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Mehr Sprachen - mehr Europa

22.02.2002


Bundeskongress des Fachverbandes Moderne Fremdsprachen
in Halle

Vom 21. bis 24. März 2002 treffen sich in Halle an der Saale cirka 1000 Fremdsprachenlehrerinnen und -lehrer zum Bundeskongress des Fachverbandes Moderne Fremdsprachen unter dem Motto "Mehr Sprachen - mehr Europa". Den Schwerpunkt in diesem Jahr bilden die slawischen Sprachen. Der Kongress, der in diesem Jahr erstmals in den neuen Bundesländern stattfindet, wird vom bundesweiten Fachverband Moderne Fremdsprachen veranstaltet und vom Landesverband Sachsen-Anhalt in Kooperation mit den Sprachlehrerverbänden sowie dem Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg organisiert. Die Eröffnung findet am 21. März 2002, 20:00 Uhr im Hotel Maritim (Riebeckplatz) statt.

Das Grundanliegen des über 100 Jahre alten Fachverbandes besteht darin, für Pluralität im Fremdsprachenangebot an Schulen und Universitäten zu sorgen. Während in den Bildungseinrichtungen der DDR eine starre Russisch-Pflicht bestand, begnügte sich die alte Bundesrepublik vor 1989 im Wesentlichen mit der Vermittlung von Englisch- und Französischkenntnissen. Das heutige Europa ermöglicht nicht nur etwas Neues, sondern erfordert es, den Blick auf Osteuropa zu richten. Noch immer wird in Deutschland der Tatsache, dass Menschen über Sprachen fremde Kulturen kennen lernen können, zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Hauptursache des ineffizienten Fremdsprachenunterrichts in Deutschland sieht Dr. Bernhard Frenzel vom Institut für Slawistik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg darin, dass nicht perspektivisch genug gedacht wird.

An die Stelle der viele Jahre andauernden Vermittlung von nur einer oder zwei Sprachen sollte das früher beginnende Erlernen mehrerer Fremdsprachen in jeweils kürzeren Zeitabschnitten treten. Dies macht eine professionalisierte Lehrerschaft erforderlich, die erziehungs-, fachwissenschaftlich und fachdidaktisch ausgebildet sein muss. Die Bedeutung der Sprachdidaktik jedoch wird in Deutschland bislang unterschätzt. Das Wissenschaftsgebiet befindet sich in der Balance zwischen Theorie und Schulpraxis; diese Position wiederum ruft Legitimationsprobleme hervor.

Am Beispiel der russischen Sprache verdeutlicht Bernhard Frenzel, der selbst Fachdidaktik lehrt, wozu perspektivloses Agieren in seinem Wissenschaftsgebiet geführt hat: Deutschlandweit bilden zwei wissenschaftliche Mitarbeiter, zwei Dozentinnen und eine Professorin die künftigen Lehrerinnen und Lehrer in der Didaktik des Russischen aus. Der Lehrstuhl, der in kurzer Zeit aus Altersgründen neu zu besetzen ist, wird leer bleiben, da in den letzten zehn Jahren keine einschlägige Habilitationsschrift eingereicht wurde. Damit droht ein Wissenschaftszweig aus zu sterben, der gerade vor dem Hintergrund der Osterweiterung der EU nachdrücklich benötigt wird.

Es gibt Bemühungen, dieses Aussterben zu verhindern: beispielsweise das Kolloquium zum Russischunterricht, das seit 1994 am Institut für Slawistik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg stattfindet. Bernhard Frenzel, der auch als Bundesvorsitzender der Fachgruppe Slawische Sprachen im Bundesvorstand des Fachverbandes Moderne Fremdsprachen tätig ist, veranstaltet es in diesem Jahr zum dritten Mal, jedoch erstmalig im Rahmen des Bundeskongresses. Einen Schwerpunkt des Kolloquiums bildet das in Deutschland einmalige Zentrum zur Zertifizierung von Russischkenntnissen am Institut für Slawistik, das im Rahmen eines Vertrages der Martin-Luther-Universität mit der Lomonossow-Universität Moskau arbeitet. Darüber hinaus sollen Aspekte der Internetnutzung im Russischunterricht diskutiert werden.

Kontakt:
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Slawistik
06099 Halle (Saale)
Dr. Bernhard Frenzel
Tel.: (0345) 55 235 61
Fax: (0345) 55 270 46
E-Mail: frenzel@slavistik.uni-halle.de

Ingrid Godenrath | idw

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