Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

»CRYO-BREHM« – eisiges Archiv der Wildtiere

27.05.2008
Mit neuer Technik und Methoden zur Stammzellisolierung archivieren Fraunhofer-Forscher den weltweiten Tierbestand. Gemeinsam mit mehreren zoologischen Gärten arbeiten sie an einer Sammlung tiefgefrorener Stammzellen von Wildtieren, dem »CRYO-BREHM«. Das Projekt steht in engem Bezug zur derzeit stattfindenden UN-Tagung zum Thema Biodiversität in Bonn.

Den weltweiten Tierbestand möglichst umfassend zu dokumentieren, war schon immer eine Herausforderung für die Wissenschaft und eine Verpflichtung gegenüber den uns nachfolgenden Generationen. Der deutsche Zoologe Alfred Brehm packte es im neunzehnten Jahrhundert mit einem populären Buch an: »BREHMS TIERLEBEN«.

Das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT im Saarland und die Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie EMB in Lübeck haben nun einen modernen Weg gewählt. Zusammen mit mehreren zoologischen Gärten gründeten sie den »CRYO-BREHM«, ein Lebendarchiv, das seit Anfang 2005 tiefgefrorene Stammzellen von Wildtieren sammelt. Unterstützt werden die Arbeiten vom Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium des Saarlandes und vom Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein.

»Das Tieffrieren ist die einzige Möglichkeit, Zellen lebend und dauerhaft aufzubewahren. Ganze Tiere, die größer sind als ein Stecknadelkopf, kann man bisher nicht lebend einfrieren und auftauen. Das ist auch nicht nötig, da sich in jeder Zelle die gesamte Information über die Art als auch das Individuum befindet«, sagt der IBMT-Direktor Prof. Dr. Günter R. Fuhr. Freilich braucht man viel Erfahrung, damit die Zellen bei der Isolation nicht geschädigt oder abgetötet werden. Die beiden Fraunhofer-Einrichtungen bringen das nötige Know-how mit, sie gelten als weltweit führend auf dem Gebiet der Kryokonservierung. »Kryos« kommt aus dem Griechischen und bedeutet Kälte oder Eis. Bei minus 145° Celsius, mit flüssigem Stickstoff gekühlt, bleiben die wertvollen Proben Tausende von Jahren erhalten. Würde man sie unter der Erdoberfläche lagern, wo die kosmische Strahlung stark abgeschwächt ist, wären es sogar Jahrzehntausende.

... mehr zu:
»Stammzelle

Die Vorgeschichte des CRYO-BREHM geht auf das Jahr 2004 zurück. Damals schuf eine EMB-Arbeitsgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Charli Kruse mit einem patentierten Verfahren zum Isolieren tierischer Stammzellen aus den verschiedensten Geweben die Voraussetzung für das biologische Zell-Archiv. Stammzellen eignen sich für diesen Zweck besonders gut, weil sie nicht nur alle Erbinformationen der jeweiligen Art enthalten, sondern sich auch vermehren und in andere Zelltypen umwandeln lassen. Vor drei Jahren begann die Zusammenarbeit mit dem Neunkircher Zoologischen Garten im Saarland. Inzwischen sind auch der Tierpark Hagenbeck in Hamburg, der Zoologische Garten Rostock und mehrere Forschungseinrichtungen dabei, weitere Partner sollen folgen. Vorgesehen ist, ein möglichst umfangreiches Zell-Archiv der wildlebenden Tiere aufzubauen. Stammzellen aus den verschiedensten Geweben – von Fischen über Vögel bis zu Säugetieren – liegen bereits vor.

Das Besondere ist: »Kein Tier muss dafür sterben oder auch nur Blut hergeben«, versichern Fuhr und Kruse. Spender für die Datenbank sind Zoo- und Wildtiere, die bei einem Unfall umkommen oder bei der Geburt sterben. Ihnen entnimmt ein Tierarzt nach dem Tod Gewebe, z. B. Drüsen, Haut und Knochenmark, aus dem dann die unterschiedlichen Stammzellen mit der Erfahrung der Lübecker Forscher isoliert werden. Wenn es um Tierarten geht, die vom Aussterben bedroht sind oder bei deren Stammzellpräparation Neuland betreten wird, schickt das Fraunhofer IBMT eigens ein mobiles Labor mit Mannschaft, das über Brutschränke und Kryotanks verfügt. Auch während der Fahrt kann in speziellen Geräten trotz Erschütterungen die Anzucht der empfindlichen Stammzellen erfolgen.

Hunderte dieser wertvollen Proben werden zur Sicherheit bereits an zwei Orten gelagert, im saarländischen Sulzbach und am EMB in Lübeck, wo demnächst nach dem saarländischen Modell eine moderne Kryobank entstehen wird. Beide Standorte bilden das Lebendarchiv, das der Dokumentation der Tierwelt und der Forschung dient. Bei Bedarf tauen Fraunhofer-Wissenschaftler eine Probe auf, vermehren die Zellen und versenden sie weltweit. Allerdings darf ein Teil als sicherer Bestand, die sogenannte »Back-up-Reserve«, nicht angetastet werden. Weltweit gibt es nur wenige ähnliche Einrichtungen wie den »CRYO-BREHM«, etwa den »Frozen Zoo« in San Diego (USA), die »Frozen Ark« in Großbritannien und die russische »Specialised Collection of Domestic and Wild Animals«.

Die Zusammenarbeit mit bisher drei zoologischen Gärten in der Freien Hansestadt Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland garantiert ein kontinuierliches Anwachsen der Bestände. Bei dieser generationsübergreifenden Mission ist bei vielen Tierarten keine Eile geboten, bei anderen schon. Deutschland leistet mit dieser Initiative schon seit längerem einen zukunftsweisenden Beitrag zur Dokumentation und Bewahrung des Artenreichtums auf unserer Erde.

Prof. Dr. Günter Fuhr | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.ibmt.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht 13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!
02.04.2020 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Europäischer Rheumatologenkongress EULAR 2020 wird zum Online-Kongress
30.03.2020 | Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenimaging: Unsichtbares sichtbar machen

Verschränkte Lichtteilchen lassen sich nutzen, um Bildgebungs- und Messverfahren zu verbessern. Ein Forscherteam am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena hat eine Quantenimaging-Lösung entwickelt, die in extremen Spektralbereichen und mit weniger Licht genaueste Einblicke in Gewebeproben ermöglichen kann.

Optische Analyseverfahren wie Mikroskopie und Spektroskopie sind in sichtbaren Wellenlängenbereichen schon äußerst effizient. Doch im Infrarot- oder...

Im Focus: Sensationsfund: Spuren eines Regenwaldes in der Westantarktis

90 Millionen Jahre alter Waldboden belegt unerwartet warmes Südpol-Klima in der Kreidezeit

Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Geowissenschaftlern des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI)...

Im Focus: A sensational discovery: Traces of rainforests in West Antarctica

90 million-year-old forest soil provides unexpected evidence for exceptionally warm climate near the South Pole in the Cretaceous

An international team of researchers led by geoscientists from the Alfred Wegener Institute, Helmholtz Centre for Polar and Marine Research (AWI) have now...

Im Focus: Blockierung des Eisentransports könnte Tuberkulose stoppen

Tuberkulose-Bakterien brauchen Eisen zum Überleben. Wird der Eisentransport in den Bakterien gestoppt, so kann sich der Tuberkulose-Erreger nicht weiter vermehren. Nun haben Forscher der Universität Zürich die Struktur des Transportproteins ermittelt, das für die Eisenzufuhr zuständig ist. Dies eröffnet Möglichkeiten zur Entwicklung neuer Medikamente.

Einer der verheerendsten Erreger, der sich im Inneren menschlicher Zellen vermehren kann, ist Mycobacterium tuberculosis – der Bazillus, der Tuberkulose...

Im Focus: Blocking the Iron Transport Could Stop Tuberculosis

The bacteria that cause tuberculosis need iron to survive. Researchers at the University of Zurich have now solved the first detailed structure of the transport protein responsible for the iron supply. When the iron transport into the bacteria is inhibited, the pathogen can no longer grow. This opens novel ways to develop targeted tuberculosis drugs.

One of the most devastating pathogens that lives inside human cells is Mycobacterium tuberculosis, the bacillus that causes tuberculosis. According to the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

Europäischer Rheumatologenkongress EULAR 2020 wird zum Online-Kongress

30.03.2020 | Veranstaltungen

“4th Hybrid Materials and Structures 2020” findet web-basiert statt

26.03.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Quantenimaging: Unsichtbares sichtbar machen

02.04.2020 | Physik Astronomie

Innovative Materialien und Bauelemente für die Terahertz-Elektronik

02.04.2020 | Materialwissenschaften

Besser gewappnet bei Überflutungen in der Stadt

02.04.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics