Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schmetterlinge gibt´s (fast) nicht mehr - Dramatischer Rückgang von Tagfalterarten in Deutschland

30.03.2016

In den letzten 200 Jahren ist in Deutschland ein deutlicher Rückgang von Schmetterlingsarten zu verzeichnen – dies belegen Senckenberg-Wissenschaftler in ihrer kürzlich im Fachjournal „Conservation Biology“ erschienenen Studie. Waren es im Jahr 1840 noch 117 Arten, flatterten im Jahr 2013 nur noch 71 verschiedene Tagfalter im Untersuchungsgebiet. Als bedrohende Faktoren nennen die Wissenschaftler die Intensivierung der Landschaftsnutzung, den globalen Klimawandel sowie die Belastung durch Stickstoff.

Die Berghexe (Chazara briseis) ist vom Aussterben bedroht – der elegant ockerbraun gescheckte Tagfalter ist auf magere Trockenrasen beschränkt und wird es aufgrund des Landschaftsnutzungswandels und der globalen Erwärmung in Zukunft schwer haben.


Die Berghexe (Chazara briseis) ist – wie viele spezialisierte Tagfalter – vom Aussterben bedroht.

© Senckenberg/Schmitt


Generalisten, wie das Tagpfauenauge (Aglais io) kommen mit den verschärften Bedingungen (noch) gut zurecht.

© Senckenberg/Schmitt

„Leider ist das nicht der einzige Schmetterling, der in Deutschland stark gefährdet ist“, erklärt Prof. Dr. Thomas Schmitt, Leiter des Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut in Müncheberg und fährt fort: „Unsere Studie zeigt, dass in den letzten 200 Jahren die Anzahl von Tagfalterarten dramatisch abgenommen hat.“

Das Team rund um den Müncheberger Schmetterlingsforscher hat durch den Vergleich von internationaler, nationaler und regionaler Fachliteratur sowie eigener Aufsammlungen die Veränderungen der Schmetterlingsfauna in einem Naturschutzgebiet nahe dem bayrischen Regensburg innerhalb der vergangenen 200 Jahre untersucht.
„Die meisten Tagfalterarten konnten wir von 1840 bis 1880 nachweisen; in diesem Zeitraum gab es im Schnitt 117 verschiedene Schmetterlingsarten auf dem circa 45 Hektar großen Wiesenstück, im Jahr 2013 waren es nur noch 71 Arten“, erläutert Schmitt.

Besonders spezialisierte Arten, die an einen bestimmten Landschaftstyp oder eine spezielle Nahrungsquelle gebunden sind, sind vom Artenrückgang betroffen – viele von Ihnen, wie zum Beispiel die Berghexe, sind vom Aussterben bedroht.

„Generalisten, also Tagfalter, die sich gut an verschiedene Bedingungen anpassen können, beispielsweise das Tagpfauenauge oder der Kleine Fuchs, sind bisher nicht betroffen. Aus unserer Sicht ist das aber nur eine Frage der Zeit, wenn schon in ausgewiesenen Schutzgebieten ein Verlust zu verzeichnen ist“, ergänzt Schmitt.

Besonders in den letzten 30 Jahren sind die Aussterberaten laut der Studie höchst besorgniserregend. Als Gründe werden sowohl die lokale Intensivierung der Flächennutzung und Fragmentierung der Landschaft und die damit einhergehende Zerstörung von Lebensräumen benannt, als auch globale Bedrohungen wie der Klimawandel und die zunehmende Stickstoffbelastung.

„Obwohl die Verluste der Artenvielfalt innerhalb der Tagfalter Deutschlands auch in den letzten Dekaden deutlich sind, können nur Langzeitbeobachtungen das ganze Ausmaß der Katastrophe zeigen. Es sollten dringend Schutzmaßnahmen für die Schmetterlinge Deutschlands ergriffen werden – insbesondere für die Spezialisten unter den Tagfaltern“, empfiehlt Schmitt.

Kontakt
Prof. Dr. Thomas Schmitt
Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut Müncheberg (SDEI)
Tel. 033432 - 73 698 3700
Thomas.Schmitt@Senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Habel, J. C., Segerer, A., Ulrich, W., Torchyk, O., Weisser, W. W. and Schmitt, T. (2016), Butterfly community shifts over 2 centuries. Conservation Biology. doi: 10.1111/cobi.12656

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de

2016 ist Leibniz-Jahr. Anlässlich des 370. Geburtstags und des 300. Todestags des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (*1.7.1646 in Leipzig, † 14.11.1716 in Hannover) veranstaltet die Leibniz-Gemeinschaft ein großes Themenjahr. Unter dem Titel „die beste der möglichen Welten“ – einem Leibniz-Zitat – rückt sie die Vielfalt und die Aktualität der Themen in den Blick, denen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der bundesweit 88 Leibniz-Einrichtungen widmen. www.bestewelten.de

Judith Jördens | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wo bleibt das Plastik im Ozean?
30.03.2020 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Tiefsee der Framstaße ist Endlager für Mikroplastik aus der Arktis und dem Nordatlantik
26.03.2020 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Blockierung des Eisentransports könnte Tuberkulose stoppen

Tuberkulose-Bakterien brauchen Eisen zum Überleben. Wird der Eisentransport in den Bakterien gestoppt, so kann sich der Tuberkulose-Erreger nicht weiter vermehren. Nun haben Forscher der Universität Zürich die Struktur des Transportproteins ermittelt, das für die Eisenzufuhr zuständig ist. Dies eröffnet Möglichkeiten zur Entwicklung neuer Medikamente.

Einer der verheerendsten Erreger, der sich im Inneren menschlicher Zellen vermehren kann, ist Mycobacterium tuberculosis – der Bazillus, der Tuberkulose...

Im Focus: Blocking the Iron Transport Could Stop Tuberculosis

The bacteria that cause tuberculosis need iron to survive. Researchers at the University of Zurich have now solved the first detailed structure of the transport protein responsible for the iron supply. When the iron transport into the bacteria is inhibited, the pathogen can no longer grow. This opens novel ways to develop targeted tuberculosis drugs.

One of the most devastating pathogens that lives inside human cells is Mycobacterium tuberculosis, the bacillus that causes tuberculosis. According to the...

Im Focus: Corona-Pandemie: Medizinischer Vollgesichtsschutz aus dem 3D-Drucker

In Vorbereitung auf zu erwartende COVID-19-Patienten wappnet sich das Universitätsklinikum Augsburg mit der Beschaffung von persönlicher Schutzausrüstung für das medizinische Personal. Ein Vollgesichtsschutz entfaltet dabei in manchen Situationen eine bessere Schutzwirkung als eine einfache Schutzbrille, doch genau dieser ist im Moment schwer zu beschaffen. Abhilfe schafft eine Kooperation mit dem Institut für Materials Resource Management (MRM) der Universität Augsburg, das seine Kompetenz und Ausstattung im Bereich des 3D-Drucks einbringt, um diesen Engpass zu beheben.

Das Coronavirus SARS-CoV-2 wird nach heutigem Wissensstand maßgeblich durch Tröpfcheninfektion übertragen. Dabei sind neben Mund und Nase vor allem auch die...

Im Focus: Hannoveraner Physiker entwickelt neue Photonenquelle für abhörsichere Kommunikation

Ein internationales Team unter Beteiligung von Prof. Dr. Michael Kues vom Exzellenzcluster PhoenixD der Leibniz Universität Hannover hat eine neue Methode zur Erzeugung quantenverschränkter Photonen in einem zuvor nicht zugänglichen Spektralbereich des Lichts entwickelt. Die Entdeckung kann die Verschlüsselung von satellitengestützter Kommunikation künftig viel sicherer machen.

Ein 15-köpfiges Forscherteam aus Großbritannien, Deutschland und Japan hat eine neue Methode zur Erzeugung und zum Nachweis quantenverstärkter Photonen bei...

Im Focus: Physicist from Hannover Develops New Photon Source for Tap-proof Communication

An international team with the participation of Prof. Dr. Michael Kues from the Cluster of Excellence PhoenixD at Leibniz University Hannover has developed a new method for generating quantum-entangled photons in a spectral range of light that was previously inaccessible. The discovery can make the encryption of satellite-based communications much more secure in the future.

A 15-member research team from the UK, Germany and Japan has developed a new method for generating and detecting quantum-entangled photons at a wavelength of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Europäischer Rheumatologenkongress EULAR 2020 wird zum Online-Kongress

30.03.2020 | Veranstaltungen

“4th Hybrid Materials and Structures 2020” findet web-basiert statt

26.03.2020 | Veranstaltungen

Wichtigste internationale Konferenz zu Learning Analytics findet statt – komplett online

23.03.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

SmartKai – „Einparkhilfe“ zur Vermeidung von Schäden an Schiffen und Hafeninfrastruktur

01.04.2020 | Informationstechnologie

Blockierung des Eisentransports könnte Tuberkulose stoppen

01.04.2020 | Biowissenschaften Chemie

Universität Innsbruck entwickelt neuartiges Corona-Testverfahren

01.04.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics