Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pflanzensamen überstehen Maschinenwäsche - Ausbreitung invasiver Arten an Kleidung

11.09.2018

Nach einem Spaziergang über Wiesen und Felder findet man oft Kletten auf Hosen und Socken. Derart anhängliche Samen gehören zu Pflanzen die sich darauf spezialisiert haben ihre Samen im Fell von Tieren an entfernte Orte transportieren zu lassen (Epizoochorie). Manche Pflanzen sind invasiv, d.h. sie sind in einer Region nicht heimisch, breiten sich jedoch schnell aus und wirbeln oft die ursprünglichen Pflanzen- und teils auch Tiergemeinschaften durcheinander. Umso wichtiger ist es, die Verbreitungswege dieser Arten zu kennen um gezielt eingreifen zu können.

Orsolya Valkó und ihr Team von der Universität Debrecen in Ungarn haben nun einen bisher übersehenen Aspekt bei der Ausbreitung von Pflanzensamen untersucht: wie gut überstehen an Kleidung hängende Samen Waschgänge in der Waschmaschine?


Samen verschiedener Pflanzen zu Beginn des Keimungsexperiments.

Orsolya Valkó


Samen der Wilden Möhre (Daucus carota) an Baumwollsocken.

Réka Kiss

Die Forscher testeten neun Gräser- und neun Wildkräuterarten bei 30°C und 60°C auf Fleece, Jeans und Baumwollsocken. Alle Arten konnten nach dem Waschgang bei 30°C problemlos keimen. Nach der Wäsche bei 60°C keimten immerhin noch zehn von 18 Arten, wobei der Beginn der Keimung der gewaschenen Samen deutlich variabler wurde. Das Team testete außerdem den Effekt von Waschmittel auf die Keimfähigkeit, doch es machte keinen Unterschied ob die Samen nun mit Waschpulver, Waschnuss oder in klarem Wasser gewaschen wurden.

Um abschätzen zu können wie viele Samen den Weg von der Wiese bis zur Wäscheleine schaffen, wurde ein wirklichkeitsnahes Experiment durchgeführt: fünf Versuchspersonen trugen während ihres normalen Alltags für 8 h jeweils ein Fleecesweatshirt, Jeans und Baumwollsocken, auf die Samen aufgebracht worden waren.

Jede Stunde wurde gezählt wie viele Samen noch da waren. An Fleece (48 %) und an den Baumwollsocken (43 %) blieben deutlich mehr Samen haften als auf Jeans (32 %). Dann wurde die Kleidung gewaschen und danach die auf den Stoffen verbliebenen Samen gezählt.

Es stellte sich heraus dass nach der Wäsche noch 37 % der Samen auf Fleece vorhanden waren, 26 % auf Jeans, und 36 % auf Baumwolle. Der Rest der Samen blieb in der Waschmaschine oder wurde mit dem Abwasser hinausgespült. Einige Arten blieben sowohl tagsüber als auch in der Waschmaschine deutlich besser haften als andere, was vor allem mit der Komplexität der Samenanhänge zu hatte.

Unter den getesteten Pflanzenarten waren auch einige in Ungarn und anderen Teilen Europas in Ausbreitung begriffene invasive Arten, wie z.B. das traubige Klettengras (Tragus racemosus) oder das Süßgras Cenchus incertus. Menschen können eine Vielzahl von Organismen an die unterschiedlichsten Orte tragen – ohne sich dessen bewusst zu sein.

Die Verschleppung an der Kleidung von Besuchern ist z.B. der wichtigste Grund warum sich plötzlich gebietsfremde und potentiell invasive Pflanzenarten in abgelegenen Naturreservaten ansiedeln. Zusammen mit der immer größeren Mobilität der Menschen und den stetig steigenden Besucherzahlen in Nationalparks und Naturreservaten werden diese Ausbreitungswege in Zukunft noch wichtiger werden.

Weltweit wurden bisher insgesamt etwa 450 Pflanzenarten identifiziert die an Kleidung haftend verbreitet werden können. Die meisten dieser Arten sind weltweit vorkommende krautige Pflanzen. Noch gibt es jedoch nur sehr wenige Studien zu diesem wichtigen Thema, und es ist wahrscheinlich dass es unter den insgesamt ca. 250 000 Gefäßpflanzenarten noch deutlich mehr Kandidaten für Verbreitung mit menschlicher Kleidung gibt.

Bei interkontinentalen Flügen gibt es zwar einige Maßnahmen um den Transport von Samen an der Kleidung und den Schuhen der Reisenden zu unterbinden, doch auf Flügen innerhalb Europas gibt es solche Vorsichtsmaßnahmen nicht. Außerdem gibt es kaum Möglichkeiten um die Kleidung im aufgegebenen Gepäck der Passagiere zu kontrollieren, an der zahlreiche Samen haften können.

Ein weiterer Aspekt: mit zunehmend effektiveren Waschmitteln und dem Ziel den Energieverbrauch von Waschmaschinen zu senken, sind inzwischen deutlich niedrigere Waschtemperaturen möglich und empfehlenswert. Heute ist 40°C das neue 60°C, was aus energetischen Gesichtspunkten zwar sehr zu begrüßen ist, doch gleichzeitig könnten dadurch in Zukunft noch mehr Samen die Wäsche überstehen und an Orten auskeimen, an denen sie eigentlich nichts zu suchen haben.

Der Fund einer seltenen Pflanze an einem unpassenden Ort war auch der Auslöser für diese Studie: „Das Ganze fing mit einer alltäglichen Beobachtung an:“ erzählt Orsolya Valkó, „ich finde jedes Mal sehr viele Samen auf meiner Kleidung nachdem ich bei der Feldarbeit oder einfach draußen in der Natur unterwegs war. Ich sah dass die Kleidung selbst nach dem Waschen noch voller Samen war und ich fragte mich ob diese Samen noch keimfähig wären. Ich war sehr überrascht als eine Sonnenwend-Flockenblume (Centaurea solstitialis), eine in Ungarn geschützte Art, plötzlich unter unserer Wäscheleine keimte und blühte – auf Betonboden auf einem Balkon im dritten Stock! Nach dieser Beobachtung wurde ich neugierig was mit durch Kleidung verbreiteten Samen nach dem Waschen passiert.“

Orsolya Valkó wird ihre Arbeit am Dienstag, 11. September 2018 um 16:30 auf der 48. Jahrestagung der Gesellschaft für Ökologie in Wien, Österreich, vorstellen.

Die 48. Jahrestagung der Gesellschaft für Ökologie von Deutschland, Österreich und der Schweiz findet am 10.-13. September 2018 in Wien statt und steht unter dem Motto „Ecology - meeting the scientific challenges of a complex world“. Ein internationales wissenschaftliches Publikum wird dort die neuesten Ergebnisse ökologischer Forschung aus diversen Themenbereichen diskutieren. Highlights sind dieses Jahr der Vortrag von Dr. Martin Sorg zum Thema Insektensterben (Hallmann et al. 2017 PLOSone) und der öffentliche Vortrag von Prof. Dr. Klement Tockner über die Domestizierung unserer Gewässer.

Links zu Ressourcen:
48. Jahrestagung der Gesellschaft für Ökologie von Deutschland, Österreich und der Schweiz:
https://www.gfoe-conference.de/

Für Informationen zum Bericht und/oder um ein Interview mit dem Vortragenden zu organisieren, kontaktieren Sie bitte:
Orsolya Valkó, Universität Debrecen, Email: valkoorsi@gmail.com, Tel: +36 (0)30 519 0316, oder
Péter Levente Takács (Pressestelle Universität Debrecen), Email: takacs.peter.levente@unideb.hu

Bilder in hoher Auflösung sind auf Nachfrage verfügbar.

Für Informationen zur Konferenz oder um einen Presseausweis zu beantragen, kontaktieren Sie bitte:
Juliane Röder, Pressestelle der Gesellschaft für Ökologie, Email: presse@gfoe.org, Tel: +49 (0) 6421 28 23381, Mobile:+49 (0) 179 64 68 958

Die 48. Jahrestagung der Gesellschaft für Ökologie findet in der Alten Wirtschaftsuniversität (Alte WU), Augasse 2-6, Wien vom 10. bis 13. Dezember 2018 statt. Das detaillierte Programm finden Sie hier: https://www.gfoe-conference.de/index.php?cat=program

Folgen Sie der Veranstaltung auf den sozialen Medien #gfoe2018

Die Gesellschaft für Ökologie (GfÖ)
Die Gesellschaft für Ökologie repräsentiert ÖkologInnen aus der Grundlagenforschung, aus angewandten Berufsfeldern, sowie aus Bildung und Lehre. Unsere Mitglieder stammen vorwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die GfÖ wurde 1970 gegründet um den Austausch zwischen ÖkologInnen aus verschiedensten Berufen und Themenbereichen zu fördern. Die Vielfalt der über 1150 Mitglieder der Gesellschaft spiegelt sich in der Vielfalt der Expertengruppen, Publikationen und Jahrestreffen der GfÖ.
www.gfoe.org | Facebook @gfoe.org | Twitter @GfOe_org

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Orsolya Valkó, Universität Debrecen, Email: valkoorsi@gmail.com, Tel: +36 (0)30 519 0316

Weitere Informationen:

https://www.gfoe-conference.de/ 48. Jahrestagung der Gesellschaft für Ökologie von Deutschland, Österreich und der Schweiz


http://http:/hirek.unideb.hu Aktuelle Nachrichten der Universität Debrecen

Juliane Röder | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Smogbekämpfung fördert Solarstrom
06.12.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Von der Arktis bis zu den Tropen: Forscher präsentieren einmalige Datenbank zur Vegetation der Erde
20.11.2018 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wenn sich Atome zu nahe kommen

„Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält“ - dieses Faust’sche Streben ist durch die Rasterkraftmikroskopie möglich geworden. Bei dieser Mikroskopiemethode wird eine Oberfläche durch mechanisches Abtasten abgebildet. Der Abtastsensor besteht aus einem Federbalken mit einer atomar scharfen Spitze. Der Federbalken wird in eine Schwingung mit konstanter Amplitude versetzt und Frequenzänderungen der Schwingung erlauben es, kleinste Kräfte im Piko-Newtonbereich zu messen. Ein Newton beträgt zum Beispiel die Gewichtskraft einer Tafel Schokolade, und ein Piko-Newton ist ein Millionstel eines Millionstels eines Newtons.

Da die Kräfte nicht direkt gemessen werden können, sondern durch die sogenannte Kraftspektroskopie über den Umweg einer Frequenzverschiebung bestimmt werden,...

Im Focus: Datenspeicherung mit einzelnen Molekülen

Forschende der Universität Basel berichten von einer neuen Methode, bei der sich der Aggregatzustand weniger Atome oder Moleküle innerhalb eines Netzwerks gezielt steuern lässt. Sie basiert auf der spontanen Selbstorganisation von Molekülen zu ausgedehnten Netzwerken mit Poren von etwa einem Nanometer Grösse. Im Wissenschaftsmagazin «small» berichten die Physikerinnen und Physiker von den Untersuchungen, die für die Entwicklung neuer Speichermedien von besonderer Bedeutung sein können.

Weltweit laufen Bestrebungen, Datenspeicher immer weiter zu verkleinern, um so auf kleinstem Raum eine möglichst hohe Speicherkapazität zu erreichen. Bei fast...

Im Focus: Data storage using individual molecules

Researchers from the University of Basel have reported a new method that allows the physical state of just a few atoms or molecules within a network to be controlled. It is based on the spontaneous self-organization of molecules into extensive networks with pores about one nanometer in size. In the journal ‘small’, the physicists reported on their investigations, which could be of particular importance for the development of new storage devices.

Around the world, researchers are attempting to shrink data storage devices to achieve as large a storage capacity in as small a space as possible. In almost...

Im Focus: Data use draining your battery? Tiny device to speed up memory while also saving power

The more objects we make "smart," from watches to entire buildings, the greater the need for these devices to store and retrieve massive amounts of data quickly without consuming too much power.

Millions of new memory cells could be part of a computer chip and provide that speed and energy savings, thanks to the discovery of a previously unobserved...

Im Focus: Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

Wiener Quantenforscher der ÖAW realisierten in Zusammenarbeit mit dem AIT erstmals ein quantenphysikalisch verschlüsseltes Netzwerk zwischen vier aktiven Teilnehmern. Diesen wissenschaftlichen Durchbruch würdigt das Fachjournal „Nature“ nun mit einer Cover-Story.

Alice und Bob bekommen Gesellschaft: Bisher fand quantenkryptographisch verschlüsselte Kommunikation primär zwischen zwei aktiven Teilnehmern, zumeist Alice...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kommunikation zwischen neuronalen Netzwerken

17.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Beim Phasenübergang benutzen die Elektronen den Zebrastreifen

17.12.2018 | Physik Astronomie

Pharmazeuten erzielen Durchbruch bei Suche nach magensaftbeständigen Zusätzen für Medikamente

17.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics