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Umweltauswirkungen der Krabbenfischerei im Nationalpark Wattenmeer

28.09.2018

Thünen-Institut erhält Zuschlag für ein neues, bundesländerübergreifendes Forschungsprojekt

Die deutsche Nordseeküste gehört fast vollständig zum Nationalpark Wattenmeer, einem besonders schützenswerten Ökosystem. In diesem Gebiet sind rund 190 Krabbenfischerei-Betriebe tätig. Hohe Anforderungen an die Nachhaltigkeit sind nötig, um die Garnelenfischerei mit den Nationalparkzielen und der Natura2000-Richtlinie in Einklang zu bringen.


Krabbenkutter mit ausgefahrenen Baumkurren.

(Michael Welling)


Erste Bodensediment-Proben aus dem Lister Tief sind für die weitere Untersuchung im Labor genommen.

(Thünen-Institut)

Bei ihren Fangfahrten setzen die Krabbenfischer Grundschleppnetze ein, sogenannte Baumkurren, die durch Rollen und Kufen stetigen Kontakt zum Meeresboden haben. Wie stark dies das Ökosystem beeinträchtigt, wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert.

Die Auswirkungen der Baumkurren auf den Meeresboden und seine Lebensgemeinschaften besser zu verstehen, ist Ziel des neuen Forschungsprojekts „CRANIMPACT – Auswirkungen der Garnelenfischerei auf Habitate und Lebensgemeinschaften im Küstenmeer der Norddeutschen Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen“.

Unter Leitung des Thünen-Instituts für Seefischerei hat sich für dieses Projekt ein Konsortium aus Universitäten, staatlichen Forschungseinrichtungen und Wirtschaftspartnern zusammengefunden; die Kosten von rund 1,4 Millionen Euro werden zu 75 % aus Mitteln des Europäischen Meeres- und Fischereifonds bereitgestellt, die übrigen 25 % tragen die beiden Bundesländer Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Das Projekt hat zwei sich ergänzende Ansätze: Analysen der Zusammensetzung der Bodenlebensgemeinschaften entlang von Gradienten fischereilicher Nutzung und die Untersuchung der Erholungsraten der Lebensgemeinschaften und Bodenstrukturen nach experimenteller Befischung.

Als Referenzgebiet dient dabei erstmals ein Teil des dänischen Wattenmeeres, wo Krabbenfischerei seit Jahrzehnten verboten ist. Zusätzlich wird untersucht, wie tief die Baumkurren in die verschiedenen Bodentypen des Küstenmeeres eindringen, um deren physikalische Empfindlichkeit gegenüber der Fischerei herauszuarbeiten.

Für die Arbeiten auf See kommen sowohl kommerzielle Krabbenkutter der Erzeuger-gemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer zum Einsatz als auch kleinere Forschungsschiffe, die speziell für den Einsatz im flachen Wattenmeer konzipiert sind. Die Untersuchungsgebiete erstrecken sich vom Lister Tief nördlich der Insel Sylt bis zur Blauen Balje südlich des Jadebusens im Niedersächsischen Wattenmeer.

Neben den praktischen Arbeiten auf See werden verschiedene Datensätze, unter anderem Langzeiterhebungen der Bodenlebensgemeinschaften und Satellitenüberwachungsdaten, ausgewertet, um abschätzen zu können, wie sich die Ökosysteme längerfristig an die Fischerei anpassen. In den biologischen Analysen stehen die Auswirkungen der Fischerei auf die Ökosystemfunktionalität und -leistungen besonders im Fokus.

Die Projektergebnisse liefern eine fundierte wissenschaftliche Grundlage für Management-maßnahmen und Bewirtschaftungspläne für die Krabbenfischerei im Küstenmeer, wie sie z.B. im Rahmen der MSC-Zertifizierung eingefordert werden. Darüber hinaus liefern Sie wichtige Fakten, die die Diskussion über die Vereinbarkeit von Naturschutz und fischereilicher Nutzung im Nationalpark Wattenmeer weiterbringen können.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Gerd Kraus
Thünen-Institut für Seefischerei, Bremerhaven
Tel.: 0471 94460-101
E-Mail: gerd.kraus@thuenen.de

Dr. Michael Welling | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.ti.bund.de

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