Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Titicaca See ist „Bedrohter See des Jahres 2012“

30.01.2012
Pressemitteilung des Global Nature Fund zum Welttag der Feuchtgebiete 2012

Der Schein trügt. Die atemberaubende Kulisse des zweitgrößten Sees in Südamerika kann nicht mehr über die gravierenden Umweltbelastungen hinwegtäuschen, die durch ungereinigte Abwässer, Minenabbau und Chemikalieneintrag aus der Landwirtschaft hervorgerufen werden. Verschmutzte Uferbereiche und ein Teppich aus Wasserlinsen zeigen deutlich die Folgen des unzureichenden Wassermanagements.


Landwirtschaftliche Nutzung der Ufer des Titicaca Sees


Entnahme von Wasserlinsen am Titicaca See

Die Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) ernennt den in Bolivien und Peru liegenden Titicaca See zum „Bedrohten See des Jahres 2012“. Anlässlich des Welttags der Feuchtgebiete weist der GNF auf die schnell fortschreitende Zerstörung des größten Trinkwasserspeichers in Südamerika hin. Der GNF fordert gemeinsam mit lokalen Organisationen die Umsetzung von nachhaltigen Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität und damit zum Schutz des Titicaca Sees. Die Verschmutzung aus ungereinigten Abwässern von Haushalten und Industrie sowie durch Landwirtschaft und dem Abbau von Edelmetallen bedrohen die Lebensgrundlage von zwei Millionen Menschen, die im Einzugsgebiet des Sees leben.

Der im Altiplano, der kargen Hochebene in den peruanischen und bolivianischen Anden, gelegene Titicaca See ist Anziehungspunkt für tausende nationaler und internationaler Touristen. Als Trinkwasserspeicher und wichtige Nahrungsquelle - der See ist sehr fischreich - ist der Titicaca für die Bevölkerung von existentieller Bedeutung. Dies gilt vor allem für die Urus, einer kleinen indigenen Bevölkerungsgruppe, die noch heute auf traditionellen „schwimmenden Inseln“ lebt.

Das stetige Bevölkerungswachstum in der Region hat eine starke Übernutzung des Sees und seiner Uferzonen sowie der angrenzenden Landflächen zur Folge. In den vergangenen Jahrzehnten vertraute man auf die Selbstreinigungskraft des Sees, weshalb die Klärung der anfallenden Abwässer im Einzugsgebiet nur unzureichend durchgeführt wurde. Heutzutage sind die schwerwiegenden Folgen dieser Versäumnisse vielerorts zu sehen. Ein großer Teil der Wasseroberfläche der Puno-Bucht in Peru ist bereits mit Wasserlinsen bedeckt, die sich trotz verschiedener Gegenmaßnahmen durch den ungebremsten Nährstoffeintrag immer weiter ausbreiten. Auch die Kläranlage der bolivianischen Stadt El Alto mit 1,1 Millionen Einwohnern entspricht mit einer Kapazität für 300.000 Einwohner schon seit über 15 Jahren nicht mehr dem tatsächlichen Bedarf.

Neben den häuslichen Abwässern gelangen auch Verunreinigungen aus der Lebensmittel-, Leder-, Zement- und Holzindustrie über verschiedene Zuflüsse in den See. Durch den Abbau von Edelmetallen wie Gold und Silber in zahlreichen und teilweise illegalen Minen werden die Abwässer mit giftigen Schwermetallen, u. a. mit Zink und Quecksilber, belastet.

Viele Gemeinden am Titicaca See leben traditionell vom Fischfang. Die sich verschlechternde Wasserqualität hat einen negativen Einfluss auf die Fischbestände, so dass bereits seit Mitte der 1980-er Jahre einige Fischer ihre Arbeit aufgeben mussten. Um dem steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln nachzukommen, werden immer größere Flächen für den Anbau von Kartoffeln, Mais und Getreide genutzt und durch den damit einhergehenden Einsatz von ertragssteigernden Düngemitteln zusätzlich die Böden und der Wasserkreislauf belastet.

Das drastische Sinken des Wasserstandes zeigt auch bereits die ersten dramatischen Auswirkungen des Klimawandels, da sich die Regenzeit von ursprünglich sechs Monaten auf nur noch drei Monate verkürzt hat. Gleichzeitig steigt die Wasserentnahme stetig an, um den Bedarf an Trinkwasser und für die Bewässerung von Feldern sowie für die Industrie zu decken. Der sinkende Wasserspiegel des Sees und trocken fallende Uferbereiche bedeuten für viele Tiere und Pflanzen am und im See den Verlust an Lebensräumen, Laichgebieten und Nistplätzen. Auch die Konzentration der organischen und chemischen Verschmutzung des Wassers wird hierdurch dramatisch verschärft.

Erste Maßnahmen zur Verbesserung der Situation
Langfristig sollen zwei neue Kläranlagen in El Alto zur Verbesserung der Wasserqualität im Katari Fluss sowie an der Cohana-Bucht beitragen. Das setzt jedoch umfangreiche Investitionen voraus, um den „heiligen See“ und seine wertvollen Leistungen für Mensch und Natur langfristig zu erhalten. Noch ist nicht klar, ob diese Gelder zur Verfügung stehen werden.

Die bolivianische Naturschutzorganisation Trópico setzt zusammen mit dem Global Nature Fund seit Dezember 2011 ein Projekt zum Kampf gegen die Auswirkungen des Klimawandels am Titicaca See um. Mit einer Umweltbildungskampagne wird die einheimische Bevölkerung über den Klimawandel und seine Folgen auf ihre Lebensgrundlagen informiert. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Projekts, das von der Stiftung Ursula Merz unterstützt wird, ist die Entwicklung eines Klimaschutzkonzepts für die Millionenstadt La Paz in enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung.

Hintergrund
Am Tag zum Schutz der Feuchtgebiete ernennt der Global Nature Fund alljährlich einen „Bedrohten See des Jahres“, um damit zur Lösung von drängenden Problemen an Feuchtgebieten und Seen der Welt beizutragen. Der Titicaca See liegt auf einer Höhe von 3.810 m über dem Meeresspiegel im Norden der Anden-Hochebene, dem Altiplano. Der See erstreckt sich über eine Fläche von ca. 8.400 km² und ist das höchste schiffbare Gewässer weltweit. Seit 1998 ist der gesamte See als Ramsar-Schutzgebiet ausgewiesen.

Der Titicaca See ist seit 2003 Mitglied im internationalen Netzwerk Living Lakes, das vom Global Nature Fund koordiniert wird. Die peruanische Umweltorganisation CEDAS (Centro de Desarrollo Ambiental y Social) mit Sitz in Puno und die bolivianische Naturschutzorganisation Trópico (Asociación Boliviana para la Conservación) mit Geschäftsstelle in La Paz vertreten den Titicaca See seit dem Eintritt ins Netzwerk Living Lakes. Das Seennetzwerk setzt sich erfolgreich und nachhaltig für die betroffenen Regionen ein und wird hierbei auch von weltweit tätigen Unternehmen wie Daimler, der Deutschen Lufthansa, Kärcher, Sika, Reckitt Benckiser und Osram unterstützt.

Kontakt:
Global Nature Fund (GNF)
Bettina Schmidt
Fritz-Reichle-Ring 4
78315 Radolfzell, Deutschland
Tel.: 0 77 32 - 99 95 – 89
Fax: 0 77 32 - 99 95 – 88
E-Mail: schmidt@globalnature.org

Bettina Schmidt | Global Nature Fund (GNF)
Weitere Informationen:
http://www.globalnature.org
http://www.globalnature.org/BedrohterSee2012

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Mikroplastik – überall und in großen Mengen
12.07.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Forscher-Team entwickelt recyclebare Kunststoffe
03.07.2018 | Humboldt-Universität zu Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Im Focus: Magnetic vortices: Two independent magnetic skyrmion phases discovered in a single material

For the first time a team of researchers have discovered two different phases of magnetic skyrmions in a single material. Physicists of the Technical Universities of Munich and Dresden and the University of Cologne can now better study and understand the properties of these magnetic structures, which are important for both basic research and applications.

Whirlpools are an everyday experience in a bath tub: When the water is drained a circular vortex is formed. Typically, such whirls are rather stable. Similar...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation

13.07.2018 | Informationstechnologie

Fachhochschule Südwestfalen entwickelt innovative Zinklamellenbeschichtung

13.07.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics