Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

15. Nürtinger Tierschutztagung

26.02.2010
Tieranwalt für Goldhamster und Schwein

Die 15. Nürtinger Tierschutztagung, eine gemeinsame Veranstaltung der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG), der Gesellschaft für Versuchstierkunde (GV-Solas) und der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz sprengte beinahe den Rahmen an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen (HfWU). Über 200 Teilnehmer zumeist aus dem deutschsprachigen Raum beschäftigten sich vier Tage lang mit Fragen zum Tierschutz.

Diskussionen um Tiere sind häufig emotional geführt. Um dem entgegenzutreten hatte HfWU-Professor Dr. Thomas Richter, Veranstalter der Tagung, die ethische Betrachtung um den Wert des Tieres an den Anfang gestellt. Nachdem Professor Dr. Thomas Richter die Rekordteilnehmerzahl freudig verkündet hatte und Rektor Professor Dr. Werner Ziegler sowie Bürgermeister Rolf Siebert die Teilnehmer an der Nürtinger Hochschule begrüßt hatten, konnte Dr. Uta Eser die Zuhörer mit ihrer ethischen Betrachtungsweise fesseln.

Warum Tierschutz geboten sei, leitete Dr. Uta Eser von der Koordinationsstelle Wirtschaft und Umwelt der HfWU, mit drei Ansätzen her: Dem eines Nutzwertes, dass es klug sei Tierschutz zu betreiben und nicht die Gans zu schlachten, die goldene Eier lege. Dem Tugendansatz, der das Mitleid mit dem Tier in den Vordergrund stellt und es als leidensfähiges Individuum betrachtet. Und der Pflichtenansatz, der aufgrund gesetzlicher Regeln bestimmte Handlungen verbietet und Tiere schützt.

Tierschutz um des Tieres Willen stellt den eigenen Wert des Tieres in den Mittelpunkt der Betrachtung und geht vom Nutz- oder Tauschwert, der extern bestimmt ist, weg. Allerdings lässt sich die Frage nach dem Selbstwert von Tieren nicht pauschal beantworten, wie Dr. Uta Eser am Beispiel von Goldhamster und Spinne deutlich machte. Während ein Großteil der Menschen sich vermutlich für den Schutz eines Goldhamsters einsetzen würden, sähe dies beim Schutz einer Spinne möglicherweise anders aus.

Für Dr. Eser ist die Beziehung von Menschen und Tieren die Grundlage für eine Begründung von Tierschutz, indem die menschliche Vernunft die Maßstäbe setze. Ein Tagungsteilnehmer verwies auf das Modell in der Schweiz, wo es seit einigen Jahren im Kanton Zürich einen Anwalt für Tiere gibt, der deren Interessen vertrete. Über eine solche Einrichtung in der gesamten Schweiz stimmen die Eidgenossen am 7. März ab.

Einen interessanten Einblick in die Gesetzeslage in Europa und Deutschland gab Katharina Kluge vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Bonn, die einerseits einen Überblick über die aktuellen Verordnungen gab und gleichzeitig einen Ausblick auf sich ändernde Gesetze wagte. Ein wichtiges Verbraucherthema ist hierbei die Diskussion um die Tierschutzkennzeichnung, um dem Verbraucher erkennbar zu machen, inwieweit tierische Produkte schutzgerecht produziert worden sind. Umfragen hätten ergeben, dass Verbraucher bereit seien für tierschutzgerechte Produkte einen höheren Preis zu bezahlen.

Die viertägige Tagung mit über 40 Referenten hat neue Maßstäbe gesetzt und ein breites Thema abgedeckt. Schon der erste Tag zum Thema "Fütterung von jagdbarem Wild" brachte spannende Diskussionen und neue Impulse. Erstmals ist hierbei über Wild unter Tierschutzaspekten diskutiert worden. Weitere Schwerpunkte waren die EU-Richtline für Versuchstiere aus Sicht der Verwaltung, der Wissenschaft und des Tierschutzes sowie die Haltung von landwirtschaftlichen Nutztieren. Am Schlusstag stehen Ziervögel, Hunde und Pferde im Mittelpunkt der Betrachtung. Hier schließt sich auch der Kreis zur HfWU, die seit vergangenem Herbst den in Deutschland einzigartigen Studiengang "Pferdewirtschaft" anbietet.

Prof. Dr. Thomas Richter ist vom enormen Interesse und dem Verlauf der Tagung begeistert und hat den Themenschwerpunkt Nutztiere für die nächste Auflage in einem Jahr bereits im Kopf.

Andreas Bulling | idw
Weitere Informationen:
http://www.hfwu.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht 92. Neurologie-Kongress: Mehr als 6500 Neurologen in Stuttgart erwartet
20.09.2019 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

nachricht Frische Ideen zur Mobilität von morgen
20.09.2019 | Technische Hochschule Deggendorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 'Nanochains' could increase battery capacity, cut charging time

How long the battery of your phone or computer lasts depends on how many lithium ions can be stored in the battery's negative electrode material. If the battery runs out of these ions, it can't generate an electrical current to run a device and ultimately fails.

Materials with a higher lithium ion storage capacity are either too heavy or the wrong shape to replace graphite, the electrode material currently used in...

Im Focus: Nervenzellen feuern Hirntumorzellen zum Wachstum an

Heidelberger Wissenschaftler und Ärzte beschreiben aktuell im Fachjournal „Nature“, wie Nervenzellen des Gehirns mit aggressiven Glioblastomen in Verbindung treten und so das Tumorwachstum fördern / Mechanismus der Tumor-Aktivierung liefert Ansatzpunkte für klinische Studien

Nervenzellen geben ihre Signale über Synapsen – feine Zellausläufer mit Kontaktknöpfchen, die der nächsten Nervenzelle aufliegen – untereinander weiter....

Im Focus: Stevens team closes in on 'holy grail' of room temperature quantum computing chips

Photons interact on chip-based system with unprecedented efficiency

To process information, photons must interact. However, these tiny packets of light want nothing to do with each other, each passing by without altering the...

Im Focus: Happy hour für die zeitaufgelöste Kristallographie

Ein Forschungsteam vom Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD), der Universität Hamburg und dem European Molecular Biology Laboratory (EMBL) hat eine neue Methode entwickelt, um Biomoleküle bei der Arbeit zu beobachten. Sie macht es bedeutend einfacher, enzymatische Reaktionen auszulösen, da hierzu ein Cocktail aus kleinen Flüssigkeitsmengen und Proteinkristallen angewandt wird. Ab dem Zeitpunkt des Mischens werden die Proteinstrukturen in definierten Abständen bestimmt. Mit der dadurch entstehenden Zeitraffersequenz können nun die Bewegungen der biologischen Moleküle abgebildet werden.

Die Funktionen von Biomolekülen werden nicht nur durch ihre molekularen Strukturen, sondern auch durch deren Veränderungen bestimmt. Mittels der...

Im Focus: Happy hour for time-resolved crystallography

Researchers from the Department of Atomically Resolved Dynamics of the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter (MPSD) at the Center for Free-Electron Laser Science in Hamburg, the University of Hamburg and the European Molecular Biology Laboratory (EMBL) outstation in the city have developed a new method to watch biomolecules at work. This method dramatically simplifies starting enzymatic reactions by mixing a cocktail of small amounts of liquids with protein crystals. Determination of the protein structures at different times after mixing can be assembled into a time-lapse sequence that shows the molecular foundations of biology.

The functions of biomolecules are determined by their motions and structural changes. Yet it is a formidable challenge to understand these dynamic motions.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

92. Neurologie-Kongress: Mehr als 6500 Neurologen in Stuttgart erwartet

20.09.2019 | Veranstaltungen

Frische Ideen zur Mobilität von morgen

20.09.2019 | Veranstaltungen

Thermodynamik – Energien der Zukunft

19.09.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ferroelektrizität verbessert Perowskit-Solarzellen

20.09.2019 | Energie und Elektrotechnik

HD-Mikroskopie in Millisekunden

20.09.2019 | Biowissenschaften Chemie

Kinobilder aus lebenden Zellen: Forscherteam aus Jena und Bielefeld 
verbessert superauflösende Mikroskopie

20.09.2019 | Medizintechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics