Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Novartis fördert Dialog über Forschung und Ethik

23.08.2002


So nützlich die Forschung an Embryonen für die Bekämpfung von Krankheiten auch sein könnte, so wichtig ist der gesellschaftliche Dialog über deren Möglichkeiten und Grenzen

Nutzen und Risiken sind gegeneinander abzuwägen und die Demokratie hat zu entscheiden, was erlaubt ist oder nicht. Dieses Fazit zogen die Podiumsteilnehmer einer öffentlichen Veranstaltung, die heute in Neuenburg stattfand. Im Rahmen der Expo diskutierten der Philosoph Hans-Peter Schreiber, Bischof Kurt Koch, Novartis-Forschungschef Paul Herrling und Nationalrätin Ursula Wyss (SP/BE). Zum Dialog eingeladen hatte Novartis.

Viele Fragen stellen sich: Wird der künftige Mensch genetisch massgeschneidert sein? Ist sein Aussehen eine Frage der genetischen Gestaltung? Werden genetisch verursachte Krankheiten von diesem Planet ausgerottet werden? Erstmals in der Geschichte der Menschheit wird es möglich, auf solche Fragen überhaupt einzugehen und mit gezielten Eingriffen am Erbgut des Menschen Veränderungen vorzunehmen, die Auswirkungen auf künftige Generationen haben können.

Die Referenten des Novartis-Dialogs waren sich einig: So nützlich die Forschung an Embryonen für die Bekämpfung von Krankheiten auch sein könnte, so wichtig ist der gesellschaftliche Dialog über deren Möglichkeiten und Grenzen.

Novartis-Forschungschef Paul Herrling - der in die wissenschaftliche Debatte einführte, beschrieb das Potenzial der Stammzellforschung. Aus embryonalen Stammzellen lassen sich verschiedene Zelltypen gewinnen (Herz, Blut, Haut, Gehirn etc). Herrling verwies zudem auch auf das Potenzial adulter Stammzellen, die erwachsenen Menschen entnommen werden könnten. Die Stammzell-Forschung könne ein weites Feld therapeutischer Anwendungen abdecken. Als Beispiele nannte Herrling Parkinson, Alzheimer, Rückenmarksverletzungen oder auch chronische Schmerzen. Gleichzeitig warnte Herrling aber auch vor verfrühten Hoffnungen. Er verwies auf die Komplexität der Materie und benannte Fragestellungen, die erst noch geklärt werden müssten, bevor der Nutzen offensichtlich werden könne.

Der Novartis-Ethikrat zu Stammzell-Fragen, der vom Basler Ethikprofessor Hans-Peter Schreiber geleitet wird, sei ein gutes Instrument, hier die Balance zwischen Forschungsfreiheit und gesellschaftlichen Erfordernissen abzuwägen. Er kann zwar den Verantwortlichen Entscheide nicht abnehmen, aber intuitive Abwägungen ersetzen durch Kriterien und Verfahren.

Hans-Peter Schreiber wies u.a. darauf hin, dass das Wissen und Können in der modernen Biomedizin mit rasender Geschwindigkeit wachse und in Grenzbereiche menschlicher Existenz führe, die man früher in der Hand des Schicksal oder der Allmacht Gottes wusste, wie Zeugung, Geburt, Krankheit und Sterben. Heute sind, wie Schreiber ausführte, in diesen Grenzsituationen gestaltende Eingriffe möglich geworden. Der Pluralismus unserer Werthaltungen in Verbindung mit der Eröffnung neuer biomedizinischer Eingriffsmöglichkeiten, erweitert nicht nur unsere individuellen Entscheidungsmöglichkeiten, sondern führt uns auch in immer schwierigere Entscheidungssituationen. Zwischen Ablehnung und Akzeptanz, Ängsten und Hoffnungen entsteht ein gesellschaftliches Konfliktpotenzial, das u. a. auch nach gesetzlicher Regulierung ruft. Zur Embryonen- und Stammzellforschung liegt in der Schweiz derzeit ein solcher Gesetzesentwurf vor, der diese Forschung unter strengen Auflagen grundsätzlich ermöglichen soll. Dabei geht es vor allem um die Klärung vieler rechtlicher, ethischer und sozialpolitischer Fragen.

Bischof Kurt Koch erwies sich als skeptische Stimme. Die katholische Kirche lehne jede Verwendung von Vorformen menschlichen Lebens zu Forschungszwecken ab. Koch warnte vor der künstlichen Herstellung von Embryonen zu Forschungszwecken. Er fürchtet ein schrittweises Vorgehen. Mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle sei das vollständige Entwicklungspotenzial des neuen Menschen gegeben, das zu schützen sei.

Im angeregten Dialog mit dem Publikum konnten die Argumente der Panel-Teilnehmer vertieft werden. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Bioethik-Woche statt, die Novartis gemeinsam mit der Gesellschaft für Biomedizinische Ethik (SGBE) und der Nationalen Ethikkommission (NEK) diese Woche durchführte. Debattieren über die künftige Entwicklung der medizinischen Forschung: das war Ziel und Zweck dieser Neuenburger Bioethik-Tage.

Die Novartis AG (NYSE: NVS) ist ein weltweit führendes Unternehmen im Gesundheitswesen mit seinem Kerngeschäft in den Bereichen Pharma, Consumer Health, Generika, Augenheilmittel und Tiergesundheit. Im Jahr 2001 erzielte der Konzern einen Umsatz von CHF 32,0 Milliarden (USD 19,1 Milliarden) und einen Reingewinn von CHF 7,0 Milliarden (USD 4,2 Milliarden). Der Konzern investierte rund CHF 4,2 Milliarden (USD 2,5 Milliarden) in Forschung und Entwicklung. Novartis hat ihren Sitz in Basel (Schweiz). Die Novartis Konzerngesellschaften beschäftigen rund 74 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in über 140 Ländern.

| ots
Weitere Informationen:
http://www.novartis.com

Weitere Berichte zu: CHF

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen
19.07.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Innovation – the name of the game
18.07.2018 | Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen

19.07.2018 | Studien Analysen

Mit dem Nano-U-Boot gezielt gegen Kopfschmerzen und Tumore

19.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics