden wir ein moderates bis schweres Defizit", so der Leipziger Schilddrüsen-Spezialist. Die europäische Sektion des WHO-Arbeitskreises wird sich deshalb im Rahmen des Kongresses treffen und Empfehlungen für die Politik beraten.

... mehr zu:
»Jodmangel »Who

Im Mittelpunkt des Kongresses steht jedoch das optimale klinische Vorgehen, um Schilddrüsenerkrankungen frühzeitig zu erkennen. "Es gibt eine Reihe von Untersuchungsmethoden, die vom Ultraschall über Blutuntersuchungen und die Szintigraphie bis zur Feinnadelpunktion reichen", erläutert Prof. Paschke. "Aber welche Methode wo, wann und bei wem eingesetzt wird - da gibt es Meinungsverschiedenheiten. In Leipzig wollen wir deshalb den Auftakt dazu geben, gemeinsame Leitlinien zu entwickeln." Zudem hat selbst die derzeit beste Methode zur Klärung der Frage ob ein Schilddrüsenknoten gut oder bösartig ist - die Feinnadelpunktion - ihre Grenzen. "In ca. 20 Prozent der Zelluntersuchungen werden die Grenzen der Morphologie erreicht; selbst die besten Pathologen kommen da nicht weiter. Untersuchungen auf molekularer Ebene können bereits einige fragliche Fälle klären, aber wir brauchen mehr und bessere molekulare Marker. Da sind die Wissenschaftler der Grundlagenforschung gefragt, die nur im Zusammenspiel mit den klinisch tätigen Wissenschaftlern dann auch den nächsten Schritt in die Tiefe - den zu den Ursachen - angehen können. Die Tatsache, dass sich bei dieser Tagung diese beiden Bereiche gegenseitig befruchten und weiter bringen können, ist eine entscheidende Stärke und ein Hauptfeld der Leipziger Jahrestagung."

Uwe Niemann

weitere Informationen:

Prof. Dr. Ralf Paschke
Telefon: 0341 97-13201
E-Mail: ralf.paschke@medizin.uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~innere

Weitere Berichte zu: Jodmangel Who

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Innovation – the name of the game
18.07.2018 | Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH)

nachricht Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht
17.07.2018 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics