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82. Internationale Bunsen-Tagung "Mit molekularen Fingerabdrücken die Qualität sichern"

20.02.2004


Tabletten werden heutzutage in riesigen Mengen und in großer Geschwindigkeit hergestellt. Ist jedoch in jeder Tablette die erwünschte Wirkstoffmenge in der richtigen Kristallform enthalten und liegt dieser in einer optimalen Verteilung vor? Eine solche Qualitätsprüfung ist bisher nur in Stichproben möglich. Doch in Zukunft sollte es möglich sein, die Großserie berührungslos und zerstörungsfrei zu kontrollieren, davon ist Prof. Dr. Jürgen Popp (37) von der Universität Jena überzeugt. "Um die Verteilung des Wirkstoffs in der Tablette zu prüfen, brauche ich molekulare Informationen", sagt der Lehrstuhlinhaber für Physikalische Chemie II. "Und die kann ich über die Spektroskopie erlangen", weiß der Jenaer Experte. Popp und seine nationalen und internationalen Kolleginnen und Kollegen werden die Technik und ihre vielfältigen Einsatzfelder während der 82. Internationalen Bunsen-Tagung präsentieren. Sie findet vom 29. Februar bis 2. März an der Friedrich-Schiller-Universität Jena statt.



Zur anwendungsbezogenen Veranstaltung "Raman- und Infrarot-Spektroskopie in Biologie und Medizin" werden rund 150 Teilnehmer aus Wissenschaft und Wirtschaft aus ganz Europa erwartet. "Es kommen Leute mit Weltruf nach Jena, die fachübergreifende Vorträge halten werden", erklärt Tagungsorganisator Popp. Ziel dieser Veranstaltung ist vor allem die Förderung der Kommunikation zwischen Wissenschaftlern, etwa aus der Medizin, Pharmazie und Biologie, und Spektroskopikern, die zeigen, wie und wo Schwingungsspektroskopie inzwischen eingesetzt werden kann. Daneben sollen aber die Industriepraktiker den Spektroskopie-Experten aufzeigen, wo die Methoden zusätzlich zur Anwendung kommen können. Entsprechend breit ist das Themenspektrum der Tagung, das von der Gesundheitsdiagnostik über Infektionsnachweise und Lebensmittelkontrolle bis zu Prozessanalysetechnologien in der Pharmabranche reicht. Daneben gibt es eine große Industrie-Ausstellung, an der sich alle führenden Spektrometer-Hersteller beteiligen, und ein eigenes Diskussionsforum um das Thema "Wissenschaft trifft Industrie".



Bei der Spektroskopie werden mittels Lichtstreu- bzw. Lichtabsorptionsexperimenten spezifische Spektren von den Proben (z. B. gesundes bzw. krankes Gewebe, Krankheitserreger, landwirtschaftliche Produkte, pharmazeutische Formulierungen) gemessen, die einen individuellen Fingerabdruck der Substanzen ermöglichen. Mit diesem Fingerabdruck können selbst winzigste Mengen des Inhaltsstoffs nachgewiesen werden. Die Technik ist derzeit noch ziemlich aufwändig, "doch für ihren Einsatz gibt es einen gigantischen Markt", ist Prof. Popp überzeugt. So existiert für manche Anwendungen keine vergleichbare zerstörungsfreie Analysemethode in der Qualitätssicherung als die Schwingungsspektroskopie. Mit ihrer Hilfe könnte zukünftig etwa die Qualität des Fleisches untersucht und dabei ermittelt werden, ob beispielsweise beim Transport des Steaks einmal die Kühlkette durchbrochen wurde, nennt Popp einen potenziellen Einsatzzweck. Auch im Bereich der Medizin, etwa in der Krebsdiagnostik, hat die Methode "ein riesiges Potenzial", ist der Jenaer Wissenschaftler überzeugt. Die Technik existiert hier zwar schon, muss aber natürlich für jede Krebsform angepasst werden. Und vor allem muss die Methode stärker in die Praxis eingeführt werden.

Dazu soll die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und verschiedenen Firmen geförderte Tagung in Jena dienen. "Sie ist unter anderem gemacht für Leute, die nichts mit dieser Art der Spektroskopie zu tun haben, sie aber in ihrem Bereich sinnvoll einsetzen könnten", unterstreicht Popp.

"Die Wissenschaftler auf dem Gebiet der Schwingungsspektroskopie müssen schnelle optische Methoden entwickeln und wollen in Zukunft in Kooperation mit Industriepartnern versuchen, diese auf einen Massenmarkt zu bringen", heißt das ambitionierte Ziel des Jenaer Experten. So wird es ein Ziel bei der Qualitätsanalyse von Tabletten, möglichst viele pro Sekunde komplett zu untersuchen.

Kontakt:

Dr. Marion Strehle
Institut für Physikalische Chemie der Universität Jena
Helmholtzweg 4, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 9483-20, Fax: -02
E-Mail: Marion.Strehle@uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.risbm.de

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