Paradox: Wälder feuern Hitzewellen an

Die Luft über einem Waldstück ist bei extremer Sommerhitze heißer als über Grasland. Auf dieses Paradoxon weist ein internationales Forscherteam in der Fachzeitschrift „Nature Geoscience“.

„Vegetation hat allgemein eine kühlende Funktion, wenn man sie etwa mit verbauten Fläche in Städten vergleicht. Unsere Ergebnisse zeigen, dass dieser Kühleffekt bei Wiesen sofort eintritt. Im Vergleich dazu erwärmen Wälder bei Hitzewellen die Atmosphäre zunächst zusätzlich und kühlen sie erst auf lange Sicht“, sagt Studienautorin Sonia Seneviratne vom Institut für Atmosphäre und Klima an der ETH Zürich im pressetext-Interview.

Wiese ist stärkere Klimaanlage

Trifft Sonnenlicht auf eine Oberfläche, so wird es teils reflektiert und teils umgewandelt, etwa in Verdunstungsenergie oder Wärme. Wie das bei verschiedenen Landschaften genau vor sich geht, haben die Forscher nun anhand Daten für die Sommermonate im Zeitraum 1997 bis 2008 untersucht. Sie kombinierten dazu am Boden oder Türmen durchgeführte Messungen das Austauschs von Energie und Wasser mit Satellitenmessungen der Oberflächentemperatur aus Zentral- und Westeuropa. Der Vergleich zeigte, dass Grasflächen und Äcker an Hitzetagen bis zu doppelt so viel Wasser verdunsten wie Wälder. Dadurch wird die Luft darüber auch stärker gekühlt als über dem Wald.

Bäume kühlen erst auf lange Sicht

Erst wenn die Hitzewelle länger dauert – wie etwa im Sommer 2003 der Fall – wird die Schwäche des Waldes zur Stärke. Denn nach Ablauf bestimmter Zeit ist das Wasser im Wiesenboden aufgebraucht und das Gras stirbt. Damit verliert das Gras jeglichen Kühleffekt und erhitzt die Luft nur noch. Beim Wald dauert es viel länger. „Mittelfristig stabilisieren Wälder das Klima, indem sie die geringe Verdunstung weit längere Zeit ermöglichen“, so Seneviratne. Die Verdunstungskontrolle gelingt den Bäumen durch spezielle Spaltöffnungen, mit denen ein Baumblatt Wasser auch bei Hitze lange zurückhalten kann.

Neues Futter für Klimamodelle

Diese neuen Erkenntnisse werden in Klimamodelle und Wetterprognosen einfließen. „Die Studie liefert eine gute Argumentationsgrundlage für die Diskussion, ob man bei einer zunehmenden Klimaerwärmung aufforsten soll“, betont die Zürcher Klimaforscherin.

Abstract der Originalstudie unter http://www.nature.com/ngeo/journal/vaop/ncurrent/full/ngeo950.html

Media Contact

Johannes Pernsteiner pressetext.schweiz

Weitere Informationen:

http://www.iac.ethz.ch

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz

Dieser Themenkomplex befasst sich primär mit den Wechselbeziehungen zwischen Organismen und den auf sie wirkenden Umweltfaktoren, aber auch im weiteren Sinn zwischen einzelnen unbelebten Umweltfaktoren.

Der innovations report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Klimaschutz, Landschaftsschutzgebiete, Ökosysteme, Naturparks sowie zu Untersuchungen der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Nanofasern befreien Wasser von gefährlichen Farbstoffen

Farbstoffe, wie sie zum Beispiel in der Textilindustrie verwendet werden, sind ein großes Umweltproblem. An der TU Wien entwickelte man nun effiziente Filter dafür – mit Hilfe von Zellulose-Abfällen. Abfall…

Entscheidender Durchbruch für die Batterieproduktion

Energie speichern und nutzen mit innovativen Schwefelkathoden. HU-Forschungsteam entwickelt Grundlagen für nachhaltige Batterietechnologie. Elektromobilität und portable elektronische Geräte wie Laptop und Handy sind ohne die Verwendung von Lithium-Ionen-Batterien undenkbar. Das…

Wenn Immunzellen den Körper bewegungsunfähig machen

Weltweit erste Therapie der systemischen Sklerose mit einer onkologischen Immuntherapie am LMU Klinikum München. Es ist ein durchaus spektakulärer Fall: Nach einem mehrwöchigen Behandlungszyklus mit einem immuntherapeutischen Krebsmedikament hat ein…

Partner & Förderer