Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unheimliche Begegnungen der deutschen Art

20.08.2003


Psychoanalytiker tagen vom 19.-20. September an der Universität Jena



"Skinheads überfallen Ausländer in Mecklenburg": Typisch Osten, denken viele Westdeutsche bei Schlagzeilen wie dieser. Statt in den geplanten Rügen-Urlaub fahren sie dann lieber doch wieder nach Sylt - ihre Landsleute in den Ost-Bundesländern sind ihnen manchmal einfach zu wenig geheuer. Woher kommt dieses Gefühl? Finden Deutsche aus West und Ost am jeweils anderen vielleicht gerade das unheimlich, was sie an sich selber nicht akzeptieren und deshalb verdrängen - zum Beispiel Aggressionen gegen Ausländer? Die Kommission West-Ost der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) wird auf ihrer Jahrestagung dieser Frage nachgehen. Das Symposium mit dem Titel "Das ’Unheimliche’ in der deutsch-deutschen Begegnung" findet vom 19.-20. September an der Friedrich-Schiller-Universität Jena statt.

... mehr zu:
»DPV


Orientieren wird sich die Tagung an Sigmund Freuds Aufsatz "Das Unheimliche" von 1919. "Nach Freud überkommt uns das Gefühl des Unheimlichen immer dann, wenn uns etwas von früher her Vertrautes, aber Abgewehrtes begegnet", sagt Prof. Dr. Dr. Günter Jerouschek von der Friedrich-Schiller-Universität, der das Symposium ausrichtet. "Wenn Ost- und Westdeutsche etwas Unheimliches aneinander entdecken, ist es oft ein Überbleibsel aus ihrer gemeinsamen Geschichte vor 1945", meint der Jurist und Psychoanalytiker und erklärt: "Diese Geschichte haben die beiden deutschen Nachkriegsgesellschaften auf verschiedene Weise verdrängt: So wurde zum Beispiel in der DDR die Schuld an der NS-Diktatur pauschal dem ’Klassenfeind’ im Westen zugeschoben, während in der Bundesrepublik vor allem seit 1968 die so genannten ’typisch deutschen’ Tugenden wie Unterordnung und Pflichterfüllung verpönt waren." Seit 1990 leben die Deutschen wieder in einem gemeinsamen Staat - "und reagieren beunruhigt und befremdet, wenn sie sich gegenseitig an ihre verdrängte Vergangenheit erinnern", bringt Jerouschek die psychoanalytische Deutung der deutsch-deutschen Unheimlichkeit auf den Punkt.

Wie in jedem Jahr werden sich die Teilnehmer am DPV-Symposium wieder in Referaten, Diskussionsrunden und Gruppenarbeit mit dem Tagungsthema auseinander setzen - und können dabei die verschiedenen Perspektiven und Deutungsmuster von Ost- und Westdeutschen im persönlichen Kontakt erfahren. Besonders gespannt ist Jerouschek auf den Eröffnungsvortrag "Die ’langen Schatten der Vergangenheit’. Unterschiedliche Vergangenheitsbewältigung in Ost und West", den der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, Prof. Dr. Volkhard Knigge, halten wird. Der Historiker mit psychoanalytischer Zweitausbildung ist über die Fachwelt hinaus als hervorragender Kenner der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte ausgewiesen und lehrt seit einem Jahr als Honorarprofessor für das Fachgebiet "Geschichte und Öffentlichkeit" an der Universität Jena.

Die Kommission West-Ost der DPV besteht seit 1990. Mit ihren seit 1993 jährlich abgehaltenen Symposien will sie Psychotherapeuten ein Forum bieten, auf dem Erfahrungen mit deutsch-deutschen Kommunikationsproblemen ausgetauscht werden können. In diesem Jahr findet die Tagung bereits zum zweiten Mal in Jena statt. "In Jena, besonders an seiner Universität, hat die Begegnung von Ost und West seit der Wende eine sehr anregende kulturelle Mischung hervorgebracht", beobachtet Jerouschek. Der gebürtige Schwabe, der in Jena als Psychoanalytiker praktiziert, ist sich sicher: "In diesem Umfeld ist das Symposium genau am richtigen Platz."

Psychotherapeuten mit Interesse an der Psychoanalyse, Mitglieder der DPV sowie Ausbildungskandidaten aus Ost und West sind herzlich zu der Jenaer Tagung eingeladen. Die Teilnahmegebühr beträgt 55 Euro.

Anmeldung und Kontakt:
Prof. Dr. Dr. Günter Jerouschek
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Jena
Carl-Zeiß-Str. 3
07743 Jena
Tel.: 03641 / 942310 oder 03641 / 443444
Fax: 03641 / 942312
E-Mail: G.Jerouschek@recht.uni-jena.de

Axel Burchardt | idw

Weitere Berichte zu: DPV

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Analyse internationaler Finanzmärkte
10.12.2019 | Universität Heidelberg

nachricht QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien
04.12.2019 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das feine Gesicht der Antarktis

Eine neue Karte zeigt die unter dem Eis verborgenen Geländeformen so genau wie nie zuvor. Das erlaubt bessere Prognosen über die Zukunft der Gletscher und den Anstieg des Meeresspiegels

Wenn der Klimawandel die Gletscher der Antarktis immer rascher Richtung Meer fließen lässt, ist das keine gute Nachricht. Denn dadurch verlieren die gefrorenen...

Im Focus: Virenvermehrung in 3D

Vaccinia-Viren dienen als Impfstoff gegen menschliche Pockenerkrankungen und als Basis neuer Krebstherapien. Zwei Studien liefern jetzt faszinierende Einblicke in deren ungewöhnliche Vermehrungsstrategie auf atomarer Ebene.

Damit Viren sich vermehren können, benötigen sie in der Regel die Unterstützung der von ihnen befallenen Zellen. Nur in deren Zellkern finden sie die...

Im Focus: Virus multiplication in 3D

Vaccinia viruses serve as a vaccine against human smallpox and as the basis of new cancer therapies. Two studies now provide fascinating insights into their unusual propagation strategy at the atomic level.

For viruses to multiply, they usually need the support of the cells they infect. In many cases, only in their host’s nucleus can they find the machines,...

Im Focus: Cheers! Maxwell's electromagnetism extended to smaller scales

More than one hundred and fifty years have passed since the publication of James Clerk Maxwell's "A Dynamical Theory of the Electromagnetic Field" (1865). What would our lives be without this publication?

It is difficult to imagine, as this treatise revolutionized our fundamental understanding of electric fields, magnetic fields, and light. The twenty original...

Im Focus: Hochgeladenes Ion bahnt den Weg zu neuer Physik

In einer experimentell-theoretischen Gemeinschaftsarbeit hat am Heidelberger MPI für Kernphysik ein internationales Physiker-Team erstmals eine Orbitalkreuzung im hochgeladenen Ion Pr9+ nachgewiesen. Mittels einer Elektronenstrahl-Ionenfalle haben sie optische Spektren aufgenommen und anhand von Atomstrukturrechnungen analysiert. Ein hierfür erwarteter Übergang von nHz-Breite wurde identifiziert und seine Energie mit hoher Präzision bestimmt. Die Theorie sagt für diese „Uhrenlinie“ eine sehr große Empfindlichkeit auf neue Physik und zugleich eine extrem geringe Anfälligkeit gegenüber externen Störungen voraus, was sie zu einem einzigartigen Kandidaten zukünftiger Präzisionsstudien macht.

Laserspektroskopie neutraler Atome und einfach geladener Ionen hat während der vergangenen Jahrzehnte Dank einer Serie technologischer Fortschritte eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Analyse internationaler Finanzmärkte

10.12.2019 | Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Titin in Echtzeit verfolgen

13.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

LogiMAT 2020: Automatisierungslösungen für die Logistik

13.12.2019 | Messenachrichten

Das feine Gesicht der Antarktis

13.12.2019 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics