Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom Retortenbaby bis zur Pille für den Mann

27.08.2001


Während die Weltbevölkerung mittlerweile längst die Sechs-Milliarden-Grenze überschritten hat und das Problem der Überbevölkerung zu immer verheerenderen Folgen für Menschen und Umwelt führt, lastet auf vielen Paaren in der westlichen Welt ein großer Leidensdruck, weil sich der gewünschte Nachwuchs partout nicht einstellt. Verträgliche Lösungen für beide Problemkreise werden von der gegenüber anderen medizinischen Fachgebieten noch jungen Reproduktionsmedizin erwartet, die sich der Erforschung der komplexen Mechanismen der menschlichen Fortpflanzung, der Behandlung ihrer Störungen sowie der Suche nach neuen Möglichkeiten zur Empfängnisverhütung verschrieben hat. Die bundesweit bislang einzige Universität, die über einen eigenen Lehrstuhl für dieses Fachgebiet verfügt, ist die Universität Münster. Am 1. September 2001 begeht das Institut für Reproduktionsmedizin des Universitätsklinikums Münster im Rahmen eines wissenschaftlichen Festsymposiums sein "Silberjubiläum".

Keimzelle des Instituts, das heute insbesondere durch seine innovativen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der männlichen Fertilität international hohe Reputation genießt, war die 1976 gegründete Abteilung für Experimentelle Endokrinologie an der münsterschen Universitäts-Frauenklinik. Von Anfang an war es das Ziel des damaligen Abteilungsleiters und heutigen Direktors des Instituts für Reproduktionsmedizin, Prof. Dr. Eberhard Nieschlag, und des damaligen Direktors der Frauenklinik, Prof. Dr. Hermann P. G. Schneider, ein Zentrum zu schaffen, in dem Frauen und Männer gleichberechtigt betreut werden. "Dass es ein solcher Erfolg werden würde, entsprach unseren kühnsten Träumen", blickt Nieschlag auf die "Gründerzeit" zurück.

Doch schon bald nahmen die ehrgeizigen Pläne, ein modernes Konzept der Reproduktionsmedizin zu entwickeln und umzusetzen, konkretere Gestalt an. 1980 richtete die Max-Planck-Gesellschaft an der Universität Münster unter der Leitung von Prof. Nieschlag eine Klinische Forschergruppe für Reproduktionsmedizin ein, wodurch die Forschungen auf diesem zukunftsträchtigen Gebiet in hohem Maße vorgetrieben werden konnten. Die erfolgreiche Arbeit gipfelte neun Jahre später schließlich in der Zusammenführung der Abteilung für Experimentelle Endokrinologie und der klinischen Forschergruppe zum heutigen Institut für Reproduktionsmedizin.
Im selben Jahr richtete die deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) an diesem Institut eine Forschergruppe ein, seit 1995 besteht eine konfokale DFG-Forschergruppe gemeinsam mit der Universität Hamburg. Beide Forschergruppen konzentrieren sich auf Aspekte der männlichen Fortpflanzungsfunktionen.

Für erstes größeres Aufsehen sorgte am Pfingstmontag des Jahres 1984 ein kleines Mädchen, das im Universitätsklinikum Münster zur Welt kam: Es war das erste "Retortenbaby" in Nordrhein-Westfalen - erstes sichtbares Ergebnis erfolgreicher klinisch-wissenschaftlicher Arbeit im Bereich der Fortpflanzungsmedizin. Kinderlosen Ehepaaren doch noch zum ersehnten Baby zu verhelfen, ist auch heute nach wie vor einer der Schwerpunkte des Instituts, das auf diesem Gebiet eng mit der Frauenklinik kooperiert. Ihr Hauptaugenmerk legen die derzeit rund 50 Mitarbeiter - darunter seit Jahren auch immer viele Wissenschaftler aus dem Ausland - heute jedoch auf die Andrologie. Das Interesse an der Männerheilkunde ist in den letzten Jahren weltweit gestiegen, wobei dem Institut in Münster eine Vorreiterrolle zukommt. Immerhin vier von 16 Zentren der Europäischen Akademie für Andrologie sind heute an deutschen Universitäten angesiedelt, eines davon in Münster. Das Interesse der münsterschen Wissenschaftler richtet sich dabei unter anderem auf mögliche Störungen der männlichen Zeugungsfähigkeit sowie auf die Probleme des alternden Mannes.

Die größte Aufmerksamkeit nicht nur in der internationalen Fachwelt, sondern auch in einer breiten Öffentlichkeit haben die münsterschen Reproduktionsmediziner jedoch im Laufe der Jahre immer wieder durch ihre Forschungen auf dem Gebiet der männlichen Empfängnisverhütung erfahren. Die Entwicklung einer "Pille für den Mann" ist untrennbar mit dem Institut für Reproduktionsmedizinin Münster verbunden. Nach anfänglichem Zögern ist jetzt auch die Pharmaindustrie eingestiegen. "Zu unseren großen Erfolgen gehört es", so Nieschlag, "in jahrelanger mühsamer Forschung so viel Vorarbeit geleistet zu haben, dass seit drei Jahren zwei namhafte Pharmafirmen an der klinischen Entwicklung arbeiten und, unter anderem mit uns, Studien zur Effektivität durchführen." Laut Nieschlag rechnen die Firmen mit einer Markteinführung bis zum Jahr 2006.

Jutta Reising | idw
Weitere Informationen:
http://medweb.uni-muenster.de/institute/repro/

Weitere Berichte zu: Endokrinologie Reproduktionsmedizin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Pro und Contra in der urologischen Onkologie
14.12.2018 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim
13.12.2018 | Universität Mannheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Data use draining your battery? Tiny device to speed up memory while also saving power

The more objects we make "smart," from watches to entire buildings, the greater the need for these devices to store and retrieve massive amounts of data quickly without consuming too much power.

Millions of new memory cells could be part of a computer chip and provide that speed and energy savings, thanks to the discovery of a previously unobserved...

Im Focus: Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

Wiener Quantenforscher der ÖAW realisierten in Zusammenarbeit mit dem AIT erstmals ein quantenphysikalisch verschlüsseltes Netzwerk zwischen vier aktiven Teilnehmern. Diesen wissenschaftlichen Durchbruch würdigt das Fachjournal „Nature“ nun mit einer Cover-Story.

Alice und Bob bekommen Gesellschaft: Bisher fand quantenkryptographisch verschlüsselte Kommunikation primär zwischen zwei aktiven Teilnehmern, zumeist Alice...

Im Focus: An energy-efficient way to stay warm: Sew high-tech heating patches to your clothes

Personal patches could reduce energy waste in buildings, Rutgers-led study says

What if, instead of turning up the thermostat, you could warm up with high-tech, flexible patches sewn into your clothes - while significantly reducing your...

Im Focus: Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

Zusammen mit einem Blutdrucksenker hemmt ein häufig verwendetes Diabetes-Medikament gezielt das Krebswachstum – dies haben Forschende am Biozentrum der Universität Basel vor zwei Jahren entdeckt. In einer Folgestudie, die kürzlich in «Cell Reports» veröffentlicht wurde, berichten die Wissenschaftler nun, dass dieser Medikamenten-Cocktail die Energieversorgung von Krebszellen kappt und sie dadurch abtötet.

Das oft verschriebene Diabetes-Medikament Metformin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern hat auch eine krebshemmende Wirkung. Jedoch ist die gängige...

Im Focus: Lethal combination: Drug cocktail turns off the juice to cancer cells

A widely used diabetes medication combined with an antihypertensive drug specifically inhibits tumor growth – this was discovered by researchers from the University of Basel’s Biozentrum two years ago. In a follow-up study, recently published in “Cell Reports”, the scientists report that this drug cocktail induces cancer cell death by switching off their energy supply.

The widely used anti-diabetes drug metformin not only reduces blood sugar but also has an anti-cancer effect. However, the metformin dose commonly used in the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

Show Time für digitale Medizin-Innovationen

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät

14.12.2018 | Medizin Gesundheit

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Cohesin treibt die Alterung von Blutstammzellen voran

14.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics