Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wunschmedizin am Beispiel Gynäkologie - spielen medizinische Indikationen künftig noch eine Rolle?

12.02.2008
Vom 20. bis 23. Februar findet die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG) in Berlin statt. Dazu werden Gynäkologen, Sexualmediziner, Psychologen, Psychotherapeuten und Hebammen im Langenbeck-Virchow-Haus zum Erfahrungsaustausch erwartet.

Mit dem gewählten Kongressthema "Zwischen Tradition und Moderne - Psychosomatische Frauenheilkunde im 21. Jahrhundert" möchte die Gesellschaft eine grundlegende Einordnung ihres Fachgebietes in die moderne, technisierte Medizin vornehmen und den wichtigen Stellenwert des vertraulichen Kontaktes zwischen Arzt/Ärztin und Patientin, gerade in der Frauenheilkunde, verdeutlichen.

"Die Psychosomatische Frauenheilkunde möchte über den sogenannten Tellerrand hinausblicken und die Gynäkologie auch in ihren psychologischen Schwierigkeiten und Herausforderungen beleuchten", beschreibt Dr. Friederike Siedentopf, Oberärztin des Brustzentrums der DRK-Frauenklinik Berlin Westend und Mitglied des Kongresspräsidiums, das Anliegen der Gesellschaft.

Die Schwerpunktthemen der DGPFG-Tagung in Berlin sind so gewählt, dass sie nicht nur fachlich-relevante Ergebnisse hervorbringen, sondern überdies Erkenntnisse, die direkten Nutzen für die Gesellschaft haben. Ein spannendes Thema wird zum Beispiel sein, dass immer mehr Eingriffe keinerlei Rechtfertigung im Sinne einer medizinischen Indikation mehr haben.

... mehr zu:
»Frauenheilkunde

Medizin ist zu einem Markt geworden - nicht nur was Außenseitermethoden angeht, sondern auch was die "Schulmedizin" betrifft. Schönheitsoperationen (Brustvergrößerung/-verkleinerung, Fettabsaugung, Schamlippenkorrektur) sind Beispiele, an die wir uns gewöhnt zu haben scheinen. Die Geburten von Kindern bei Frauen nach den Wechseljahren werden nur noch wahrgenommen, wenn ein neuer "Rekord" im Alter gebrochen wird. Mit dem "Kaiserschnitt auf Wunsch", bei dem es keinen medizinischen Grund gibt, werben mittlerweile Geburtskliniken in den sonntäglichen Anzeigen der Presse.

Rein ökonomisch gesehen gibt es kaum Einwände, da Praxen und Kliniken damit Geld verdienen können. Ethisch gesehen wird man die Autonomie der Patientin in den Vordergrund stellen, wenn man der Auffassung ist, dass eine Patientin nach adäquater Aufklärung selbst dazu befugt ist, eine Entscheidung für oder gegen eine Operation zu treffen, selbst wenn diese nicht medizinisch notwendig ist. "Psychosomatisch gesehen wird es schwieriger. Eine Schönheitsoperation kann den Versuch eines Auswegs aus einer Körperbildstörung oder einer depressiven Krise darstellen, wobei von der körperlichen Operation eine Heilung einer seelischen Wunde erwartet wird.

Auch die Erfüllung des Kinderwunsches bei einer Frau nach den Wechseljahren durchbricht eine natürliche Schranke. Die psychische Frage ist aber, was die treibende Kraft dieser Frau ist, einen Wunsch mit einer solchen Macht durchzusetzen, bei der das Wohlergehen des Kindes nicht unbedingt im Vordergrund zu stehen scheint", gibt Prof. Dr. med. Heribert Kentenich, Chefarzt der Frauenklinik der DRK Kliniken Berlin Westend, zu bedenken.

Auch der "Kaiserschnitt auf Wunsch" sei psychosomatisch sehr zu hinterfragen, so Kentenich, weil oft Ängste der Frau vor der vaginalen Geburt die treibende Kraft seien. "Eigentlich müsste dann eine psychologische Begleitung oder Psychotherapie für diese Frauen anstehen. Die aktuelle Medizin nimmt aber den Ausweg des Kaiserschnittes auf Wunsch an, weil dieser aufgrund seiner Planbarkeit für alle leicht zu gewährleisten ist", beschreibt Professor Kentenich. Eine Wunschmedizin hat immer Pro und Kontra - gerade aus psychosomatischer Sicht müssen die Überlegungen im Interesse der Patientin genau abgewogen werden.

Das gesamte Kongressprogramm und weitere Informationen finden Sie unter http://www.conventus.de/dgpfg2008.

Kontakt für Rückfragen:
Conventus Congressmanagement & Marketing GmbH, Romy Held, Tel. 03641/3533229, presse@conventus.de

Wolfgang Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.conventus.de/dgpfg2008
http://awmf.org

Weitere Berichte zu: Frauenheilkunde

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Lehren und Lernen mit digitalen Medien im Fokus
22.10.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Natürlich intelligent
19.10.2018 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: memory-steel – ein neues Material zur Verstärkung von Bauwerken

Ein neues, an der Empa entwickeltes Baumaterial steht kurz vor der Markteinführung: Mit «memory-steel» lassen sich nicht nur neue, sondern auch bestehende Betonstrukturen verstärken. Erhitzt man das Material (einmalig), spannt es sich wie von selber vor. Das Empa-Spin-off re-fer AG präsentiert das Material mit Formgedächtnis nun in einer Vortragsreihe.

Bislang wurden die Stahl-Armierungen in Betonbauwerken meist hydraulisch vorgespannt. Dazu sind Hüllrohre für die Führung der Spannkabel, Anker zur...

Im Focus: memory-steel - a new material for the strengthening of buildings

A new building material developed at Empa is about to be launched on the market: "memory-steel" can not only be used to reinforce new, but also existing concrete structures. When the material is heated (one-time), prestressing occurs automatically. The Empa spin-off re-fer AG is now presenting the material with shape memory in a series of lectures.

So far, the steel reinforcements in concrete structures are mostly prestressed hydraulically. This re-quires ducts for guiding the tension cables, anchors for...

Im Focus: Mit Gravitationswellen die Dunkle Materie ausleuchten

Schwarze Löcher stossen zusammen, Gravitationswellen breiten sich durch die Raumzeit aus - und ein riesiges Messgerät ermöglicht es, die Struktur des Universums zu erkunden. Dies könnte bald Realität werden, wenn die Raumantenne LISA ihren Betrieb aufnimmt. UZH-Forschende zeigen nun, dass LISA auch Aufschluss über die schwer fassbaren Partikel der Dunklen Materie geben könnte.

Dank der Laserinterferometer-Raumantenne (LISA) können Astrophysiker Gravitationswellen beobachten, die von Schwarzen Löchern ausgesendet werden. Diese...

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Lehren und Lernen mit digitalen Medien im Fokus

22.10.2018 | Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer FIT auf der MEDICA & COMPAMED: Von Elektrobenetzung bis Telemedizin

23.10.2018 | Messenachrichten

memory-steel – ein neues Material zur Verstärkung von Bauwerken

23.10.2018 | Architektur Bauwesen

Quantenkommunikation auf Glasfaserbasis - Interferenz mit Lichtquanten unabhängiger Quellen

23.10.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics