Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn sich Eichen im doppelten Sinne lohnen

27.02.2020

Wertvolle Insekten-Lebensräume durch wirtschaftliche Rentabilität langfristig erhalten

Über 1.000 Insektenarten konnten an Eichen festgestellt werden. „Der Erhalt der Artenvielfalt ist eng mit dem Lebensraumschutz verknüpft – alte Eichen und Eichenwälder spielen dabei eine herausragende Rolle“, sagt Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).


Für die Artenvielfalt sind Alt- und Totholz besonders wichtig.

Andreas Mölder


Mindestens so groß wie ein Fußballfeld sollte eine Fläche sein, damit sich das Anpflanzen der Licht liebenden Eiche rentiert. Am besten in der Nähe alter Eichengruppen.

Andreas Mölder

Einige von ihnen sind jahrhundertealte Relikte historischer Waldnutzungsformen wie Mittel-, Nieder- und Hutewälder. Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA, Göttingen) hat in einem von der DBU fachlich und finanziell geförderten Projekt Eckpunkte für ein zielgerichtetes Management von Eichenwäldern erarbeitet.

Es wird aufgezeigt, wie Wälder verjüngt werden können, aber auch, dass systematische Bewirtschaftungskonzepte auf Waldlandschaftsebene notwendig sind. Demnach könnten zum Beispiel nicht standortgemäße und geschädigte Fichtenwälder gezielt in Eichenbestände überführt werden.

Dabei wird deutlich, dass der ökonomische Erfolg der Eichenwirtschaft eine wesentliche Motivation darstellt, struktur- und artenreiche Eichenwälder zu erhalten und zu begründen. Wenn solche Eichenlebensräume wirtschaftlich rentabel sind, lohnt es sich im doppelten Sinne, sie langfristig zu erhalten.

Zielkonflikte bei Verjüngung und Ernte von Eichenwäldern

Derzeit nehmen Eichenwälder laut Bundeswaldinventur rund zehn Prozent der Waldfläche Deutschlands ein. International bedeutsam sind gleich mehrere Eichen-Lebensraumtypen innerhalb des zusammenhängenden Natura-2000-Schutzgebietnetzes der Europäischen Union. „Gerade im hohen Alter sind Eichenwälder für den Naturschutz durch ihre Arten- und Strukturvielfalt bedeutsam“, betont Dr. Reinhard Stock, DBU-Fachreferent Naturschutz.

Wer einen Eichenwald begründen will, müsse jedoch mit hohen Anfangskosten und langen Produktionszeiträumen rechnen. Finanziell lohne sich der Holzverkauf erst, wenn die Bäume eine gewisse Dimension erreicht hätten. Prof. Dr. Hermann Spellmann, Projektleiter und Leiter der NW-FVA, sagt: „Ausgeprägte Zielkonflikte zwischen Ökonomie und Naturschutz ergeben sich damit häufig bei der Verjüngung und der Ernte von Eichenwäldern.“

Insgesamt wurden rund 350 Wälder in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hessen und Sachsen-Anhalt systematisch untersucht.

Viel Licht und wenig Konkurrenz ausschlaggebend

Frei gewordene Waldflächen, auf denen beispielsweise ehemals Fichten oder vom Triebsterben geschädigte Eschen standen, könnten sich laut Projektbearbeiter Dr. Andreas Mölder von der NW-FVA als Chance für den Anbau der Licht liebenden Eiche entpuppen. Sie sollten aber mindestens in etwa die Größe eines Fußballfeldes haben. „Ein entscheidender Faktor, der sowohl naturschutzfachlich als auch wirtschaftlich für Eichenwälder enorme Bedeutung hat, ist, wie viel Licht die Bäume bekommen“, so Mölder.

Deshalb könne ein flächenhaftes Anpflanzen sogar ökonomisch sinnvoller sein, als zwischen alten Eichen auf kleiner Fläche unsichere und teure Verjüngungsmaßnahmen durchzuführen, die wegen der mangelnden Schattentoleranz der Eiche oft erfolglos seien. Wichtig für die Wiederausbreitung der typischen Lebensgemeinschaften reifer Eichenwälder seien die Nachbarschaft alter Eichengruppen und der Erhalt von Eichen-Habitatbäumen.

Andererseits sollten Buchen, die im Schirm über der Eichenverjüngung zu viel Schatten spenden, entfernt werden. Mölder: „Um eine hohe Vielfalt von Arten, die an die Baumart Eiche gebunden sind, zu erreichen, ist es sinnvoll, eine Kombination aus wirtschaftlich genutzten Wäldern und Habitatbaumgruppen sowie -flächen zu entwickeln. Auch ist es zielführend, stehendes und liegendes Eichentotholz im Wald zu belassen. Die Reste historischer Bewirtschaftungsformen wie Nieder- oder Hutewald sollten erhalten und diese historischen Wirtschaftsformen wieder aufgenommen werden, wo es möglich und sinnvoll erscheint.“

Pflanzungen aus wirtschaftlicher Sicht erfolgreicher als Naturverjüngung

Für Forstbetriebe, die von den Erträgen aus dem Holzverkauf abhängen, empfiehlt Projektbetreuer Ralf-Volker Nagel, überwiegend auf Pflanzungen zu setzen. „Bei den Untersuchungen zeigte sich, dass es zahlreiche negative Einflussgrößen gibt, die waldbaulich nicht steuerbar und häufig zufällig sind. So führen Fraß, Pilzbefall oder Witterung dazu, dass selbst bei vorbildlicher Vorgehensweise des Forstpersonals Naturverjüngungsmaßnahmen oft misslingen“, so der Waldbauexperte.

Die systematische Inventur von Eichen-Jungbeständen in den genannten Bundesländern habe gezeigt, dass dort die Eichennaturverjüngung mit einem Anteil von vier Prozent nur eine sehr untergeordnete Rolle spiele. Nagel betont schließlich, dass eine Betrachtungsweise auf Bestandsebene nicht ausreiche, um die Eichenlebensräume langfristig zu sichern. Vielmehr seien systematische Bewirtschaftungskonzepte auf Waldlandschaftsebene notwendig.

Weitere Informationen:

https://www.dbu.de/123artikel38579_2442.html Online-Pressemitteilung

Jessica Bode | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: DBU Eiche Fichten Licht Naturschutz Pflanzungen Schattentoleranz Strukturvielfalt Umwelt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Tiefsee der Framstaße ist Endlager für Mikroplastik aus der Arktis und dem Nordatlantik
26.03.2020 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Dürre und Überschwemmungen – Neue Mess- und Vorhersageverfahren sollen Folgen lindern
20.03.2020 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nachwuchswissenschaftler der Universität Rostock erfinden einen Trichter für Lichtteilchen

Physiker der Arbeitsgruppe von Professor Alexander Szameit an der Universität Rostock ist es in Zusammenarbeit mit Kollegen von der Universität Würzburg gelungen, einen „Trichter für Licht“ zu entwickeln, der bisher nicht geahnte Möglichkeiten zur Entwicklung von hypersensiblen Sensoren und neuen Technologien in der Informations- und Kommunikationstechnologie eröffnet. Die Forschungsergebnisse wurden jüngst im renommierten Fachblatt Science veröffentlicht.

Der Rostocker Physikprofessor Alexander Szameit befasst sich seit seinem Studium mit den quantenoptischen Eigenschaften von Licht und seiner Wechselwirkung mit...

Im Focus: Junior scientists at the University of Rostock invent a funnel for light

Together with their colleagues from the University of Würzburg, physicists from the group of Professor Alexander Szameit at the University of Rostock have devised a “funnel” for photons. Their discovery was recently published in the renowned journal Science and holds great promise for novel ultra-sensitive detectors as well as innovative applications in telecommunications and information processing.

The quantum-optical properties of light and its interaction with matter has fascinated the Rostock professor Alexander Szameit since College.

Im Focus: Künstliche Intelligenz findet das optimale Werkstoffrezept

Die möglichen Eigenschaften nanostrukturierter Schichten sind zahllos – wie aber ohne langes Experimentieren die optimale finden? Ein Team der Materialforschung der Ruhr-Universität Bochum (RUB) hat eine Abkürzung ausprobiert: Mit einem Machine-Learning-Algorithmus konnten die Forscher die strukturellen Eigenschaften einer solchen Schicht zuverlässig vorhersagen. Sie berichten in der neuen Fachzeitschrift „Communications Materials“ vom 26. März 2020.

Porös oder dicht, Säulen oder Fasern

Im Focus: Erdbeben auf Island über Telefonglasfaserkabel registriert

Am 12. März 2020, 10.26 Uhr, ereignete sich in Südwestisland, ca. 5 km nordöstlich von Grindavík, ein Erdbeben mit einer Magnitude von 4.7, während eines längeren Erdbebenschwarms. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ haben jetzt dort ein neues Verfahren zur Überwachung des Untergrunds mithilfe von Telefonglasfaserkabeln getestet.

Ein von GFZ-Forschenden aus den Sektionen „Oberflächennahe Geophysik“ und „Geoenergie“ durchgeführtes Online-Monitoring, das Glasfaserkabel des isländischen...

Im Focus: Quantenoptiker zwingen Lichtteilchen, sich wie Elektronen zu verhalten

Auf der Basis theoretischer Überlegungen von Physikern der Universität Greifswald ist es Mitarbeitern der AG Festkörperoptik um Professor Alexander Szameit an der Universität Rostock gelungen, photonische topologische Isolatoren als Lichtwellenleiter zu realisieren, in denen sich Photonen wie Elektronen verhalten, und somit fermionische Eigenschaften zeigen. Ihre Entdeckung wurde jüngst im renommierten Fachblatt „Nature Materials“ veröffentlicht.

Dass es elektronische topologische Isolatoren gibt – Festkörper die im Innern den elektrischen Strom nicht leiten, dafür aber umso besser über die Oberfläche –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

“4th Hybrid Materials and Structures 2020” findet web-basiert statt

26.03.2020 | Veranstaltungen

Wichtigste internationale Konferenz zu Learning Analytics findet statt – komplett online

23.03.2020 | Veranstaltungen

UN World Water Day 22 March: Water and climate change - How cities and their inhabitants can counter the consequences

17.03.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltweit einzigartig: Neue Anlage zur Untersuchung von biogener Schwefelsäurekorrosion in Betrieb

27.03.2020 | Architektur Bauwesen

Schutzmasken aus dem 3D-Drucker

27.03.2020 | Materialwissenschaften

Nachwuchswissenschaftler der Universität Rostock erfinden einen Trichter für Lichtteilchen

27.03.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics