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Wohin mit den Windeln?

16.10.2012
Der Restmüll von Pflegeeinrichtungen besteht zu 70 Prozent aus Erwachsenenwindeln. Etwa 200.000 Tonnen dieser Inkontinenzabfälle müssen in Deutschland jährlich entsorgt werden.
An einem neuen Verwertungskonzept für die Stoffe arbeitet das Kompetenzzentrum für Energie- und Umweltsystemtechnik der Technischen Hochschule Mittelhessen. Ein Hauptziel ist dabei die Gewinnung von Biogas. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Vorhaben mit 312.000 Euro. Projektleiter sind die Professoren Dr. Ulf Theilen und Dr. Harald Weigand.

Die Ablagerung organischer Abfälle auf Deponien ist in Deutschland verboten. Die einzig legale Möglichkeit der Entsorgung von Inkontinenzprodukten ist deshalb aktuell die Verbrennung. Die Gießener Wissenschaftler wollen hierzu eine kostengünstige und ökologisch sinnvolle Alternative entwickeln, die ein Logistikkonzept einschließt.

Moderne Inkontinenzwindeln bestehen zu mehr als 60 Prozent aus Zellstoff, der generell zur Gewinnung von Biogas geeignet ist. Weitere Bestandteile sind zum Beispiel Kunststoffe, die im Gärrückstand verbleiben und die Prozessführung anspruchsvoll machen. Zu den Projektaufgaben gehört die Prüfung verschiedener betriebstechnischer Aspekte wie die Frage der optimalen Umwälzung der zerkleinerten Windeln und die Stabilisierung der Prozessbedingungen der Biogasgewinnung. Als Verwertungsalternative werden Theilen und Weigand auch die hydrothermale Carbonisierung prüfen, ein Verfahren zur Herstellung von Kohle aus Biomasse.

Zu den in den Windeln enthaltenen Kunststoffen gehören Polypropylen und Polyethylen. Sie sollen möglichst sortenrein abgetrennt und stofflich verwertet werden. Auch den für das Aufsaugen der Fäkalien und des Urins verantwortlichen Superabsorber aus Polyacrylsäure wollen die Forscher zurückgewinnen und zum Beispiel als Wasserspeicher in Böden nutzen.

Wesentlicher Bestandteil des Projekts ist neben der Verfahrenstechnik die Entwicklung eines betriebswirtschaftlich tragfähigen Gesamtkonzepts für Erfassung, Behandlung und Verwertung der Inkontinenzabfälle. Es soll exemplarisch für die Vitos Weilmünster gGmbH entwickelt werden. Das Unternehmen betreibt zwölf Kliniken und Pflegeeinrichtungen.

Das Forschungsvorhaben hat ein Gesamtvolumen von fast 700.000 Euro und eine Laufzeit von drei Jahren. Es wird im Rahmen der Förderlinie FHprofUnt unterstützt. Damit will der Bund den Wissens- und Technologietransfer zwischen Hochschulen und Unternehmen intensivieren. Kooperationspartner der TH Mittelhessen sind neben Vitos unter anderem das Ingenieurbüro Klaus Serfass in Ganderkesee, die Abena GmbH in Zörbig und die Bergisch-Gladbacher Theocare GmbH. Eine Zusammenarbeit ist auch mit den Universitäten Gießen und Braunschweig und der Hochschule Ruhr West geplant.

Erhard Jakobs | idw
Weitere Informationen:
http://www.thm.de/site/kompetenzzentren/zeuus.html

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