Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Signalproteine als Dirigenten des Lebens

22.04.2002


Eröffnung eines biomedizinischen Sonderforschungsbereiches und Graduiertenkollegs am 24. April an der Universität Jena

Bei der Beantwortung der Frage "Wie funktioniert Leben?" spielen Eiweiße eine wichtige Rolle. Diese Proteine genannten Moleküle steuern Wachstum und Funktionen von Zellen. Ihre Erforschung ist Teil des biomedizinischen Schwerpunktes der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Dort werden am 24. April ab 14 Uhr in der Aula (Fürstengraben 1) im Rahmen der öffentlichen Veranstaltung "Die postgenomische Herausforderung" ein Sonderforschungsbereich (SFB) und ein Graduiertenkolleg zum Themenkomplex eröffnet.

Das Graduiertenkolleg 768 "Biomolekulare Schalter" ist zum Monatsbeginn eingerichtet worden. Hier erhalten bis zu zehn hochqualifizierte Stipendiaten die Chance zu erforschen, wie die Funktion ausgewählter Proteine durch Änderungen der Proteinstruktur reguliert wird. Kompliziert wird die Forschung durch die aktuellen Erkenntnisse, dass ein und dasselbe Protein für unterschiedliche Funktionen zuständig ist. "Diese unterschiedliche ’Formgebung’ kann durch chemische Veränderungen erfolgen", erklärt Prof. Dr. Stefan H. Heinemann. "Einige der Doktoranden", sagt der Sprecher des Graduiertenkollegs, "beschäftigen sich daher mit der Frage, über welche Mechanismen solche Proteinmodifikationen erfolgen und welche funktionellen Konsequenzen daraus erwachsen". Andere Teilnehmer des Kollegs untersuchen, wann und wie Proteine auch ohne chemische Veränderungen in unterschiedlichen Funktionszuständen vorliegen und welche Funktionen sie erfüllen. "Im Rahmen des Graduiertenkollegs betrachten wir Proteine als ’Biomolekulare Schalter’, die in unterschiedlichen Zuständen vorkommen können", unterstreicht Heinemann. "Es werden die Mechanismen untersucht, mit denen diese Bio-Schalter gewissermaßen von der Zelle programmiert werden, um bestimmten Anforderungen zu genügen" fasst der Kolleg-Sprecher zusammen.

Das Graduiertenkolleg wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Thüringen zunächst für drei Jahre mit rund 750.000 Euro unterstützt. Beteiligt sind Arbeitsgruppen aus der Medizinischen sowie der Biologisch-Pharmazeutischen Fakultät der Universität Jena, die den Doktoranden ein effektives Forschen in diesem "Center of Excellence" ermöglichen.

Der zum Jahresbeginn gegründete Sonderforschungsbereich 604 "Multifunktionelle Signalproteine" widmet sich mit molekular-zellbiologischen Ansätzen ebenfalls der Untersuchung von Proteinen. Die Wissenschaftler aus mehreren Bereichen der Jenaer Universität sowie dem Hans-Knöll-Institut für Naturstoff-Forschung und dem Institut für Molekulare Biotechnologie wollen grundlegende Erkenntnisse darüber sammeln, wie das Protein seinen ’Arbeitsauftrag’ an die Zelle weitergibt. "Ziel der Forschungen zu den Wechselwirkungen von Signalproteinen in Zellen ist es, das Netzwerk der Kommunikation in den Zellen besser zu verstehen", fasst SFB-Sprecher Prof. Dr. Reinhard Wetzker zusammen. Die Grundlagenforschungen sollen zum einen dabei helfen, die Prinzipien zellulärer Regulationsprozesse besser zu verstehen. Dies wird auch bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe - und daraus hervorgehender Medikamente - helfen. Zu diesem Zweck existieren Kooperationen mit Klinischen Forschern, um neue Wege zur Diagnose und Behandlung von ’Signaltransduktionskrankheiten’ zu entwickeln. Daneben wollen die Jenaer Wissenschaftler mit Unterstützung der Industrie auch methodische Entwicklungsarbeit leisten. "Zur Suche nach unbekannten Wechselwirkungen von Signalproteinen in Zellen sollen Screening-Techniken und Methoden der Proteomics genutzt werden", erläutert Wetzker an einem Beispiel.

Die 15 Arbeitsgruppen des neuen SFB werden von der DFG in den nächsten drei Jahren mit insgesamt rund 2,8 Millionen Euro gefördert. Eine weitere Finanzierung ist danach möglich, wenn die Forschungsergebnisse von externen Gutachtern geprüft und für exzellent befunden werden.

Ansprechpartner
- für das Graduiertenkolleg: Prof. Dr. Stefan H. Heinemann

... mehr zu:
»DFG »Signalprotein

Tel.: 03641 / 304540, Fax: 03641 / 304542, E-Mail: ite@rz.uni-jena.de
- für den SFB: Prof. Dr. Reinhard Wetzker
Tel.: 03641 / 304460, Fax: 03641 / 304462, E-Mail: i5rewe@rz.uni-jena.de

Monika Paschwitz | idw

Weitere Berichte zu: DFG Signalprotein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen
14.12.2018 | Haus der Technik e.V.

nachricht Pro und Contra in der urologischen Onkologie
14.12.2018 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wenn sich Atome zu nahe kommen

„Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält“ - dieses Faust’sche Streben ist durch die Rasterkraftmikroskopie möglich geworden. Bei dieser Mikroskopiemethode wird eine Oberfläche durch mechanisches Abtasten abgebildet. Der Abtastsensor besteht aus einem Federbalken mit einer atomar scharfen Spitze. Der Federbalken wird in eine Schwingung mit konstanter Amplitude versetzt und Frequenzänderungen der Schwingung erlauben es, kleinste Kräfte im Piko-Newtonbereich zu messen. Ein Newton beträgt zum Beispiel die Gewichtskraft einer Tafel Schokolade, und ein Piko-Newton ist ein Millionstel eines Millionstels eines Newtons.

Da die Kräfte nicht direkt gemessen werden können, sondern durch die sogenannte Kraftspektroskopie über den Umweg einer Frequenzverschiebung bestimmt werden,...

Im Focus: Datenspeicherung mit einzelnen Molekülen

Forschende der Universität Basel berichten von einer neuen Methode, bei der sich der Aggregatzustand weniger Atome oder Moleküle innerhalb eines Netzwerks gezielt steuern lässt. Sie basiert auf der spontanen Selbstorganisation von Molekülen zu ausgedehnten Netzwerken mit Poren von etwa einem Nanometer Grösse. Im Wissenschaftsmagazin «small» berichten die Physikerinnen und Physiker von den Untersuchungen, die für die Entwicklung neuer Speichermedien von besonderer Bedeutung sein können.

Weltweit laufen Bestrebungen, Datenspeicher immer weiter zu verkleinern, um so auf kleinstem Raum eine möglichst hohe Speicherkapazität zu erreichen. Bei fast...

Im Focus: Data storage using individual molecules

Researchers from the University of Basel have reported a new method that allows the physical state of just a few atoms or molecules within a network to be controlled. It is based on the spontaneous self-organization of molecules into extensive networks with pores about one nanometer in size. In the journal ‘small’, the physicists reported on their investigations, which could be of particular importance for the development of new storage devices.

Around the world, researchers are attempting to shrink data storage devices to achieve as large a storage capacity in as small a space as possible. In almost...

Im Focus: Data use draining your battery? Tiny device to speed up memory while also saving power

The more objects we make "smart," from watches to entire buildings, the greater the need for these devices to store and retrieve massive amounts of data quickly without consuming too much power.

Millions of new memory cells could be part of a computer chip and provide that speed and energy savings, thanks to the discovery of a previously unobserved...

Im Focus: Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

Wiener Quantenforscher der ÖAW realisierten in Zusammenarbeit mit dem AIT erstmals ein quantenphysikalisch verschlüsseltes Netzwerk zwischen vier aktiven Teilnehmern. Diesen wissenschaftlichen Durchbruch würdigt das Fachjournal „Nature“ nun mit einer Cover-Story.

Alice und Bob bekommen Gesellschaft: Bisher fand quantenkryptographisch verschlüsselte Kommunikation primär zwischen zwei aktiven Teilnehmern, zumeist Alice...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kommunikation zwischen neuronalen Netzwerken

17.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Beim Phasenübergang benutzen die Elektronen den Zebrastreifen

17.12.2018 | Physik Astronomie

Pharmazeuten erzielen Durchbruch bei Suche nach magensaftbeständigen Zusätzen für Medikamente

17.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics